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Haus Bruggmann-Rutz
Hauptgasse
(Blatt 68)
Eines der ältesten und schönsten Häuser
des Städtchens. An der Säule des Erkerturmes
steht das Datum 1641 und an einer
Seitentür 1766, doch scheint der Bau in seiner
ganzen Art und Durchführung älter und diese
Jahreszahlen nur Renovationsdaten zu sein.
Große gewölbte Keller sind in den harten
Nagelfluhfelsen eingehauen, weite Gänge durchziehen
alle Stockwerke. Der innere Ausbau
ist reich: Holz- und Stukkaturdecken in
Zimmern und Gängen, ein Cheminee im
III. Stock, Wandgemälde und gemalte Türen
mit verschiedenerlei Darstellungen. Das Haus
gehörte lange Zeit zu den Amtsgebäuden der
fürst äbtischen Regierung. Seit Aufhebung
derselben dient es Geschäftszwecken.
Das Haus Grob, Zur Glocke, Löwengasse,
schließt sich an das Bruggmannsche Haus an.
Die Form der Dachlinie am Aufbau gegen die
Hauptgasse (siehe Bl. 68) soll ihm den Namen
gegeben haben. Es wurde im Jahre 1607 gebaut
und diente dem fürstäbtischen Landvogt
des Toggenburg als Wohnung. Der sogenannte
„Rittersaal" im II. Stockwerk war der Fest-
und Versammlungssaal des Landvogtes. Im
19. Jahrhundert fand hier alljährlich der
sogenannte „Beckeliball" statt, ein ausschließlicher
Bürgerball, zu dem man das nötige Geschirr
mitbringen mußte.
Das Möslihaus
(Blatt 69)
Auf einem Hügel am gegenüberliegenden
Abhang von Lichtensteig steht das ganz
eigenartige Möslihaus. Es muß einem Reichen
der Landschaft gehört haben und diente geschäftlichen
und landwirtschaftlichen Zwecken
zugleich. In dem gewölbten und mit Figuren
bemalten Keller ist ein Kassenschrank mit
eiserner Tür in die Mauer eingelassen. Das
steinerne Türgericht der Haustüre trägt die
Jahreszahl 1615, im angebauten oberen Haus
1725-
In der Nähe, aber auf Wattwiler Gebiet,
ragt ein zweites „Türmlihaus" über das weite
Tal. Die Hochsteig, 1650 als Landsitz einer
reichen Jungfrau Hartmännin gebaut, dient
seit 1860 der Toggenburgischen Erziehungsanstalt
für gefährdete Knaben. Genaue Aufnahmen
des alten Zustandes, von dem leider
heute nur noch die Gesamtform vorhanden ist,
finden sich in Gladbachs „Schweizer Holzstil".
Wattwil
Das Türmlihaus auf dem Dietlisberg
(Blatt 70)
Erbaut 1810 von einem Weber und Landwirt
Anderegg. Vollständiger gestrickter Holzbau
, mit Vertäferung der Südseite und Ver-
schindelung der mehr dem Wetter ausgesetzten
Seiten, wie das auch bei den Bauernhäusern
durchgehends üblich.
Zubersches Haus
an der Ringstraße
(Blatt 70)
Dieses Haus stammt aus dem Jahre 1783,
diente zuerst als Bäckerei, jetzt als
Handlung und Wohnhaus. Charakteristisch
für das Toggenburg sind die an der Untersicht
mit Brettern im Viertelskreis verschalten Vordächer
über den Fensterreihen und der geschweifte
„Querhausgiebel" der Traufseite.
Haus zum Merkur
(Blatt 70)
Geschäfts- und Wohnhaus aus der Zeit der
Toggenburger Handweberei. Es wurde
im Jahre 1816 erstellt für den Fabrikanten
Abraham Raschle. Auch dieses so massig dastehende
Haus ist nur im Erdgeschoß gemauert
, der Aufbau gestrickt, zum Teil mit
Verputz, zum Teil mit Schindelschirm auf der
Holzwand.
Haus Raschle
(Blatt 70)
Dieses Haus ist der Stammsitz der stolzen
Weltfirma Raschle, die als eine der ersten
und bedeutendsten die „Toggenburger Artikel"
in alle Weltteile exportierte. Es wurde 1795
gebaut, aber 1803 von seiner ursprünglichen
Stelle an den jetzigen Standort hinübergewalzt
durch den Gründer des Geschäfts Jo-
sabe Raschle.
XXXIX
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