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schluß wieder verlor. Es blieb ihm nichts als
der Haß Zürichs, den es in langen schweren
Kämpfen zu fühlen bekam.
Im Schwabenkriege von 1499 herrschte bewegtes
Leben in Wil. Hier sammelten sich die
fürstäbtischen Truppen, zu denen sich tausend
Walliser und andere eidgenössische Mannschaften
gesellten. Auch der Korpsrat hatte
seinen Sitz hier.
Wie in vielen Orten des äbtischen Gebietes,
war die Reformation nur eine kurze Episode
im kirchlichen Leben Wils. Die Schlacht bei
Kappel machte ihr ein rasches Ende. Ebenso
blieben die im 17. Jahrhundert durch Abt
und Bürgerschaft gemeinsam unternommenen
Versuche ohne Erfolg, nach dem Vorbild
St. Gallens die Leinwandindustrie einzuführen.
Der Mangel an hinreichender Fachkenntnis
und kaufmännischer Erfahrung hatte für die
Betreffenden nur schwere Verluste zur Folge.
Der sogenannte Toggenburger oder Zwölferkrieg
, der durch die Auflehnungen der Toggenburger
gegen die äbtische Regierung entstand,
brachte dem von dem äbtischen Oberst Felber
von Kaiserstuhl verteidigten Wil die Belagerung
und Beschießung durch die Züricher,
Berner und Toggenburger unter Oberst Bodmer
von Zürich. In der unteren Vorstadt wurden
einige Häuser stark beschädigt und in der
Stadt gerieten vier Wohnhäuser und sechs
Scheunen in Brand. Nach der Übergabe blieb
Wil in Züricher Besitz, bis der Friedensvertrag
im Jahre 1718 die alten Verhältnisse wieder
herstellte und der Rorschacher Spruch von
1733 auch die Versuche, mehr Freiheiten zu
erhalten, vereitelte.
Ein wichtiges Ereignis für die Stadt war
der Bau der neuen großen Heerstraße von
Rorschach über St. Gallen nach Wil durch
Fürstabt Beda Angehrn in den Jahren 1776
bis 1778. Sie brachte nicht nur vermehrten
Verkehr, sondern vermittelte auch die bald
darauf von Frankreich herkommenden neuen
Freiheitsgedanken. Die Folge der tiefgreifenden
Bewegung unter den Gotteshausleuten, deren
Führer der Bote Künzli von Gossau war, war
der Rücktritt des Abtes im Jahre 1798. Vom
Hof Wil aus mußte der letzte Abt, der Wiler
Bürger Pankraz Vorster, seine Lande verlassen.
Die Stadt wurde mit dem benachbarten
„Schneckenbund" zu einer politischen Gemeinde
gemacht und dem Kanton Säntis als
Glied der Helvetischen Republik einverleibt.
Daß das an so wichtigem Durchgangspunkte
liegende Städtchen schwer unter den beständigen
Durchzügen der fremden Armeen
während der Kriegszeiten um die Jahrhundertwende
zu leiden hatte, ist nicht zu verwundern.
Die Mediationsakte von 1803 teilte Wil dem
Kanton St. Gallen zu, und zwar dessen Distrikt
Gossau, und die Verfassung von 1831 erhob
dasselbe zum Hauptorte des neugegründeten
Bezirkes Wil.
Das „Baronenhaus" am Hofplatz
jetzt Haus Dr. Bannwart
(Blatt 52-56)
Der Erbauer dieses Hauses war der Reichsvogt
Josef Pankraz Gruebler, eigentlich
von Gruebler, durch sein Amt als Stellvertreter
des Fürstabtes von St. Gallen schon in hervorragende
Stellung gehoben. Aber auch seine bedeutende
allgemeine Bildung, wie sein feiner
Kunstsinn und sein auf weiten Reisen gebildeter
Geschmack befähigten ihn, in besonderer
Weise zur Schaffung eines so bedeutenden
Kunstwerkes, wie sein stattliches Haus
am Hof platz es ist, würdig sich direkt neben
die imposante zeitweilige Residenz seines Landesherrn
zu stellen. Die Familientradition weiß
zu melden, daß er zu der im Jahre 1795 durchgeführten
Baute die Pläne selber gezeichnet
habe. Ein reicher Besitz an Kunstwerken,
den er hinterlassen hat, könnte ihm wohl bei
dieser Arbeit gedient haben. Das treffliche
Architekturwerk z. B.: Die deutsche Bau-,
Bild- und Mahlerei-Kunst, 1675 in Nürnberg
erschienen, ist im Hause erhalten geblieben.
Es enthält die ganze Folge von Medaillonporträts
römischer Kaiser, mit deren vergrößerten
Nachbildungen die Ovale der Fenster-
bekrönungen gefüllt sind. Das Schönste an
der äußeren Erscheinung des Hauses ist die
Ostseite mit ihrer vorgelagerten Terrasse und
der feingestimmten Türanlage und dem prächtig
geschickten Anschluß der an der Nordwest-
fassade durchgeführten Arkade. Leider ist
sie etwas gestört worden durch die nüchterne,
armselige Treppenanlage, welche bei der Tieferlegung
des vorbeiführenden Straßenzuges im
Jahre 1835 angeflickt worden ist. Der wuchtige
, aber fein profilierte Turm bildet ein bedeutungsvolles
Moment im Stadtbilde von
Wil.
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