Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., TF 2014/26
Bock, Carl Ernst
Hand-Atlas der Anatomie des Menschen: nebst einem tabellarischen Handbuche der Anatomie
Berlin, 1864
Seite: 96
(PDF, 50 MB)
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Anatomische Literatur

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0114
Gefässe und Nerven der Zunge. — Gefässe: artt. und
vv. linguales. Um die Zungendrüsen bilden die Gefässe ein zierliches
Netz; in den Papillen biegen die Capillaren schlingenförmig um. —
Nerven: ramus lingualis des nerv, trigeminus und des n. glosso-
pharyngeus, nerv, hypoglossus. Letzterer gehört ausschliesslicb der
Muskulatur an. Die Aeste des n. trigeminus und glosso-pharyngeus
(mit kleinen Ganglien) bilden unter der Schleimhaut des Zungenrückens
Geflechte, von denen zahlreiche Primitivfasern in die Papillen
treten. Der n. trigeminus ist wahrscheinlich nur Tastnerv, der glosso-
pharyngeus aber der eigentliche Geschmacksnerv.

--H$Srf--

V. Tastorgan, organon tactus (Haut).

Der Tastsinn hat seinen Hauptsitz auf der die ganze
Oberfläche des Körpers überkleidenden Haut, und zwar
in den gefäss- und nervenreichen Gefühlswärzchen,
pupillae tactus, die aber nicht an allen Stellen gleich
vollkommen entwickelt sind. Am deutlichsten treten
sie an den Fingerspitzen, der Hohlhand und Fusssohle
hervor. Die Haut ist zusammengesetzt: aus der Oberhaut
(mit der Horn- und Schleimschicht), der Lederhaut
(mit der structurlosen intermediären und der Faserschicht
) und dem Unterhautbindegewebe. In der Haut
sind dann noch die Papillen, die Talg- und Schweiss-
drüsen, sowie als Anhänge die Haare und Nägel zu
finden.

1) Oberhaut, ep>idermis\ sie bildet den äussersten
sich fortwährend abschuppenden Ueberzug der Haut, überzieht
scheidenartig alle Bunzeln und Hervorraguugen derselben, und
zeigt die Oeffnungen der Schweisscanäle, Haarbälge und Talgdrüsen
, in welche sie sich hineinstülpt und entweder bald all-
mälig in deren Epithel übergeht oder wie bei den Haarbälgen,
die Wände derselben auskleidet. Sie ist gefäss- und nervenlos,
einzig und allein aus Zellen gebildet, und besteht aus 2 Lagen,
von denen die obere die Hornschicht, cuticula, farblos durchscheinend
und aus Plättchen verhärteter Pflasterepithelialzellen
gebildet ist. Die untere Lage der Epidermis heisst das M a 1 -
pighi'sche Schleim netz, rete mucosum s. corpus
reticulare Malpighn, ist die jüngste, zunächst auf der äussern
Fläche der Bindehaut aufliegende und noch nicht in die Hornschicht
umgewandelte Lage der Oberhaut, welche aus dem zuletzt
von der Cutis abgesonderten, noch weichen Cytoblastem
und Epidermiszellen besteht. Es finden sich in dieser flüssigen
Epidermislage ausser den kernhaltigen Zellen auch noch Elementarkörner
und Zellenkerne; die Zellen sind länglich oder
rundlich, nehmen nach oben an Umfang zu und in Folge gegenseitigen
Druckes eine polygonale Gestalt an; je näher sie der
Hornschicht treten, desto mehr platten sie sich ab und verhornen
endlich zu den Epidermisplättchen. Das Hautpigment
hat seinen Sitz in den Epidermiszellen der Schleimschicht.

2) L e d e r h au t, corium, d. i. die eigentliche Haut, welche
aus dicht an einander gedrängten Bindegewebsfasern besteht,
denen in den tiefern Schichten der Cutis auch noch elastische
Fasern, sowie in der obern Schicht glatte Muskelfasern beigemengt
sind. Die Dichtigkeit des Lederhautgewebes nimmt von
unten nach ihrer Oberfläche hin allmälig zu, so dass die untere
Schicht mehr dem formlosen Unterhautbindegewebe, die obere,
papillenbildende, der homogenen, nicht mehr in einzelne Bündel
und Fasern zerlegbaren intermediären Haut gleicht. — Das
corium zerfällt danach in 2 nicht scharf geschiedene Schichten:
in die nach oben an die Epidermis grenzende Wärzchenschicht
, pars papillaris, und die nach unten liegende, durch
Fettballen netzförmig durchbrochene, allmälig in das Unterhautzellgewebe
übergehende Netzschicht, pars reticularis, welche
in besondern Maschenräumen die Haarbälge und Hautdrüsen
enthält. Die Wärzchenschicht ist grauröthlich und enthält in
ihrem dichten Gewebe die Endausbreitungen der Gefässe und

Nerven, sowie den obern Theil der Haarbälge und Hautdrüsen.
An ihrer äussern, vom Malpighi'schen Schleimnetze und der
Epidermis überzogenen Oberfläche des corium finden sich: feine
Falten und Runzeln, linienförmige Erhabenheiten und Vertiefungen
, einfache oder zusammengesetzte Tastwärzchen, und
kleine Oeffnungen, welche theils zu den Talgdrüsen und Haarbälgen
, theils zu den Schweissdrüsen führen.

