Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/3
Das Bürgerhaus in der Schweiz (3. Band): Das Bürgerhaus im Canton St. Gallen, Erster Teil: Das Bürgerhaus im Canton Appenzell
Berlin, 1913
Seite: XXX
(PDF, 18 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_03_1913/0032
Die Stadt Wil

(Blatt 52)

Die Gegend von Wil war jedenfalls bei der
Ankunft des heiligen Gallus schon mehr
oder weniger bewohnt und angebaut. Sie gehörte
zum Herzogtum Alamannien und später,
unter der Herrschaft der Franken, zur Grafschaft
Thurgau. Die Stadt selbst ist eine
Gründung der Grafen von Toggenburg, welche
in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts auf
dem Schauplatz der Geschichte auftreten.
Dem Beispiel der Zähringer folgend, welche in
dieser Zeitepoche den Grund zu den Städten
Freiburg, Bern und Burgdorf legten, erweiterten
die Toggenburger ihre Burg zu Wil
zu einem städtischen Gemeinwesen. Um die
Ansiedler anzulocken, bedienten sie sich des
allgemein üblichen Mittels, denselben Grund
und Boden gegen einen ganz geringen Zins
zu überlassen, unter Verheißung des Schutzes
und Garantie der Freiheit. In jener Zeit der
heftigen Kämpfe zwischen den zwei Kandidaten
um die St. Gallische Abtwürde, Ulrich
von Kärnten und Lüthold von Nellenburg
(seit 1077), waren diese Zusicherungen zugleich
mit dem natürlichen Schutze der Stadtmauern
besonders verlockend. Die freien
Bauern der Umgegend zogen in die Stadt,
bewirtschafteten ihre alten Güter von hier
aus und wurden zu freien Bürgern, mit einziger
Übernahme der Schirm- und Steuerpflicht
.

Infolge der Ereignisse nach dem Brudermord
im Hause Toggenburg ging die Stadt
Wil im Jahre 1246 in die Hände der Abtei
St. Gallen über. Sie teilte von da an deren
Geschicke und verlor dabei ihre ursprünglichen
Rechte und Freiheiten. Aus den freien
Bürgern wurden „Gotteshausleute". Im Jahre
1267 sehen wir den Grafen Rudolf von Habsburg
vor Wil, wo er eine Fehde mit Abt Bercht-
hold von Falkenstein gütlich beglich. Als
König aber tat er alles mögliche, um die Besitzungen
und Rechte des Klosters zu schmälern
, was für Wil heftige Kämpfe und Belagerungen
und schließlich im Jahre 1292
Ubergabe an das Haus Österreich zur Folge
hatte. Aus Zorn darüber steckten Dienstleute
des Abtes am 24. August Wil in Brand, worauf
sich die Einwohner, mit Ausnahme zweier
Bürger (der Süss und Hans Goldschmid), in
dem auf dem jenseitigen Ufer der Thür gelegenen
Städtchen Schwarzenbach niederließen.
Dieses war 1273 durch Rudolf von Habsburg
dem Abte zum Trotz in eine Stadt umgewandelt
worden, 1287 von den Äbtischen zerstört
, aber sofort wieder aufgebaut worden.

Als Abt Wilhelm von Montfort 1301 nach
mannigfachen Bemühungen die Rückgabe Wils
an sein Stift erlangte, kehrten die Wiler im
Jahre 1304 an die Stätte ihrer alten Heimat
zurück, indem sie ihre Häuser abbrachen und
hier wieder aufstellten. Innert Jahresfrist
erstanden 227 Häuser, aber schon 1312 legte
eine Feuersbrunst ganz Wil in Asche, und nur
der Erlaß der Steuern auf fünf Jahre durch den
Abt Heinrich konnte die entmutigten Bürger
veranlassen, die Unglücksstätte nicht abermals
zu verlassen.

Im Jahre 1375 lehnten sich die Wiler gegen
den Abt Georg v. Wildenstein auf und erlangten
dadurch wieder einige der alten Rechte
und Freiheiten. Hierdurch und durch das erlangte
Marktrecht hob sich ihr Wohlstand.
Sie gehörten von 1379 an zum Schwäbischen
Städtebund, und nach dessen Auflösung von
1390—1415 zum sogenannten Kleineren
Städtebund.

In den Appenzeller Freiheitskriegen von
1401—13 flüchtete sich Abt Kuno von
Stoffeln hierher, wurde aber durch die verbündeten
Appenzeller und Schwyzer nach
Einnahme Wils im August 1407 gefangen
und nach St. Gallen geführt. Wil schloß sich
den Siegern an, fiel aber beim Friedensschluß
wieder an das Gotteshaus zurück im Jahre
1408.

In den Alten Zürichkrieg von 1436—1450
war Wil als Bundesgenosse von Schwyz stark
verwickelt, machte bedeutende Eroberungen
auf Kosten Zürichs, die es aber beim Friedens-

XXX


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