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worden ist*). Die sicher der Blattbildung angehörigen Ranken der Cucurbitaceen
verhalten sich, abgesehen von dem Fehlen der Spreitenbildung, ganz
ebenso, und die gefiederten Blätter der Dicotyledoneen haben nicht nur ein
centrifugales Dehnungswachsthum des Blattstielgerüstes, sondern die Seiten-
blättchen entfalten sich auch deutlich in aufsteigender Ordnung, wiewohl
das einzelne Blättchen für sich in centripetaler Dehnung sein Wachsthum
vollendet **).
*) Besonders merkwürdig in dieser Beziehung sind einige Farnkräuter, welche
die Spitzen der Blätter nie ganz entrollen, wie das schmale, einfachgefiederte
Platyzoma microphyllum und die im Habitus ähnlichen Jamesonien
(z. B. J. imbricata Hook, et Grev. t. 178, scalaris, cinnamomea,
verticalis Kunze, die Farnkräuter in colorirten Abbildungen t. 71 und 82).
Noch merkwürdiger sind viele Gleichenia- und Mertensia-Arten, bei
welchen die Entwicklung des Blatts über dem ersten Fiederpaar (und zwar
bei vielfachgefiederter Anlage oft in mehreren Graden der Verzweigung
wiederholt) stehen bleibt, so dass die Spitze, scheinbar eine Knospe in der
Gabellheilung bildend, entweder für immer unentwickelt zurückbleibt, oder
erst m einer folgenden Vegetationszeit, und dann auf dieselbe Weise wieder
nur unvollständig, sich entwickelt. Es scheint sich diese absatzweise Entwicklung
des Blatts, in welcher wir eine der merkwürdigsten Verjüngungserscheinungen
innerhalb des Blattes selbst erblicken, auf viele Jahre hinaus
erstrecken zu können, worüber von Beobachtern im Vaterland dieser Farnkräuter
näheren Aufschluss zu erhalten, sehr erwünscht wäre (vergleiche
Kaulfuss, das Wesen der Farnkräuter, 1827 p. 36). Dass die Blätter
dieser Farnkräuter übrigens nicht, wie es scheinen könnte, ein unbegrenztes
Wachsthum besitzen, beweisen die in gewöhnlicher Weise mit zugespitzter
Schlussbildung versehenen Blätter der jungen Mertensien, von welchen Marti
us (Icones plant, crypt. t. 60. II.) eine interessante Stufenfolge dargestellt
hat, die er mit Unrecht einer besonderen Art (M. pumila) zuschreibt. Auch
das von Kunze (Anal, pteridograph. t. 30) dargestellte Hymenophyllum
interruptum verdient hier erwähnt zu werden.
*) Besonders schön kann man diese Erscheinung bei den Mahonien mit
gefiederten Blättern sehen, deren untere Fiederblätter bereits ausgebreitet,
grün und lederartig erhärtet sind, während die oberen noch fast um die
Hälfte kleiner, halbzusammengefaltet, röthlich und weich sind.
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