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über den Kreis der individuellen Entwicklung und des sich ihr anschliessenden
engeren Familienverbandes im sprossenden Pflanzenstock hinaus zur eigentlichen
Fortpflanzung der Gewächse, die sie uns, im Zusammenhang mit den
minder vollkommenen Erneuerungen der Zellbildung in allen vorausgehenden
Kreisen der Entwicklung, als die entschiedenste und freieste Neubildung der
Zelle, und zugleich als den am tiefsten zurückgreifenden Neuanfang, als die
vollständigste Verjüngung erscheinen lässt. Wie in der individuellen Bildungsgeschichte
jede neue Stufe mit einem neuen Abschnitt der Zellbildung anhebt,
so geschieht auch der Uebergang des einen individuellen Entwicklungsprozesses
zum anderen, und dadurch die Einfügung des Einzellebens in die
gegliederte Lebensgeschichte der Species, stets durch ein neues Anheben der
Zellbildung. Die Zellbildung ist also nicht bloss Anfang und Mittel zur
Ausbildung untergeordneten Gewebes, sie ist, durch das in ihrer fortschreitenden
Erneuerung herrschende Gesetz des Generationswechsels, der Unterordnung
und Reihenfolge zugleich auch Anfang jeder umfassenderen Gliederung
im Organismus der Pflanze, des einzelnen Organs, wie der besonderen Stufe
in der Reihenfolge der Organe, der einzelnen Entwicklungslinien oder untergeordneten
Achsen des Pflanzenstocks, wie der zu getrennten Stöcken sich
entwickelnden Individuen. So knüpft sich in der Betrachtung der Zellbildung
die Verjüngungsgeschichte des Individuums mit der Verjüngungsgeschichte
der Species aufs innigste zusammen, ja so innig, dass die Grenze beider oft
schwer zu ziehen ist, wie wir diess auf der niedersten Stufe der Pflanzenwelt
bei einem Theile der sogenannten einzelligen Pflanzen, den Pflanzen mit sich
trennenden vegetativen Zellgenerationen, bereits früher gesehen haben *}. Wie
hier auf der niedersten Stufe die sonst der Entwicklung des gebundenen
Organismus angehörige Zelltheilungals Fortpflanzungswreise auftritt, so
sehen wir in den höheren Reihen des Gewächsreichs vielfältig auch die
*) Vergl. p. 134 etc.
**) Vergl. p. 250.
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