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Wiesen gelegen, befand sich eine Baumgruppe,
das ,bosquef. Einfache Holzbänke im Halbkreise
gezogen boten darin während der heissen
Sommermonate eine erwünschte Sitzgelegenheit.
Frontal errichtete Gärten hatten obendrein oft
eine breite Treppenanlage mit kunstvoll geschmiedetem
Tore, die nach dem Hauseingang
führte. Eine hohe Buchsböschung flankierte hier
für gewöhnlich den Zugangsweg. Bisweilen
waren diese Gartengitter und Tore auch rein
dekorativ angebracht. Zur Stütze der Grundmauern
des Hauses sahen sich die früheren
Architekten bei dem meist ansteigenden Bauterrain
oft zu Terrassierungen veranlasst, doch
beschränkte man sich hierbei nur auf das aller-
notwendigste Mauerwerk; die stufenweisen Gartenterrassen
finden sich in Schwyz nur ganz
vereinzelt.
Erlaubte es der Platz, dann zog man es vor,
die Ökonomiegebäude, zu denen das „Stöckli"
oder „Büli" (Wohnbau), die Waschhütte, das
„Scheiterhaus" (Holzschuppen) und eine Werkstatt
gehörten, seitlich oder rückwärts in Form
einer rechteckigen Hofanlage dem Hauptgebäude
beizugliedern. Diese einheitliche Dependenzen-
gruppe wurde ebenfalls von einer Mauer umschlossen
, ein stattlicher Torbau mit schwerem
Holztor öffnete den Zugang zum Herrenhause
nach rückwärts. Äusserst selten sind die Beispiele
von Zufahrtsalleen. In jedem Hofe befand
sich auch ein reichlich fliessender Brunnen,
Trog und Stock waren in Stein gehauen, ein
zierliches Standbild schmückte in reichen Häusern
das Postament. Im 18. Jahrhundert verwendete
man mit Vorliebe eine quadratische
oder oktogone Beckenform mit treppenartigem
Untersatz. Ganz vornehme Wohnsitze fügten
den genannten Kleinbauten noch eine freistehende
, in die Einfriedigung mit einbezogene
Kapelle bei. Ausserhalb der Mauer lag der
meist primitive Stall, bald mit Steinunterbau,
bald in blossem Holzwerk aufgeführt. Die
Wiesen der Besitzung waren mit niederen
Mauern begrenzt, längs derselben pflanzte man
lange Nussbaumreihen, die die Gutsgrenze weit
sichtbar machten.
Eine verschiedene Anlage besass das Dorfwohnhaus
. Der beschränkte Grundriss Hess eine
so weit verzweigte Entlastung des Wohnbaues
nicht zu. Man sah sich daher genötigt, die
sonst rings zerstreuten Dependenzen im Hause
selbst unterzubringen. Hierzu wurde hauptsächlich
das Erdgeschoss verwendet. Bei einzelnen
Häusern, speziell Gasthöfen, brachte man
sogar Pferdestallung und Remise an, wobei
solche Bauten natürlich zur Gewinnung von
Zimmern oft um ein Stockwerk erhöht werden
mussten.
Den Grundtypus zu sämtlichen späteren
Bauten bildete das alte Holzhaus, wie es uns
noch in einigen wenigen Typen aus dem 16.
Jahrhundert erhalten geblieben ist.
Statt einer allgemeinen Beschreibung dieses
primitiven Blockbaues lassen wir diejenige eines
annähernd intakt gebliebenen Schwyzerhauses
aus dem Jahre 1559 folgen. Die historischen
Notizen über das Redingsche Haus zum „Bet-
lehem" finden sich auf Seite XXIV. Das gemütliche
sammetbraune Wohnhaus besteht aus
einer einstöckigen Holzkonstruktion in gerader,
aufgelegter, sorgfältig gezimmerter Balkenlage
mit niederem Dachgiebel. Im gemauerten Erdgeschoss
hatten verhältnismässig grosse Kellerräume
, die ursprünglich nur von aussen zugänglich
waren, eine für die Milchwirtschaft
notwendige Einrichtung erhalten. Eine seitlich
angebrachte Aussentreppe führte in geraden
Läufen nach der Flurtüre des ersten Stockes,
sie war mit einer Bretterwand eingedeckt, senkrechte
Holzpfosten stützten das Ganze. Äusser-
lich bot der Anblick des Treppenbaues eine
sehr abwechslungsreiche Architektur. Zuunterst
das Holzgitterwerk des eigentlichen Holzschopfes,
dann über einem breiten Bretterverschlag die
zum Teil offene Hauptlaube, darüber abermals
eine schmale Bretterwand und schliesslich die
niederen Galerieöffnungen der oberen Laube.
Öfters Hess man auch die Treppe völlig frei
und begnügte sich mit einem kleinen Laubenanbau
im ersten Stock; diese Lauben zählten
auch bei Steinbauten nicht zu den Seltenheiten.
Von der Haustüre aus betrat man einen mit
Steinplatten gepflasterten Gang nach dem rückwärts
gelegenen und schlecht beleuchteten Küchenraum
, der in den ältesten Gebäuden stets
gemauert war und vielfach bis zum Dache
durchging. Zwei primitive Holztüren führten
von da in die Wohnräume der Front, die eine
grosse vielfenstrige Wohnstube und ein kleines
Stubengemach enthielten. Mit der Zeit erweiterte
man den Küchenanbau derart, dass ein
quer durch das ganze Haus laufender Gang
eingebaut wurde. Die Küche blieb auch hier
an der Rückseite, doch fügte man dann nebenan
noch eine Speisekammer oder sonst irgendeinen
kleinen Raum hinzu. Vom Hausgange
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