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■welcher sehr fest mit der Kindensubstanü verbunden ist und aus
platten viereckigen, kernlosen Plättchen (Zellen?) besteht, die dach-
ziegelförmig übereinander gelagert und das am schwersten lösliche
Gebilde des Körpers sind. Am Haarknopfe gehen diese Plättchen
allmälig in weiche rundliche Zellen über. — Der Haarbalg (s. S.
97) ist ein flaschenförmiges Säckchen, welches die Haarwurzel ziemlich
dicht umschliesst und aus einem äussern faserigen gefässreichen
und einem innern gefässlosen epidermoidalen Theile besteht. Die
äusserst« Schicht des Haarbalges, gefäss- und nervenhaltig, wird von
geformtem Bindegewebe gebildet, welches im Allgemeinen eine lon-
gitudinale Faserung besitzt und keine elastischen Fasern beigemengt
enthält. Auf diese Schicht folgt nach innen eine einfache Lage von
glatten Muskelfasern, welche kreisförmig gelagert sind und sich von
dem Grunde des Balges bis in die Nähe der Einmündungsstelle der
Talgdrüsen erstrecken. Die innerste Schicht, welche an die Wurzelscheide
stösst, ist eine structurlose Membran von wasserheller Beschaffenheit
. Die "Wurzelscheide ist die Epidermisbekleidung des
Haarbalges und zerfällt in eine äussere, dem rete Malpighii, und
eine innere, der Epidermis gleichende Schicht. Die letztere ist mit
dem Oberhäutchen des Haares fest verbunden. — Die Haarpapille,
der Haarkeim, gehört dem Haarbalge an und entspricht einem
Cutiswärzchen. Sie sondert das Haarblastem ab, in welchem die,
zu Plättchen und Fasern sich umwandelnden Haarzellen entstehen.
Die Haare, welche zum Schutze gegen Kälte und Nässe dienen,
das Beiben der Haut an andern Körpern verhindern und auch zur
Verschönerung vorhanden sind, kommen au den meisten Stellen als
feine, weiche, kurze, weissliche oder Wollhaare, lanugo, vor.
Yon diesen zeichnen sich aus: Kopf- oder Haupthaare, capilli,
coma, caesaries; — Barthaare, barba (als Spitzbart, pappus,
Knebelbart, mystax und Backenbart, julus); — Augenbrauen,
supercilia; — Augenwimpern, cilia; — Nasenhaare, vibrissae;
Ohrhaare, tragi; — Achselhaare, glandebalae; — Schamhaare
, pubes.
Nägel, ungues, sind dünne, länglich viereckige, weissliche
, durchscheinende, harte, elastische und gebogene Hornplatten,
welche auf der Dorsalfläche der letzten Finger- und Zehenglieder
in einer besondern Vertiefung der Lederhaut, dem Nagelbette
, sitzen und rings herum mit der Epidermis sich verbinden
. Man unterscheidet an jedem Nagel: 1) die Nagelwurzel,
radix unguis, ist der obere oder hintere, dünnere, weichere
Theil, welcher mit einem convexen scharfen Kande versehen ist
und in einem Falze der Lederhaut verborgen liegt, so dass er
aus diesem nur als ein weisser halbmondförmiger Fleck, lunula,
hervorsieht. 2) Der Nagelkörper ist der mittlere, rothe
Theil, welcher an seiner untern Fläche mit der unterliegenden
gefässreichen Lederhaut verwächst. 3) Die Nagelspitze ist
der vordere, frei über die Fingerspitze vorragende Rand und
dickste Theil des Nagels. 4) Das Nagelbette hat an seinem
seitlichen und hintern Eande durch einen Vorsprung der Cutis
(Nagelwall) eine rinnenartige Furche (Nagelfalz); auf
seiner Oberfläche ist es mit Leistchen besetzt, welche vom
Grunde des Nagelfalzes am hintern Rande des Nagelbettes
parallel neben einander (die äusseren etwas gebogen) nach vorn
laufen (wo sie wie abgeschnitten endigen) und dabei an der
Convexität der Lunula zu gefässreicheren wirklichen Blättern
sich erhöhen. Auf denselben finden sich kleine Papillen und
in die Furchen zwischen die Leistchen greifen Fortsätze der
untern Nagelfläche.
