http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0081
Die Klappen, valvulae venarum, sind Taschenventile, Duplicaturen der Innenhaut, welche in die Höhle der Venen
hinein halbmondförmige Vorsprünge bilden, die den Taschen in Kutschen nicht unähnlich sind. Mit dem einen, convexen Rande
hängen sie mit der Gefässwand zusammen, woselbst ein kleiner Wulst, Damm, agger, entsteht; der andere, etwas ausgeschnittene
und dickere Rand ragt frei in die Höhle der Vene hervor und ist stets gegen das Herz gerichtet; beide Ränder kommen in 2
Spitzen, comua, zusammen. Zwischen der von diesen beiden Rändern begränzten Falte und der Venenwand bleibt eine sackförmige
, tascheuähnliche Vertiefung (sinus), deren Oeffnung nach dem Herzen hin gerichtet ist, so dass das zurückfliessende Blut
diese erfüllt, und das Lumen der Vene schliesst, während die Klappe von dem vorwärtsströmenden Blute an die Venenwand angedrückt
wird. — Die Klappen kommen nicht in allen Venen gleichmässig vor; sie finden sich nur an denjenigen Stellen, wo
die Circulation durch die Schwere der Blutsäule oder durch Druck leicht gestört werden könnte. Sie fehlen deshalb in den Venen,
welche in weichen, drüsigen Theilen oder in einer Höhle vor Drucke geschützt liegen. Dagegen sind sie in den Venen der
untern Körperhälfte (mit Ausnahme der Venen der Unterleibseingeweide) und der Gliedmaassen sehr häufig und stark entwickelt.
Am häufigsten findet man sie in den oberflächlichem Blutadern, in denen von mittlerer Grösse, und an spitzwinkeligen Vereinigungen
grösserer Zweige. In allen sehr kleinen Venen und Commmunicationszweigen fehlen sie, schon in denen von weniger als
V" Dm. kommen sie sehr selten vor und sind fast unmerklich. — In kleineren Venen oder an Einmündungsstellen bestehen die
Klappen meist nur aus 1 Tasche, dagegen findet man sie in den grössern Venen paarweise, einander gegenüberliegend; nur selten
kommen 3 oder 4 neben einander vor. Da, wo sich 2 Klappen vorfinden, sind sie in kleinen Venen länglich und schmal; einen
flachen Vorsprung bilden sie, wenn blos eine Klappe vorhanden ist. — Ihre Grösse ist sehr verschieden; gewöhnlich verschliessen
sie das Lumen der Vene ganz, was vorzüglich da der Fall ist, wo mehrere Klappen beisammen liegen, während einzelne es nur
verengern. In grösserer Anzahl finden sich Klappen dicht bei einander da, wo die beiden Jugularvenen und die ven. subclavia
zur ven. anonyma zusammenstossen.
Venen des kleinen Kreislaufes oder kleines Venensystem.
Hierher gehören die 4 Lungenblutadern, venae pulmonales, welche ihren Ursprung aus dem Capillargefässnetze
der Lungenarteric nehmen und das hier hellroth gewordene Blut, welches die Lungenarterie als dunkelrothes hingeschafft hatte, in
das linke Atrium des Herzens zurückführen. Wegen ihres Gehaltes an arteriellem Blute werden diese Blutadern auch venae arteriös
ae genannt. Sie nehmen aber nicht allein dieses Blut nach seiner Veränderung auf, sondern auch einen Theil venösen Blutes,
welches durch die Bronchial- und Pleuralarterien zur Lunge gelangte und zu deren Ernährung diente. — Sie entwickeln sich aus
den kleinsten Venenwurzeln zu immer grössern Zweigen, welche die Arterien und Luftröhrenäste (bronchia) begleitend, endlich an
jeder Lunge gewöhnlich zu 2 starken Stämmen (seltener zu 1 oder 3) zusammenfliessen, die aus dem Iiilus ihrer Lunge heraustreten
und, sogleich vom Herzbeutel aufgenommen, einwärts denen der andern Seite entgegen laufen, um in das atrium sinistrum
einzumünden. Beide Stämme, ein oberer, etwas grösserer und ein kleinerer unterer, haben einen kurzen Verlauf i}^" lanS')
und eine Strecke weit ringförmige Muskelfasern in ihren Wänden, die mit den Fasern des Herzens zusammenhängen; Klappen
zeigen sich in ihnen nicht, nur da wo sich Aeste von einander trennen? befinden sich an den Winkeln einfache, vorspringende
Kanten, welche höchstens die Hälfte des Lumens verschliessen können. Die venae pulmonales liegen hinter und unter den
übrigen grossen Blutgefässen und Luftröhrenästen, näher dem hintern Rande der Lungen, an der hintern Seite des Herzens in der
Richtung des obern Theiles des linken Vorhofes. Die rechten Lungenvenen werden vorn durch die ven. cava superior und das
rechte Atrium verdeckt. Die rechte obere {!'" dick) läuft vor und unter dem rechten Aste der Lungenarterie und Luftröhre;
die rechte untere (G1^"' dick) tritt zwischen der vorigen und der ven. cava inferior, hinter der rechten Lungenarterie und dem
rechten Bronchus hinweg. — Die linke obere Lungenvene (53/4;" dick) liegt unter und hinter dem linken Aste der art. pulmonal.
und vor dem linken Bronchus, die linke untere (Q1^'" dick) welche etwas tiefer als die rechte untere liegt, läuft hinter und etwas
unterhalb der vorigen und des linken Bronchus.
Venen des grossen Kreislaufes oder grosses Venensystem.
Dieses System besteht aus den Blutadern, Avelche das von den Zweigen der Aorta zu allen Theilen des Körpers hingeführte
arterielle Blut als dunkelrothes aus den Capillargefässnetzen derselben erhalten und zum rechten Atrium zurückleiten. Die
Hauptstämme dieses Systems sind die Herzvenen (venae cardiacae) und die beiden Hohladern (venae cavae), von welchen
letztern die obere das venöse Blut der obern Körperhälfte, die untere das der untern Theile aufnimmt. Beide stossen im
atrium dextrum mit ihren Mündungen in schräger Richtung (von rechts nach links) aufeinander; an der Oeffnung der venu cava inferior
liegt eine sichelförmige Hautfalte, valvula Eustachii. Mit dieser letztern Vene hängt noch unmittelbar ein drittes Venensystem, das
Pf ort ad ersy stein (^vena portae), zusammen, welches das Blut der art. coeliaca, mesenterica superior und inferior aus den in's
Bauchfell eingewickelten Verdauungswerkzeugen (mit Ausnahme der Leber) aufnimmt und sich dann in der Leber verbreitet. Beim
Embryo ist noch die Nabelvene (vena umbilicalis) von grosser Wichtigkeit.
16*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0081