http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0115
dunkclrandige Nervenfaser eintritt und, blässer und schmäler (marklos)
werdend, sich frei, einfach oder in mehrere zarte Aeste gespalten
endigt.
e. Talgdrüsen, Hautbälge, glandulae sebace ae, folliculi
sebacei, sind kleine länglich ovale, entweder einfache oder
mit mehreren Ausbuchtungen versehene Säckchen, welche nur in den
oberen Schichten der Lederhaut liegen und von einem feinen Haar-
gefässnetz umsponnen sind. Die Talgdrüsen sondern eine fettige,
blassgelbe Salbe, die Hautschmiere, sebum cutaneum, ab. Sic
sind über die ganze Haut, mit Ausnahme der Hohlhand und Fuss-
sohle, sowie der Kückenfläche der letzten Phalangen, verbreitet,
kommen aber vorzüglich häufig in der Gegend der natürlichen Oeff-
nungen vor und öffnen sich, wo keine Haare hervorsprossen, unmittelbar
auf die Hautoberfläche, oder sie münden einzeln, zu zweien
oder mehreren in die Haarbälge ein. Die Gestalt der Talgdrüsen
ist eine verschiedene. Die einfachsten bestehen aus einem einzigen
rundlichen oder länglichen Schlauche, welcher durch einen kurzen
Gang ausmündet (schlauchförmige Talgdrüsen). Bei andern sind
2, 3 oder noch mehr Schläuche oder rundliche, birnen - oder flaschen-
förmige Bläschen durch einen kurzen oder längern Stiel vereinigt
(einfach traubenförmige); bei noch andern kommen 2 und
mehr einfache Träubchcn in einem gemeinsamen Gange zusammen
(zusammengesetzte traubenförmige Talgdrüsen). Im Allgemeinen
sitzen diese Drüsen nicht an den Haarbälgen, als deren
seitliche Anhänge sie erscheinen; der Ausführungsgang der Drüse
öffnet sich meist so hoch oben in den Haarbalg, dass die Stelle, wo
das Haar aus der Haut hervorsprosst, zugleich auch das Ende des
Drüsenganges ist. — Bau der Talgdrüsen: jede Drüse besitzt eine
äussere zarte Bindegewebshülle, welche von dem Haarbalg oder bei
freien Drüsen von der Lederhaut ausgeht. Die Hülle trägt auf ihrer
Innenfläche ein in den Drüsenläppchen meist einschichtiges, in den
Drüsengängen mehrschichtiges Epithel, welches aus kernhaltigen,
rundlichen oder vielockigen Zellen besteht. Der Inhalt dieser Epithe-
lialzellcn wandelt sich allmälig in eine fettige Substanz um, die Zellen
selbst werden losgestossen und durch neue ersetzt, und die abge-
stossenen Zellen rücken immer weiter nach der Ausmündungsstellc
der Drüse auf der Hautoberfläche vor. Das endliche Zerfallen der
fettig entarteten Zellen lässt den Hauttalg frei werden.
