Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XIV
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0016
aus ging parallel und dicht neben der Haustüre
eine schmale und steile Geländertreppe
nach dem oberen Stockwerke, wo eine bis drei
Schlafkammern den Dachraum ausfüllten. Wie
bei dem Küchenanbau, so wurde Mauerwerk
auch beim Erdgeschoss verwendet, es erhebt
sich hier aber kaum mehr als sechs Fuss über
die Oberfläche, tiefere Fundamentierungsarbeiten
kannte man nicht.

Die Konstruktion entspricht genau dem
Typus der innerschweizerischen Blockbauten,
deren Eigentümlichkeiten von Gladbach und
J. Hunziker in ihren Werken sehr ausführlich
entwickelt worden sind. Um die Balken vor
der Unbill der Witterung zu schützen, überzog
man oft einzelne Fassaden mit Eichenholzschindeln
oder Bretterverschlägen. Ein weitausladendes
Schindeldach mit stark hervorspringenden
Pfosten deckte die plumpe, stark
in die Breite gehende Hausform. Quer über
das ziemlich lose aufgelegte „Tätschdach", nach
seinem stark abgeschrägten Aussehen so benannt
, wurden lange „Rafen" (Balken) gelegt,
zu deren Befestigung oft mächtige Steine, die
sich in bestimmten Abständen folgten, aufgesetzt
wurden. Zum Schutze gegen Regen
und Schnee hatte man die heute noch beliebten
Klebdächer über Türen und Fenstern angebracht
. Sie verleihen dem Hause ein belebtes
Aussehen, besonders da, wo sie sich verschiedenen
Fensterbildungen einzeln anpassten. Ursprünglich
nur mit Schindeln bedeckt, bediente
man sich hierfür seit dem 17. Jahrhundert lieber
der Ziegel. An Stelle der üblichen Kellerräume
besassen manche Dorfhäuser Werkstätten und
Kramläden, die in früher Zeit nur von aussen
zugänglich waren.

Schon im 15., noch mehr im 16. und
17. Jahrhundert, begegnen wir einem weiteren
lokalen Haustypus, dem Rieghause, das in Anlage
und Aufbau den Grundformen des Holzhauses
stark ähnelt, alle Dimensionen aber in
grösseren und reicheren Proportionen in sich
führt. Wenn wir uns heute leider nicht mehr
so gut Rechenschaft über das Aussehen dieser
Bauten geben können, liegt der Grund darin,
dass sämtliche Bauten dieser Gattung heute mit
Besenwurf oder Mantelmauern überzogen sind.
Selbst die Symmetrie des Aufbaues ist durch
die häufigen Anbauten vollständig verloren gegangen
.

Gelegentliche Restaurationsarbeiten Hessen
die einstige Konstruktion deutlich erkennen. Dort

und da treffen wir noch in Sandstein ausgeführte
Haustürumrahmungen, die bald mit Rundbogen
, bald mit Korbbogen abschlössen. Das
Erbauungsdatum, bisweilen ein kleiner Wappenschild
des Erbauers, sind die einzigen Zierden
dieser einfach profilierten Steingefüge, selten
fehlt die Türschwelle. Reihenfenster mit durchgehender
scharfprofilierter Fensterbank belichten
die Wohnräume, kleinere Doppelfenster die
Schlafstuben. Die vielfach bis ins 18. Jahrhundert
noch gotisch-profilierten Rahmen waren
bald in Holz, bald in Stein ausgeführt. Buntfarbige
Fensterladen („Falläden") verdeckten
auf Wunsch die stark verbleiten Schiebfenster.
Nach den Bildern zu urteilen, wurden die
Giebeldächer im Rieghause, wie auch im späteren
Holzhause, viel steiler geführt; an dem
längs des Daches in Form einer Hohlkehle verlaufenden
Lattenverschlag brachte man bisweilen
ebenfalls farbige Dekorationsmotive an.

Der Steinbau nahm die Vervollkommnungen
des Rieghauses in sich auf und fügte ihnen noch
neue hinzu. Wie heute, so konnten sich auch
damals nur vermögliche Bauherren einen solchen
Bau gestatten. Von den alten rein gotischen
Wohnbauten in Stein findet sich keine Spur
mehr. Die heute noch bestehenden Gebäude
unterscheiden sich in zwei zeitlich und stilistisch
vollständig getrennte Gruppen, den alten eigentlichen
Schwyzertypus vornehmlich in den Bauten
des 16. und 17. Jahrhunderts, und den französischen
, wenig lokalen Mansardenbau des 18.
Jahrhunderts. Von den 17 grossen Herrschaftshöfen
sind nicht weniger als 10 ganz in Stein
gebaut. Charakteristisch an diesen Bauten sind
vor allem die grösseren Dimensionen und die
vornehmere Ornamentation der verschiedenen
Architekturdetails.

Daneben gab es natürlich auch einfache Dorfbauten
in Steinbau, die zum Teil heute noch
bestehen und vielfach älteren Ursprungs sind
als die Herrschaftshäuser. Wir nennen nur die
Gasthöfe zum Bären, zum Rössli, zu den drei
Königen, den ehemaligen Hirschen u. a. m.

Der Grund für dieses Fernhalten eigentlicher
Modebauten liegt wohl an der leidigen
Geldfrage. Die reichen Städte konnten wie heute
das Alte leicht durch Neues ersetzen, auf dem
Lande war man meist nur auf den Um- und
Anbau angewiesen. Hierbei bekundeten die
Bauleiter freilich eine solche Fülle von ungemein
anerkennenswerten Abwechslungen in der
Konstruktion und Dekoration, dass wir heute

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