Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: IX
(PDF, 21 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0011
besser erhalten, findet sich aber auch noch im
Dorfe an der Strählgasse in typischen Mustern.
Bescheideneren, doch analogen Bautypen begegnen
wir am Dorf bach und in Ibach. Die schönen
Brunnenbilder der Ortschaft finden in den
Privatsitzen ebenbürtige Gegenstücke. Die beiden
Brunnen beim Rathaus stammen zwar erst
aus dem 18. Jahrhundert, früher standen an
ihrer Stelle einfache Holztröge. Die Postamente
mit den für Schwyz typisch geschweiften Säulen
tragen wie an vielen anderen Orten der
Schweiz das Symbol der Souveränität, den
Bannerträger und das Standbild der Schutzpatronin
, der Mutter Gottes. Die Bildhauerarbeit
wurde in Sandstein ausgeführt und scheint
ursprünglich bunt bemalt gewesen zu sein.

Goethe nannte das schwyzerische Dorfbild
„unaussprechlich anmutig". Wir glauben, dass
unter Belassung dieser ehrenden Bezeichnung
in Schwyz aber vor allem das Wort „bodenständig
" hinzugefügt sein will. In Schwyz
haben alle Häuser, selbst die reichsten, eine gewisse
Anspruchslosigkeit gemeinsam. Man hat
das Gefühl, dass ihre Erbauer einstens alle in
ziemlich gleichen Verhältnissen gelebt haben
müssen. Der Typus der gediegenen ländlichen
Einfachheit, ohne allen Prunk in Bau und Anlage
, herrscht dermassen vor, daß die meisten
Häuser und Höfe auch heute den Ansprüchen
eines durch die Jahrhunderte landwirtschafüich
gebliebenen Bürgerstandes vollkommen genügen.
Mit den Jahrhunderten hat sich wohl der Kern
des Fleckens mehr erweitert, die Kette der
vereinzelt ringsherum liegenden Höfe ist immer
enger gezogen worden, manche Güter haben
eine Zerstückelung erfahren und nur sehr wenige
eine Erweiterung.

Derartige Häusergruppen haben sich gerne
längs der Bachläufe entwickelt. Schon im
Mittelalter — seit 1356 lässt sie sich teilweise
nachweisen — wurde eine Quartiereinteilung
nach den Wasserläufen angeordnet. Die Viertel
entstammen zum Teile einer solchen Gebietsscheidung
, ja das Ob- resp. Alt- (erst später
Alt- und Neuviertel) und Niedwasserviertel
führt die ursprüngliche Grenze dieser Einteilung
in der Benennung. Später schlössen sich die
Häusergruppen am Dorfbach, zu Rickenbach,
Ibach und Kaltbach an, sie alle führen unter
diesen Namen heute noch einen ganz bestimmten
lokalen Quartierbegriff.

Weitere Häusergruppen im eigentlichen Dorfbilde
umfassten die kleinbürgerlichen Quartiere

IX

beim uralten, 1272 gegründeten Dominikanerkloster
zu St. Peter auf dem Bach, bei der Säge
im heutigen Hinterdorf und bei den gegen den
Dorfbach gelegenen Kornmühlen. Rings um
diese kleinen Zentren haben sich frühzeitig
die ersten bescheidenen Ansiedelungen gruppiert
. Dicht an der Peripherie dieser Häusergruppen
liegen auch die stattlichen Scheunen
der Grossbauern und einzelner Herrschaftsgüter
, die letzteren bilden den Übergang zu
den eigentlichen Edelsitzen, die sich in der
nächsten Dorfnachbarschaft so zahlreich einfügen
. Noch verdient eine Eigentümlichkeit
dieses „völlig grünen, mit hohen zerstreuten
Fruchtbäumen und weissen Häusern übersäten
Landes", wie Goethe bei Anlass seines am
30. September 1797 stattgefundenen Besuches
in seinem Tagebuch die Gegend kurz charakterisiert
hat, besonderer Erwähnung. Eine grosse
Anzahl von Kapellen mit ihren vielen rotgefärbten
Helmspitzen und Türmchen fügte
sich diskret in diesen großen natürlichen Park
ein. Sie erinnern, dass die alten Familien des
Landes gewissermassen wetteiferten, sich selbst
und ihrer Pietät ein solches Denkmal zu setzen.
Die bauliche Konstruktion dieser zierlichen
Gotteshäuser lehnte sich in vielen Details so
sehr an den im Lande beliebten Hausbau an,
dass wir diese typischen Bauformen nicht unbeachtet
beiseite lassen dürfen. Eine solche
seltsame, aber glückliche Verquickung von profaner
mit kirchlicher Architektur verdient alle
Anerkennung.

Nach solchem Anlageplan entwickelte sich
Schwyz bis zum denkwürdigen Ostertage,
20. April 1642, da eine schreckliche Feuersbrunst
fast das ganze Dorf in Schutt und Asche
legte.

Innerhalb vier Stunden brannten von den
150 Häusern, aus denen das damalige Schwyz
bestand, 47 Firsten nieder. Auch die Kirche
und das Rathaus fielen den Flammen zum Opfer.
Die Wirtshäuser Zu den 3 Königen und Zum
Engel, die vier Redingschen Häuser im Brüel,
in der Schmiedgasse, an der Italsgasse und das
„Betlehem", die Häuser der Rigert und Radheller
an der Herrengasse sind heute die einzigen
Überbleibsel aus früherer Zeit. Am 4. Juli
desselben Jahres wurde vom gesessenen Landrate
eine Kommission eingesetzt, die das schwierige
Werk der Planierung der Ortschaft und
die Wiederherstellung der Kirche, des Rathauses
und des Pfarrhofes übernahm. Man be-


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0011