Der Bau des Nagels weicht nicht sehr von dem der Epidermis
ab; auch er besteht aus Epithelialzellen, welche eine äussere härtere
(Hornschicht) und eine tiefere weichere Lage (Schleimschicht) bilden.
Die Hornschicht des Nageis oder die eigentliche Nagelsubstanz
besteht aus fest vereinigten, nicht scharf von einander
geschiedenen Lamellen; jede Lamelle aus einer oder mehreren Lagen
kernhaltiger, polygonaler, platter Schüppchen oder Plättchen, die denen
der Epidermis gleichen und in den untersten Lagen dicker und kleiner
als in den oberen sind. Die Schleim Schicht entspricht dem rete
Malpighii und besteht wie dieses durch und durch aus kernhaltigen
Zellen.
8j)racl)organ, organon vocis.
Das Sprachorgan ist der Kehlkopf, larynx, welcher in der Mitte des Halses, vor dem 4. — 6. Halswirbel
, am obern Ende der Luftröhre und unter dem Zungenbeine seine Lage hat. Er wird aus mehreren,
durch Bänder beweglich mit einander verbundenen Knorpeln zusammengesetzt, besitzt eigenthümliche Muskeln
und ist in seinem Innern von Schleimhaut ausgekleidet.
a) Knorpel des Hehlkopfs. Sie sind entweder von hyaliner
Knorpelmasse gebildet, wie die cartilago thyreoidea, cricoidea
und arytaenoidea, oder aus elastischem Knorpelgewebe, wie die
Epiglottis, die cc. Wrisbergianae und Santorinianae.
1) Schildknorpel, cartilago thyreoidea (s. scutifor-
mis); liegt an der vordem Wand, besteht aus 2 viereckigen
Seitenplatten, und zeigt: pomum Adami, vorn in der Mitte; —
incisura thyreoidea, in der Mitte des obern Randes; — linea
obliqua, an der vordem Fläche jeder Seitenplatte; — comua
superiora (s. majord) und inferiora (s. minora), am seitlichen
Rande oben und unten.
2) Ringknorpel, cartilago cricoidea (s. annularis);
mit einer vordem niedrigen Hälfte, d. i. der Bogen arcus,
und einer hohen, hintern, d. i. die Platte, Schild, lamina
(mit einer senkrecht in der Mitte herablaufenden crista an
der hintern Fläche).
3) Grieskannenknorpel, cartilagines arytaenoideae
(s. pyramidales, triquetrae); ein rechter und ein linker,
sie sitzen an der hintern Kehlkopfswand, auf der lamina des
Ringknorpels mit der Basis, welche ein luberculum am
äussern Winkel (für den m. crico- arytaenoideus posticus) hat,
auf der stumpfen Spitze befindet sich der folgende Knoi-pel.
4) Santorini'sche oder rundliche Knorpel, cartilagines
Santorinianae (corpuscula s. cornicula S.); bilden
kleine rundliche Knöpfchen auf den Spitzen der Gieskannen-
knorpel.
5) Kehldeckel, epiglottis, d. i. eine dünne, herzförmige
und sattelförmig gekrümmte Platte, die mit ihrem
Stiele im Winkel an der innern Fläche des Schildknorpels
angeheftet ist, und den Eingang in den Kehlkopf, die
Stimmritze, glottis, decken kann.
b) Bänder des Kehlkopfs. Sie sind entweder zum gröss-
ten Theile aus elastischen Fasern gebildet oder sind doch
sehr reich an diesen; wesentlich elastisch sind die Stimmbänder
. Sie dienen entweder
a) zur Verbindung des Larynx mit den benachbarten
Theilen als: 1) Mg. thyreo-hyoideum medium und 2) laterale
(dextrum und sinistrum) und 3) hyo - epiglotticum mit
dem Zungenbeine, 4) lig. crico - tracheale mit der Luftröhre
; oder
/?) zur Verbindung der Kehlkopfknorpel unter einander
: 5) lig. crico-thyreoideum medium und 6) laterale, ein
dextrum und sinistrum (Kapselband), verbindet den Schild-
und Ringknorpel; 7) ligg. crico - arytaenoidea (Kapselband),
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