f. Schweissdrüsen, glandulae sudorip ar ae, kommen mit
Ausnahme weniger Stellen (der coneaven Seite der Ohrmuschel, des
äussern Gehörganges, der glans penis u. s. w.) über die ganze Haut
verbreitet vor. Die eigentliche Drüse, der Drüsenknäuel,
liegt meist in Lücken der Beticularschicht des Coriums, neben oder
unter den Haarbälgen, umgeben von Fett, lockerem Bindegewebe und
einem zierlichen Capillargefässnetz. Der Drüsenknäuel ist ein rundliches
Körperchen, welches gewöhnlich aus einem einzigen, vielfach
gewundenen und zu einem Knäuel verschlungenen Kanälchen besteht,
«las in seinem ganzen Verlaufe so ziemlich gleich weit bleibt und
leicht angeschwollen an der Oberfläche oder im Innern des Knäuels
blind endigt. Nur bei den grossen Drüsen der Achselhöhle ist das
Drüsenrohr meist mehrfach gabelig in Aeste getheilt, die wiederum
sich spalten, manchmal auch wieder mit einander sich verbinden und
dann, nachdem sie oft noch kleine Blindsäcke abgegeben haben, jeder
für sich blind endigen. Die Wand des Kanälchens ist bald dünner
bald dicker; im erstcren Fall besteht dieselbe nur aus einer bindegewebigen
Hülle, die nach innen von einer structurlosen membrana
propria begrenzt ist, auf welcher letztern eine einfache oder mehrfache
Lage vieleckiger Epithelialzellen aufsitzt; im letztern Falle liegt
zwischen der Bindegewebshülle und dem Epithel noch eine Schicht
glatter Muskelfasern. Die Schlingen des Drüscnknäuels werden durch
ein gefässreiches Bindegewebe unter einander verbunden und sind auch
äusserlich von einem solchen umgeben. Der Ausführungsgang
der Schweissdrüsen (Schweisskanal, Spiralgang) beginnt am
obern Endo des Drüscnknäuels als einfacher Kanal, steigt fast gerade
und senkrecht durch die Lederhaut in die Höhe und dringt dann
zwischen den Papillen in die Oberhaut; hier beginnt er sich zu drehen
und je nach der Dicke der Haut 2—16 engere oder weitere spiralige
Windungen zu machen, bis er endlich mit einer kleinen, runden,
manchmal trichterförmigen 0 elf nun g (S eh w e is s p o r e) auf der Epidermis
ausmündet. Der Bau der Schweisskanälchen ist dem der
Drüsenknäuel ähnlich. — Die Schweissdrüsen verhalten sich in verschiedenen
Gegenden des Körpers hinsichtlich ihrer Form, Grösse,
Zahl und Lagerung zu einander sehr verschieden. Die grössten und
zahlreichsten findet man in der Achselhöhle, in der Handfläche und
Fusssohle; an den letztern Stellen haben sie auch die rcgclmässigste
Anordnung.
g. Haarbälge, Haarsäckchen, folliculi pilorum, sind
keulenförmige Säckchen, deren weiterer geschlossener Boden bis au
den pan/iiculus adiposus reicht, während sein oberes, engeres Ende
das Haar genau umfasst. Am Grund dieser Säckchen wird das Haar
gebildet, an ihrer Oeftnung münden 1 oder 2 Talgdrüsen. Die Haarbälge
sind als eine einfache Fortsetzung der Haut, sowrohl der Oberais
Lederhaut, zu betrachten, denn man unterscheidet an ihnen eiue
äussere, faserige, gefässreiche Schicht (Haarbalg im engern Sinne)
und die innere gefässlose Epidermis (die Wurzelscheide). Weiteres
S s. bei den Haaren.
Fetthatit, UnterhautzelSgewcbe, panm'culus adipo-
\ sus, tela cellulosa subcutanea. Diese Haut besteht
s aus einer mehr oder minder dicken Schicht von areolärem, mit
\ elastischen Fasern vermengtem Bindegewebe (Zellgewebe), welches
\ an den meisten, doch nicht an allen Stellen (nämlich nicht am
^ Ohre, Augenlide, äusserem Gehörgange, der Nase, dem rothen
\ Lippenrande, Hodensack, Penis, den Nymphen), mehr oder
weniger Fettgewebe einschliesst und mit der innersten, soge-
< nannten Netzschicht der Lederhaut zusammenhängt. Das Un-
\ terhautzellgewebe verbindet die Haut mit den unterliegenden
\ Theilen (meist Fascien oder Periost) lockerer oder fester, dient
\ als Polster für solche Theile, welche starkem Druck ausgesetzt
> sind (z. B. die Fusssohle) und trägt viel zur Bildung der äus-
< sern Körperform bei. Als schlechter Wärmeleiter trägt der
l pannicuhis adiposus dazu bei, die Wärme des Körpers besser
) zusammenzuhalten. Die Fettzellen enthalten manchmal anstatt
s flüssigen Fettes ein festes, crystallinisches. — An Stellen, wo
X die Haut unmittelbar über einem Gelenk auf knöchernen Theilen
> aufliegt, und durch diese gespannt und gedrückt wird, vertreten
< subcutane Schleimbeutel, bursae mucosae subeutaneae,
\ die Stelle des Unterhautzellgewebes. Solche Schleimbeutel
<! finden sich daher regelmässig an der Streckseite der Charnier-
s gelenke.
