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A. Ligamenta capitis, |ättkr am $oy%
Die Gelenke, welche am Kopfe getroffen werden, dienen entweder zur Bewegung des Unterkiefers oder
des ganzen Kopfes auf der Wirbelsäule. Die Bänder der letzteren befinden sich nicht blos zwischen Hinterhauptsbein
und Atlas, sondern auch noch zwischen Atlas und Epistropheus, sowie überhaupt zwischen dem Schädel
und den oberen Halswirbeln. — Auch gibt es noch einige dem Zungenbein angehörige Bänder am Kopfe.
I. liigg. artieulationis maacillaris, \ II. Hg ff. articulationis capitis,
Mnber öes JKtefergefenfts. Miiber öes Kopfgefen&s.
Das Unterkiefergelenk ist ein freies Gelenk, welches
zu beiden Seiten des Schädels zwischen dem äussern
Gehörgange und der Wurzel des Jochbogens liegt und
vom processus condyloideus des Unterkiefers gebildet wird,
der in der fossa articularis des Schläfenbeins, mittels eines
Kapsel- und eines äussern und eines innern Seitenbandes
, eingelenkt ist. Zwischen den Gelenkknopf und die
Grube, die beide mit einem nur sehr dünnen knorpligen
Ueberzuge versehen sind, ist ein Zwischenknorpel eingeschoben
, um das Hin-und Hergleiten des Gelenkknopfes
zu erleichtern und den Druck beim heftigen Beissen zu
mindern. Vermöge des Mechanismus seiner Bildung und
Verbindung ist dem Unterkiefer eine bedeutende Beweglichkeit
verliehen; jedoch ist diese freie Bewegung nach
ab- und aufwärts grösser, als die Verschiebung vor-,
rück- und seitwärts; sie ist also eine beschränkte Ar-
throdie zu nennen. Die Bewegungen bestehen: a) in
einer Ab- und Anziehung, bei welcher der Unterkiefer
wie ein doppelter Hebel, der in den Gelenken
seine Unterlagen hat, mit dem Kinne einen Kreisbogen
beschreibt. Beim Herabziehen gleiten die Gelenkknöpfe
etwas vorwärts unter die tubercula articularia; beim Hinaufziehen
gleiten sie wieder zurück in die Gruben.
Ausserdem ist dem Unterkiefer noch b) eine Bewegung
nach der Seite, welche aber, der Stellung der Con-
dylen wegen, keine einfache horizontale, sondern eine
etwas kreisförmige ist, und durch die Kaumuskeln beschränkt
wird, und c) ein Vor- und Rückwärts-
schieben gestattet. Bei den letztern Bewegungen werden
die condyli mit ihren ganzen Gelenkflächen in der
Grube vorwärts geschoben und zurückgezogen. Die geringste
Bewegung ist nach hinten, wegen des vordem
Blattes des äussern Gehörganges, möglich. Durch das
rasche Aufeinanderfolgen der genannten Bewegungen entsteht
die drehende oder reibende Bewegung, wobei die
Condylen in der Gelenkgrube Kreise beschreiben. Bei
geschlossenem Munde ruhen die condyli auf dem hintern
Theile der Gelenkhöcker, so dass die obere Zahnreihe
etwas über die untere hervorsteht.
1) Lig. capsulare s. articuiare maxilläe, Kapselband
(mit cartilago interarticularis, Zwischenknorpel). An-
heftp.: Rand der fossa articularis; — Umfang des con-
dylus maxilläe inferioris. Verstärkt durch:
a) Lig. laterales, maxillare externum. Anheftp.:
Wurzel des process. zygomat. ossis temporal.; —Hals des ramus \
maxilläe inferioris. \
)
ß) Lig. laterale intern um s. spheno -maxillare. An- \
heftp.: process. spinosus; — Band des foramen alveolare infe-*l
rius. — Verstärkt durch lig. stylo-maxillare s. stylo-myloi- \
deum, welches vom processus styloideus, neben der innern Seite >
des m. pterygoideus internus, zum angulus maxilläe inferioris tritt.
--
Die Beweglichkeit des Kopfes auf der Wirbelsäule
ist hauptsächlich auf 2 Gelenke vertheilt; die Beuge-
und Streckbewegung geschieht mittels des (Ginglymus-)
Gelenkes zwischen Kopf (Hinterhaupt) und Atlas, die
Seitwärtsdrehung wird zwischen Atlas und Epistropheus
ausgeführt. Diese Einrichtung vertritt die Stelle eines,
und zwar sehr freien Gelenkes; ausserdem verschaffen
aber auch noch die übrigen beweglich unter einander
verbundenen Halswirbel dem Kopfe grosse Beweglichkeit
. — Die Verbindung zwischen Kopf und Atlas geschieht
durch ein ziemlich lockeres (rechtes und linkes)
Kapselband, und durch das vordere und hintere Ausfüllungsband
, welche letzteren Bänder den Raum zwischen
den Bögen des Atlas und dem Rande des foramen magnum
ausfüllen. Ausserdem helfen bei dieser Verbindung
auch noch der apparatus ligamentosus und das lig. nuchae
mit, sowie indirect das Aufhängeband und die Flügelbänder
des Zahnfortsatzes. — Die Verbindung zwischen
Atlas .und Epistropheus, durch weite Kapselbänder, das
quere, das Aufhänge- und rechte und linke Flügelband
des Zahnfortsatzes, sowie durch den apparatus Ugamentosus
vermittelt, ist ein Drehgelenk und gestattet dem
Atlas sammt dem Kopfe sich um den Zahn des Epistropheus
nach rechts und links um 45° zu drehen. Diese
Drehbewegung beeinträchtigt das Rückenmark nicht im
geringsten, da dem Atlas ein Körper fehlt und auf diese
Weise viel Raum gewonnen ist.
a) Bänder zwischen Kopf und Atlas.
1) Lig. capsulare capitis cum atlante (s. articuiare
capitis), Kapselband des Kopfes. Anheftp.: Umfang
des condylus ossi occipital.; — Rand der fossa condyloidea
des Atlas. Verstärkt durch:
a) Lig. accessoria. Anheftp.: processus transversus at-
lantis; —seitlicher Band des foramen magnum.
2) Lig. obturatorium (s. latuni) atlantis anticum
(s. membrana annuli anterioris atlantis), vorderes Aus-
füllungsband. Anheftp.: vorderer Bogen des Atlas; —
vorderer Rand des foramen magnum. Verstärkt durch :
a) Lig. rectum s. lacertus medius (Weitbrecht). Anheftp
.: Mitte des vordem Unifanges des foramen magnum; —
tuberculum atlantis anticum.
3) Lig. obturatorium <{s. latum) atlantis posticum
(s. membrana annuli posterioris), hinteres Ausfüllungsband
. Anheftp.: hinterer Bogen des Atlas; — hinterer
Rand des fofam&i magnum.
b) Bänder zwischen Kopf und Epistropheus.
fa)^B^g.Jtäh'dim dentis episftophei "(ihf er i'örtr und
yerior a s) alaria< I
superior a alaria< Maucharti), Seite^i- oder FKigel-
bänder.^e'S •O^rrs'trGrphenls. 'Anheftp.: ^seitliche Fläche
des processus odontoideus epistrophei ; — Vertiefung zwischen
dem innern Rande des condylus ossis occipitis und vordem
Umfange des foramen magnum.
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