Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/3
Das Bürgerhaus in der Schweiz (3. Band): Das Bürgerhaus im Canton St. Gallen, Erster Teil: Das Bürgerhaus im Canton Appenzell
Berlin, 1913
Seite: XL
(PDF, 18 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_03_1913/0042
Haus Vogt-Anderegg im Bundt

(Blatt 71)

Ebenfalls ein Fabrikantenhaus aus der guten
Geschäftszeit gegen Ende des 18. Jahrhunderts
, ist es nur in seinen unteren Teilen
in der ursprünglichen Form von 1783 erhalten
geblieben. Das Mansardendach wurde 1827
durch das jetzige nichtssagende ersetzt. Keller
und Erdgeschoß sind massiv mit Kreuzgewölben
, der Oberbau in Strick gebaut. Wir
geben die schöne Haustürpartie in Sandstein
wieder.

Haus Stähelin im Bundt

(Blatt 71)

Das Haus, das im Jahre 1700 erstellt wurde,
diente seinerzeit ebenfalls der Fabrikation.
Auch es ist im Anbau gestrickt, an der Haupt-
front vertäfert mit Zugladen unter den zahlreichen
Fenstern. Die Kehlen des Dachgesimses
und des geschweiften Giebels sind verputzt.

Das Dorf Wattwil und seine Umgebung
enthält noch eine schöne Zahl hochinteressanter
Bauten, alle den echt Toggen-
burgischen Charakter zeigend. Darunter ist
besonders zu erwähnen das Haus Steiner in
Scheftenau; dieses ist mit einigen anderen
Beispielen im Bauernhauswerk des Schweiz.
Ingenieur- und Architektenvereins dargestellt,
auf das wir hiermit verweisen.

Obertoggenburg

Aus den reichen Dörfern des oberen Toggenburg
bringen wir einige Bauten, die
zeigen, wie sich dort der landesübliche Charakter
noch reiner ausgeprägt hat. Der ganze
Habitus derselben lehnt sich noch stärker ans
Bauernhaus an. Strickbau mit Vertäferung
und Schindelschirm, große Giebel, die ruhige
Dachfläche an der Traufseite mit einem geschweiften
Querhausaufbau belebt, lange Fensterreihen
mit gekehlten Klebvordächern darüber
sind die Elemente dieser Bauweise. Baudaten
sind von den meisten kaum erhältlich,
da sie infolge der Änderung in den Erwerbsverhältnissen
meist nicht mehr in den Händen
der alten Familien sind. Blatt 71 zeigt ein
solches Haus an der Landstraße in Kappel,
Blatt 72 drei aus Ebnat, das Haus des Fabrikanten
Hardegger, die Wirtschaften zum
Schöntal und zum Schützengarten. Hierher
gehört auch das Wirtshaus zum Rößli in
Neßlau, das von Ennetbühl an seine jetzige
Stelle versetzt wurde.

Die Brauerei in Neu-St.-Johann hingegen
fällt in ihrer Umgebung dadurch auf, daß das
stattliche Giebelhaus mit seinem Ecktürmchen
in Riegel werk erstellt ist. Aber auch da sind
die Fensterreihen und die Klebdächer mit
aufgenommen. Das Haus wurde 1683, wohl
als äbtisches Amtshaus, gebaut. Hunziker
gibt in der 7. Abteilung seines Werkes: „Das
Schweizerhaus" auf Seite 29 eine, leider
schlechte, Abbildung des Hauses im ursprünglichen
Zustande. Jetzt ist es stark modernisiert
und aufgeputzt.

Im obersten, hochgelegenen Dorfe des Thur-
tales, in Wildhaus, ist noch ein Haus wenigstens
zu erwähnen. Es ist das für den seinerzeit
weitbekannten Arzt Dr. Johann Forrer im
Jahre 1774 erbaute „Doctorhaus im Acker".
Im Äußeren ganz an die Bauernhäuser sich
anlehnend, ist die innere Einrichtung sehr behaglich
. Das alte Mobiliar, Geschirr usw. ist
noch im Hause erhalten geblieben. Der Saal
im Dachstock, der als Raum für allerlei festliche
Anlässe in Toggenburg und Appenzell
häufig vorkommt, enthält noch eine der letzten,
zu diesen Sälen gehörigen Hausorgeln. In den
reformierten Häusern des Toggenburgs hatten
diese ihre besondere Bedeutung. Der Fürstabt
mußte zwar reformierten Gottesdienst
dulden, verbot aber strenge das Singen der
Choräle und Psalmen in der Kirche. So sammelte
man sich am Sonntag Nachmittag im
Privathaus um die Hausorgel und sang ungehindert
geistliche und wohl auch weltliche
Lieder.

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