Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XV
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0017
trotz aller Ähnlichkeit im Grundriss und in
gewissen althergebrachten Formen selbst bei
den Steinbauten eine auffallende Verschiedenheit
im Gesamtaussehen der Gebäude konstatieren
können.

Die Bauten drücken vielfach in der äusseren
Erscheinung ganz ungezwungen ihre Bestimmung
und innere Entwicklung aus — Eingang
mit Geschäfts- und Repräsentationsräumen im
Erdgeschoss, helle fensterreiche Wohnstuben im
ersten Stock und einfache niedere Schlafzimmer
im zweiten Stock. Zu dieser etwas analytischen
Fassadenwirkung trug der Fenster- und Türenbau
nicht unwesentlich bei; von einer symmetrischen
Gliederung derselben wurde früher
gerne abgesehen, erst der französische Einfluss
des 18. Jahrhunderts brachte die Symmetrie in
Schwyz zu grösserer Anerkennung. Im allgemeinen
lässt sich wohl sagen, dass weder eine
besondere Horizontalgliederung, noch eine ausgesprochene
Vertikale zur Gliederung unserer
Aussenbauten nötig war. Immerhin wird man
wohl eine natürliche Horizontalgliederung als
vorherrschend bezeichnen müssen. Aus diesen
Gründen finden sich auch so spärlich die in
der städtisch-vertikalen Architektur beliebten
Kranzgesimse, sie hätten unsere Gebäude nur
noch breiter präsentiert. Ein Hauptgrund für
das breite Aussehen unserer Steinbauten lag in
dem fast regelmässig an jeder Rückwand angebrachten
Anbau mit der erweiterten Treppenanlage
. Horizontale Tendenzen hatten auch die
Reihenfenster, die Klebdächer, während Erker
und Lisenen, die mehr nach der Höhe strebten,
mit Vorliebe dort angewendet wurden, wo wirklich
ein architektonisches Bedürfnis vorlag.

Selbstverständlich führen nicht alle diese
Herrschaftsbauten Steinmauern bis unter das
Dach, die allermeisten besitzen sogar solche nur
bis zur zweiten Etage, die darübergesetzten
Giebelwände wurden gewöhnlich in Fachwerk
und Bruchsteinmauer ausgeführt und mit Kalkmörtel
überstrichen. Als beliebtes Material verwendete
man den einheimischen Kalkstein aus
den Steinbrüchen bei Steinen, im Aegerital und
am Rotenturm. Für bildhauerische Arbeiten
diente der sogenannte Seewenerstein, ein schöner,
dichter, dunkelgrauer Kalkstein, der in seinem
Äusseren einige Ähnlichkeit mit Marmor hatte,
dessen Dauerhaftigkeit aber nicht teilte. Eine
von der Familie von Hettlingen in Schwyz eingerichtete
Marmorsäge ist längst wieder eingegangen
, wie auch die Gipsmühlen bei Seewen,

zu denen der Gipsstein aus einem reichen Lager
oberhalb Rickenbach gebrochen wurde. Auch
Schieferplatten, deren Fundstelle auf den Alpen
von Hessisbohl lag, kamen gelegentlich zur Anwendung
. Der im Überfluss vorhandene Lehm
wurde von alters her in den Ziegelhütten des
Staates zu Ziegeln geformt. 1680 wurde eine
solche zu Ibach auf Kosten des Landes erstellt.
Sonderbarerweise sah man in Schwyz vom Backsteinbau
vollständig ab.

Türen und Fenster werden im späteren
Herrschaftshause bedeutend vergrössert, die Umfassungen
mit allerlei Bildhauerwerk in Sandstein
ausgeführt, die eichenen Türen, früher
höchstens mit Gitterwerk und spärlichen Flachschnitzereien
verziert, passen sich immer mehr
den Formen der Renaissance und des Barocks
an, die rechteckigen Füllungen erhalten stärker
profilierte Einfassungen, die kunstvollen Eisenbeschläge
verschwinden immer mehr, an deren
Stelle tritt das einfache Messingornament. Im
18. Jahrhunderte finden sich Flügeltüren ziemlich
häufig. Grosse Sorgfalt verwendete man
auf den Wappenschmuck über dem Türsturz,
mit Vorliebe brachte der Bauherr sein Allianzwappen
an. Die naturfarbene Holztüre blieb
bis in die Gegenwart heimisch. Neben der
Haustüre waren auch die Fenster des Erdgeschosses
, speziell die des Gartensaales, mit
Skulpturarbeit verziert worden. Das Ornament
enthielt hier meist nur lineare Skulptur, reich
profilierte Gesimse bildeten das Eigentümliche
dieser grossen vergitterten Rechteckfenster. Im
ersten und zweiten Stock finden sich ebenfalls
noch Steinumrahmungen in einfacherer, meist
gotischer Profilierung, in den oberen Stockwerken
hatten die Fenster Holzrahmen und
sind wesentlich kleiner. In den Eckzimmern
behielt man für gewöhnlich bis zum Ende des
18. Jahrhunderts das gotische Reihenfenster bei.
Die meisten Gebäude besassen eine bunte Abwechslung
ziemlich breit angelegter Dreier- und
Zweierfenster, die ersteren waren bisweilen im
Mittelsturze überhöht. Selten treffen wir Fenster
mit Korbbogen. Alle diese Fenstergattungen
gingen zu Ende des 18. Jahrhunderts mehr oder
weniger verloren. Die ursprünglichen Öffnungen
wurden durch grössere Einzelfenster mit schwachen
Profilen, einfachem geradem Sturze ersetzt,
eine symmetrische Einreihung löste die oft
malerische willkürliche Gruppierung früherer
Zeiten ab.

Eigentliche Erkeranlagen gab es in Schwyz

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