Haare, pili s. crines, sind dünne, runde oder etwas
s abgeplattete, gerade oder wellenförmig gebogene, harte, bieg-
X same, elastische und solide Fäden, welche aus Hornsubstanz
X bestehen und mit Ausnahme einiger wenigen Stellen (als: Hohl-
i hand, Fusssohle, Vorhaut des Penis, Kückenfläche der zweiten
> und dritten Finger- und Zehenphalanx, Lippen und Brustwarze)
s über den ganzen Körper verbreitet vorkommen. Der obere
s Theil derselben ragt frei über die Oberfläche der Haut hervor
> und läuft, von unten nach oben sich allmälig verdünnend, in
\ eine Spitze aus, d. i. Haarschaft oder Haarcylinder; der
< untere, dickere, drehrunde und weichere Theil steckt in der
^ Lederhaut und wird vom Haarbalge umgeben, d. i. Haar-
s wurzel, deren unterster, dicker, keulenförmiger, weicher und
s etwas ausgehöhlter Theil Haarzwiebel oder Haar knöpf,
^ bulbus pili, heisst und auf dem Haar keime oder der Haar-
^ papille, papilla pili, aufsitzt. Diese letztere ist die Bildungs-
s stätte, matrix, des Haares und stellt eine weiche, pulpöse,
s conische, gefäss - und nervenreiche Papille dar, welche auf dem
> Boden des Haarbalges hervorkeimt und in die ausgehöhlte Basis
X der Haarzwiebel hineinragt. Dieser Haarkeim setzt auf seiner
\ Oberfläche Haarsubstanz ab und durch das nur hier stattfin-
s
s dende fortwährende Wachsthum wird der schon gebildete Theil
S des Haares vorwärts geschoben; so ist der Schaft der ältere,
| die Zwiebel der jüngste und weichste Theil des Haares.
Bau der Haare. An jedem Haare lassen sich 2, manchmal auch
3 Substanzen unterscheiden, nämlich: die Kindensubstanz, das Oberhäutchen
und die oft fehlende Marksubstanz. Die Binden- oder
Fasersubstanz macht den bedeutendsten Theil, die Grundlage des
Haares aus, ist längsstreifig, gleichmässig gefärbt oder gefleckt und
lässt sich durch concentrirte Schwefelsäure in platte Fasern (Haarfasern
) zerlegen. Diese Fasern können aber wiederum in platte,
mässig lange Faserzellen oder Plättchen zerlegt werden. Diese Plättchen
, den verhornten Epidermiszellen vergleichbar, zeigen im Innern
häufig dunkle Flecken, welche sich bei genauer Untersuch ung als
körniges Pigment, Kerne oder mit Luft oder Flüssigkeit gefüllte
Hohlräume herausstellen. An der Haarwurzel sind die Plättchen
weicher und gestalten sich allmälig zu länglichen, und endlich am
Haarknopfe zu rundlichen (Epithelial-) Zellen um, welche Pigmentkörnchen
enthalten. — Die Marksubstanz befindet sich im Centrum
des Haares, fehlt oft und besteht aus einer oder mehrei-en geraden
Keinen hinter einander liegender Zellen. Dieser Zellenstrang
verschmälert sich nach der Spitze des Haares hin und wird nach
dem Haarknopfe zu immer deutlicher zellig und weich. Die rundlichen
Markzellen enthalten nach Einigen Fett und Pigmentkörnchen,
nach Kölliker"aber Luftbläschen. — Das Oberhäutchen des Haares
ist ein ganz dünner, scheinbar quergestreifter Epidermisüberzug,
25
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0115