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wenigstens einen Teil seiner Karriere im Ausland
gemacht hat. Das Reislaufen lag dem
Schwyzer im Blute, schon im 13. Jahrhundert
finden wir die Anfänge zu diesem in späterer
Zeit fast nationalen Gewerbe. Als vornehme,
welterfahrene Herren kehrten manche biedere
Schwyzer nach langen Kriegsjahren in die alte
Heimat zurück, eine ansehnliche Pension gestattete
ihnen einen sorglosen Lebensabend.
Solcher Art waren die meisten Erbauer und
Restauratoren der grossangelegten Familiensitze,
die Ab-Yberg, Betschart, Ceberg, Kyd, Nideröst,
Reding, Schorno und Weber hatten in der
Regel erst nach ihrer Rückkehr aus dem Auslande
die nötigen Gelder zu ihren statdichen
Bauten. — Die einzige direkte Anlehnung an
das Ausland bestand für gewöhnlich in der
Verwendung von allerlei Reminiszenzen, die
den Hausherren an seine früheren Aufenthalte
erinnern sollten. Im 17. Jahrhunderte und
früher Hess man nur äusserst selten Architekten
zur Besorgung von Bauten nach Schwyz kommen
, die eigentliche Bauleitung übernahm
meistens entweder der einheimische Zimmermeister
oder bei Steinbauten ein italienischer
Maurermeister. Die Mitarbeit von Zürcher und
Luzerner Architekten lässt sich nur bei öffentlichen
Bauten nachweisen. Die stattlichen Neubauten
des 18. Jahrhunderts werden dagegen
wohl ab und zu von städtischen Baukünstiern
wenigstens begutachtet worden sein. Es ist
interessant, zu sehen, wie gerade manche von
den besten Gebäuden aus dem späten 17. wie
aus dem 18. Jahrhundert häufig von einheimischen
Bauherren und ihren Freunden entworfen
worden sind. Einige derselben erstellten selbst
die Grundrisse, wie der Stückhauptmann Jost
Rudolf von Nideröst für seinen Hof am Ittenbach
und der Landammann Ignaz Nazar Ceberg
für die Sagenmatt. Einen Ruf als kunstverständige
Hausbesitzer besassen ferner Gardeoberst
Franz Joseph Friedrich Kyd und Landammann
Felix Ludwig Weber an der Herrengasse,
Generalfeldwachtmeister Georg Franz Ab-Yberg
im Feldli, Landammann Joseph Anton Reding
vom Brüel und Landammann Nazar Reding von
der hinteren Schmiedgasse. Die Zimmerausstattung
und das Mobiliar der beiden letzteren
wird von den Zeitgenossen als besonders wertvoll
angegeben. Leider sind uns die Namen der
Baumeister nur in ganz wenigen Fällen erhalten
geblieben. Nach dem grossen Dorfbrande haben
sich Baumeister Melchior Katzrauer aus dem
Bregenzerwald und Steinmetz Krugel von Luzern
viele Verdienste um den zum Teil heute noch
bestehenden Dorfcharakter erworben. Welsche
Maurer und allerlei fremdes Volk stellten das
bedeutendste Kontingent unter den Bauleuten.
Die Tischlerarbeiten des 17. Jahrhunderts, speziell
die Intarsien, kamen vielfach aus der
Werkstatt Meister Leonhard Doblers und seines
gleichnamigen Sohnes. Im 18. Jahrhundert
mag der Kirchenbaumeister Andrea Galetti
auch für Privatbauten zu Rate gezogen worden
sein. So bescheiden die Namen klingen, um
so ehrenvoller ist das Zeugnis, das wir ihnen
schulden.
Einen Einfluss auf die bauliche Entwicklung
übte auch die bis 1798 in Schwyz herrschende
politische Sonderstellung der Landleute aus.
Nicht nur, dass seit frühester Zeit der freien
Niederlassung auf schwyzerischem Gebiete grosse
Schwierigkeiten entgegengesetzt wurden, auch
manche Einwohner, die im Lande geduldet
waren, mussten sich sehr strengen Baubedingungen
unterwerfen. Während die Landleute
sich alle Rechte und Freiheiten wahrten, durften
„Angehörige", wie die Untergebenen der Aussen-
bezirke früher oft genannt wurden, und Beisassen
, die den heutigen Niedergelassenen entsprachen
, nur mit Einwilligung des Landes
ihren Grundbesitz veräussern oder vermehren.
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