Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., TF 2014/26
Bock, Carl Ernst
Hand-Atlas der Anatomie des Menschen: nebst einem tabellarischen Handbuche der Anatomie
Berlin, 1864
Seite: 100
(PDF, 50 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Anatomische Literatur

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0118
100

(einem obern und untern). An jeder Lunge ist bezeichnet: die
Spitze, apex, welche noch etwas über die 1. Rippe hinaufragt
; — die Basis, ist ausgehöhlt und ruht auf dem Zwerchfelle
; — die äussere convexe Fläche, superficies costalis; —
die innere, an den Herzbeutel gränzende Fläche, mit dem
hilus s. radix pulmonalis; — der vordere und untere
scharfe, und hintere stumpfe Rand. Zwischen den einzelnen
Lappen der Lunge befinden sich tiefe, fast bis auf die Lungenwurzel
dringende Einschnitte, incisurae interlobulares, und auf
deren Boden die ligg. interlobularia der pleura pulmonalis.

Das Parenchym der Lunge besteht: aus 1) Luftgefässen,
vasa aerofera, d. s. die bronchia und vesicuiae pulmonales; — 2)
Lungengefässen, vasa pulmonalia, der Verwandlung des Blutes
dienend, d. s. artt. und vv. 'pulmonales; — 3) Bronchialge-
fässen, vasa bronchialia, zur Ernährung der Lunge, d. s. artt.
und vv. bronchiales; — 4) Saugadern, mit schwärzlichen glan-
dulae pulmonales und bronchiales; — 5) Nerven, aus dem plexus
pulmonalis anterior und posterior; — 6) Interstitiellem Bindegewebe
(intervesiculäres und interlobuläres), welches die Käume
zwischen den genannten Theilen ausfüllt und eine Menge von schwarzen
Pigmentkörnchen enthält. — 7) Die äussere Oberfläche der Lunge
hat einen serösen TJeberzug, die pleura costalis. welche in den incisurae
interlobulares von einem Lappen zum andern die ligg- interlobularia
bildet.

3) Lungensäcke, Brustfelle, pleurae. Es gibt eine
rechte und eine linke Pleura, und jede stellt einen geschlossenen
serösen Sack dar, in welchen eine Lunge hineingestülpt
ist. Sie hat folgende Wände oder Platten:

a) Pleura costalis, d. i. die äussere Platte; sie ist an die innere
Fläche der Eippen geheftet, und geht vorn in das vordere, hinten in
das hintere Mittelfell über.

b) Mediastinum anticum, vorderes Mittelfell, d. i. die
vordere und innere Seitenwand der Pleura, die sich vom Bande des
Brustbeins zur Lungenwurzel erstreckt, wo sie auf die Lunge übertritt
. Zwischen den vordem Mittelfellen beider Seiten bleibt das
camm mediastini antici, mit der Thymusdrüse, den nervi phrenici,
dem obern Theile der rechten und dem untern Theile der linken vasa
mammaria interna.

c) Mediastinum posticum, hinteres Mittelfell, d. i. die
hintere innere Seitenwand des Pleurasackes, welche von der Seite der
Brustwirbelkörper zur Lungenwurzel reicht und hier in die pleura
pulmonalis übergeht. Zwischen dem rechten und linken hintern
Mediastinum bleibt das cavum mediastini postici, die hintere
Mittelfellhöhle, mit aorta thoracica, Speiseröhre, ductus thora-
cicus, vena azygos und hemiazygos, nervi vagi und splanchnici
majores, den rechten artt. u. linken venae intercostales, Lymphgefässen.

d) Pleura pulmonalis, d. i. die innere Tlatte des Pleurasackes,
welche den äussern Ueberzug der Lunge bildet und an der Lungenwurzel
in die Mittelfelle übergeht.

e) Pleura phrenica, d. i. die untere Wand der Pleura, welche
mit der obern Fläche des Zwerchfells verwachsen ist und durch das
Hg. pulmonis mit dem hintern Bande des untern Lungenlappens zusammenhängt
.

4) Blutdrüsen, ganglia sanguineo-vasculosa, im sy-
stema respiratoriwm, d. s. die Schilddrüse und Thymusdrüse.

a) Schilddrüse, glandula thyreoidea; liegt dicht vor der
untern Hälfte des Schildknorpels, vor dem Bogen des Bingknorpels
und dem Anfange der Luftröhre, und hat 2 Seitenlappen oder
Hörner, lobi s. comua gl. thyreoideae, und einen mittlem niedrigen
Theil, isthmus gl. thyreoideae. Bisweilen ist sie noch durch den
m. thyreoideus an das Zungenbein befestigt.

b) Thymusdrüse, glandula thymus, liegt dicht vor dem obern
Theüe des Herzbeutels, wächst bis zum 1. Lebensjahre, bleibt jetzt
bis zum 3. Jahre im Wachsthum stehen, und verschwindet sodann
allmälig bis auf ein kleines Ueberbleibsel.

II. ITeröauunosorgane, organa digestionis.

a. Vorverdauungsorgane, Organa prae-
digestionis.