a. Die linienförmigen Erhabenheiten und Hügelchen zwischen
den linearen und sternförmig sich durchkreuzenden Vertiefungen sind
theils kleine Runzeln, welche bei starker Spannung der Haut verschwinden
(wie an der Dorsalflächo der Hand), theils rühren sie von
einzelnen oder reihenartig geordneten Hautwärzchen her, zwischen
denen sich in Grübchen die Oeffnungen der Schweiss- und Talgdrüsen
finden.

b. Haut- oder Tastwärzchen, papillae corii s. tactus,
sind kleine, weiche, rundliche oder konische, einfache oder zusammengesetzte
(mit 2, 3 und mehr Spitzen versehene) Hervorragungen
auf der äussern Schicht der Lederhaut, deren Gesammtheit als corpus
papilläre bezeichnet wird, welche an einzelnen Stellen, z. B. im Gesicht
, sehr niedrig sind oder selbst gänzlich fehlen, an den meisten
aber entweder einzeln oder in Haufen beisammen stehen und an den
vorzüglich empfindlichen Stellen (besonders an den Fingerspitzen)
parallele, bogenförmig sich hinziehende Hügelketten oder spiral- und
wirbeiförmig verlaufende Streifen bilden. Der Papillarkörper besteht
aus derselben faserigen, gefäss - und nervenreichen Substanz, wie das
übrige corium, doch haben deren Elemente mehr eine der Längsachse
der Papille nach verlaufende Richtung. Gegen die Achse der Papille
zu finden sich querverlaufende elastische Fasern. An dem Handteller
und der Fusssohle gibt es 2 verschiedene Arten von Papillen, nämlich
Nerven- und Gefäs spap illen. Erstere besitzen ein Tastkörperchen
, in welchem eine Nervenfaser endigt, aber keine (oder
nur ausnahmsweise eine) Gefässschlinge. Letztere besitzen nur eine
Gefässschlinge, aber keine (bisjetzt nachweisbaren) Nerven.

c. Gefässe, sowohl Blut- wie Lymphgefässe, finden sich in der
Haut in grosser Zahl. Schon im Unterhautzellgewebe geben die eintretenden
Arterien viele Aestchen ab, die theils an den Haarbälgen,
theils im Bindegewebe, an den Fettträübchen und glatten Muskelfasern
sich verzweigen und grossentheils weitmaschige Netze feiner
Capillaren bilden. Höher oben versorgen sie die Schweiss- und
Talgdrüsen, bilden in der Reticularschicht des Corium ebenfalls, doch
nicht viele, Endaiisbreitungen und dringen endlich bis in die äussersten
Theile der Papillarscbicht und in die Papillen selbst ein. In jede
Papille tritt eine capillare Arterie, welche, ohne sich zu verästeln,
zur Spitze der Papille aufsteigt, hier schlingenförmig umbiegt und
als Vene zurückkehrt (Gefässschlinge der Papille). In die zusammengesetzten
Papillen dagegen treten mehrere feine Arterien ein,
welche mehrmals bogenförmig auf- und absteigen, bevor sie die Papille
wieder als Vene verlassen. — Die Lymphgefässe bilden in
den äussersten Theilen des Coriums ein dichteres Netz feiner Gefässe,
welches in der Tiefe und im Unterhautbindegewebe in ein weitmaschiges
Netz stärkerer Lymphgefässe übergeht. Stellenweise, besonders
an der Hand und am Fusse, hat man auch in die Papillen feine
Lymphgefässe eindringen und in der halben Höhe des Wärzchens
blind endigen sehen.

d. Nerven finden sich in den obersten Schichten der Lederhaut
sehr zahlreich, dagegen nur spärlich in den tiefern Schichten. In
dem Papillarkörper lösen sich die Nervenstämmchen auf und bilden,
durch vielfache Verbindungen reichere oder ärmere Endnetze, deren
feinere Theile aus einfachen Nervenfasern bestehen. In dem feinen
Endnetze kommen auch wirkliche Theilungen der Primitivfasern vor.
Die Nerven endigen theils in den Drüsen, glatten Muskelfasern, Haarbälgen
und Pacini'schen Körperchen, theils in den oberflächlichen
Hautlagen selbst, in den Tastkörperchen und frei in der Haut an der
Wurzel der Papillen. In der Haut des Handtellers und der Fusssohle
, sowie an einzelnen andern Stellen finden sich in besondern
Papillen (Nervenpapillen) die sogenannten Tastkörperchen, cor-
puscula tactus, als länglichrunde, durchschnittlich V20 —V30"'lflnS°
Gebilde, welche aus einer bindegewebigen Hülle mit queren Kernen
und einem homogenen Innenkolben bestehen und welche sich mit
1—2, selbst 3—4 Nervenfasern verbinden, welche in die betreffende
Nervenpapille eingetreten sind. Die Nervenfasern gclion in den oberflächlichen
Theilen des Innenkolbens mit blassen Fasern frei aus.
Die Anzahl der Tastkörperchen haltenden Papillen steht in geradem
Vcrhältniss mit der Feinheit des Gefühls und verhält sich an der
Spitze des Zeigefingers zu den Gefässpapillen wie 1:4. An
manchen Stellen aber (im Unterhautbindegewebe, besonders der Hand-
vola und Fusssohle) zeigen die Hautnerven an ihrem Ende auch Pa-
cini'sche oder Vater'sche Körperchen, die aber keine Tastorgane
zu sein scheinen. Sie stellen — grosse, ovale, gestielte,
bläschenartige Körperchen dar, welche aus einer grossen Anzahl
concentrisch um einander herumliegender structurloser Lamellen bestehen
, die einen länglichen Achsenraum umgeben, in welchen eine


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