Hierher gehören die Organe der manducatio, insalivatio
und deghditio.

1) Mundhöhle, cavum oris. Sie zerfällt in die Backenhöhle
d. i. der Raum vor den Zähnen, der vorn von den
Lippen und seitlich von den Backen begränzt wird, und in
die eigentliche Mundhöhle, d. i. der Raum hinter den
Zähnen, welcher sich hinterwärts durch die Rachenenge,
isthmus faucium, in den Schlundkopf, pharynx, fortsetzt, auf
seinem musculösen Boden die Zunge (s. S. 95), und als Dach
den Gaumen hat. Bemerkenswerthe Theile sind hier ausser
der derben, mit starkem geschichteten Pflasterepithel bekleideten
und mit zahlreichen Papillen, Balg- und traubigen Schleimdrüschen
versehenen Schleimhaut:

a) Lippen, labia, eine obere (mit dem philtrum) und eine
untere, welche die Mundspalte, os, umgränzen und sich in
einen rechten und linken Mundwinkel, angulus oris, vereinigen;
jede hängt durch ein von der (mit sehr zahlreichen traubigen Lippendrüschen
versehenen) Schleimhaut gebildetes Lippenbändchen,
frenulum labii (superioris und inferioris), mit dem Zahnfleische zusammen
.

b) Harter Gaumen, palaturn durum, von den processus pa-
latini der Oberkiefer und partes horizontales der Gaumenbeine gebildet
, ist mit der rnembrana pulposa palati bekleidet.

c) Weicher Gaumen, Gaumensegel, Gaumenvorhang,
palaturn molle s. mobile, velum palatinnm, von 2 Hautplatten (die
obere von der Nasen-, die \mtere von der Mundschleimhaut) gebildet,
zeigt in der Mitte das Zäpfchen, uvula, und seitlich 2 Bögen, von
denen der vordere der arcus glosso -palatinus, der hintere der arcus
pharyngo -palatinus heisst. Zwischen beiden Gaumenbögen befinden
sich die Mandeln, tonsillae, d. s. Anhäufungen von taschenartigen
Schleimhauträumen und folliculärem Drüsengewebe. — Im weichen

Gaumen verlieren sich folgende Muskeln: von oben her der m. levator
und circumflexus (s. tensor) palati mollis, und der azygos uvulae.
von unten her der m. glosso - und pharyngo-palatinus.

d) Zähne, dentes (s. mordices), beim Erwachsenen gibt es 32
Stück, nämlich in jedem Kiefer: «) 4 Schneidezähne, dentes
incisivi; — ß) 2 Spitzzähne, dentes angidares s. canini s. la-
niarii (von denen die untern auch Eck- oder Hundszähne, die
obern Augenzähne heissen), und — y) 10 Backzähne, dentes
molares (von denen die 2 vordem minores s. bicuspidati, die 3 hintern
majores s. tri- oder quadricuspidati heissen).

An jedem Zahne ist: «) die Krone, corona, die frei in der
Mundhöhle hervorsteht; — ß) der Hals, Collum, welcher vom Zahnfleische
, gingiva, umgeben ist; — y) die Wurzel, radix, welche
in der Zahnzelle, alveolus, steckt, und ■— d") die Zahnh ö hie,
cavum dentis, mit dem Zahnkeime (Zahnganglion, Matrix des
Zahnes), nucleus, pulpa, blastema dentis.

Die Zähne werden aus 3 Substanzen gebildet: «) die Zahn-
Substanz (Zahnbein, Elfenbein, Dentine, eigenthümliche Substanz
des Zahnes), ebur, substantia proprio dentis, umgränzt das cavum
dentis und ist an der Krone aussen noch vom Schmelze, am Halse,
und an der Wurzel noch von Knochensubstanz umgeben. Das Zahnbein
ist härter als Knochen und kann als ein modificirtes Knochengewebe
ohne Knochenzellen und mit regelmässigerem Verlaufe der
Kalkcanälchen (Zahnröhrchen) angesehen werden. —■ ß) Zahnschmelz
, Email, Glasur, substantia vilrea, überzieht die Krone
\ und besteht aus langen polyedrischen quergestreiften Fasern oder
Säulen (Schmelzprismen, Schmelzsäulen), welche dicht gedrängt beisammenstehen
und durch ein sehr sparsames Bindemittel zusammengehalten
werden. Die Oberfläche des Emails wird noch von einer
sehr harten, dünnen, homogenen Membran, dem Schmelzoberhäutchen
(die aus der Embryozeit herrührende membr. praeformativa) bekleidet.
y) Knochensubstanz, Caement, Zahnkitt, substantia ostoidea,
überzieht am Halse und an der Wurzel das Zahnbein.

2) MiiiHlspeicheldrüseii, glandulae salivales oris. Sie
stellen weiter ausgebildete, zusammengesetztere, traubige Mund-
Schleimdrüschen dar und sind sehr reich an Nerven (vom plexus


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/bock1864/0118