Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XVI
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0018
sehr wenige, erhalten hat sich eine einzige im
Frauenkloster zu St. Peter, das 1698 bis 1700
aufgeführt worden ist. Es ist ein durchaus
gotischer Ausbau mit sechseckigem Grundriß.
Zeitgenössisches Gepräge verrät die äusserst originelle
Bedachung mit der welschen Haube. Die
malerischen Vorbauten am Ital-Redingschen
Hause und Immenfeld verdanken ihr Entstehen
den reich angelegten Portalbauten. Noch zu
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Schwyz
manche Gebäude, bei denen derartiger Hausschmuck
in den verschiedensten Variationen
angebracht worden war, wie z. B. die heute
Benzigerschen und Kündigschen Häuser im
Feldli. Ein beliebter Fassadendekor des ausgehenden
18. Jahrhunderts bestand in der Erweiterung
eines Mittelfensters der Hauptfassade,
das sich dann als Türe auf einen kleinen vorgeschobenen
Balkonbau mit stilvollem Eisengitter
öffnete. Die Breite einer solchen Anlage
durfte nur um weniges die der Türe überragen.
Schon äusserlich lässt es sich deutlich sehen,
daß derartigen Bauten ein rein ornamentaler
Zweck zugrunde gelegen hat, der über die
Nüchternheit der alten Fassade hinwegtäuschen
sollte.

Eigentümlich muten uns heute die vielen
Variationen in der Bedachung an. Ursprünglich
ein breitschenkliges Satteldach, selten ein
Zeltdach, finden wir im Laufe der Jahrhunderte
die sonderbarsten Form Wandlungen. Das 16.
und 17. Jahrhundert verwendeten Walmdächer,
die in der frühesten Zeit oft schwach gekrüppelt
waren, mit den verschiedensten Dachgiebelbildungen
erfreuten sie sich bis in die Neuzeit
grosser Beliebtheit. Später erheischte die Mode
oft auch französische Mansardendächer. Sonderbare
Kombinationen, wie in der Sagenmatt,
Schmiedgasse und anderen Orts, gehören mit
zu den reizvollsten Lösungen der Schwyzer
Architektur. Noch viel mannigfaltiger als die
Dächer selbst präsentierten sich die Dachfenstereinbauten
. Bald die verkleinerten Formen
des Hauptdaches in sich aufnehmend, bald
einstöckig, bald zweistöckig, bald mit langer
Fensterreihe, bald in elegant geschwungener
Bogenmauer bilden sie eine selten reiche Musterkarte
belebender Dachgliederungen. Noch bleiben
die zahlreichen Dachreiter mit den roten
welschen Hauben zu erwähnen, wir finden den
Typus am besten am Frauenkloster, am Ital
Reding Hause und am Rathause, früher begegnete
man diesen Türmchen zahlreicher. Einen

praktischen Wert als Glockenturm hatten sie
nur an öffentlichen Gebäuden und bestimmten
Gasthöfen, wie z. B. am Rathaus, Zeughaus,
am Bad Seewen und am Gasthof Hospiz zu
Goldau. Graziös passten sich diese Turmbedachungen
den verschiedensten Stilarten und
Dimensionen an, die rotgestrichenen Holzschindeln
hoben sich im Grün der Landschaft
besonders günstig ab. Originelle Turmbedachungen
besassen auch in einigen reichen Höfen die
Ökonomiegebäude, turmartige Mauervierecke
flankierten da das Einfahrtstor, wie beim „Grosshaus
" im Brüel und im Nideröstschen Sitze am
Uetenbach. Heute sind derartige Nebengebäude
nirgends mehr zu treffen. Soviel wie möglich
verwendete man tiefrote Ziegel, noch 1836 gab
es im ganzen Tale nur ein einziges mit Schiefer
bedecktes Dach.

Bemalungen von Hausfassaden begegnen
wir bereits im 16. Jahrhundert, allein es dürften
schon die spärlichen, aber künsderisch bedeutsamen
Farbenüberreste in Steinen und im
Kerchel zu Schwyz uns zur Genüge zeigen, dass
schon in einer früheren Periode eine bunte
Hausschmückung im Lande beliebt war. Vielfach
in satten Farben mit spärlicher Dekoration
gemalt waren die „Fälladen" der Holzhäuser,
das geschnittene Schnörkel werk der Fenster-
umrahmungen, wie die Schutzgetäfer der
Fensteruntersätze, öfters erhielt auch die Türe
einen mehrfarbigen Anstrich. Bei vornehmen
Bauten wählte man für die Fensterladen und
Türen gerne heraldische Farben, so hatten die
staatlichen Gebäude fast ausschliesslich ganz
rote Dekoration, wie wir sie z. B. bei den Susten
noch im 19. Jahrhundert begegneten. In den
beiden letzten Jahrhunderten vertauschte man
diese schönen alten Muster mit einer glatten
Spangrünbemalung, die den Vorteil besass, sich
allen Stilperioden ziemlich unauffällig anpassen
zu können. Im Riegelhause spielte die Malerei
erst recht eine wichtige Rolle, das figürliche
Element kommt bereits wiederholt zur Anwendung
. Alte Abbildungen zeigen uns, wie da
z. B. die Schutzpatrone oder eine auf das Haus
bezügliche Allegorie in oft überlebensgrossen
Figuren im Giebel oder an der Hauswand
prangten. Bei Anlass der Restauration des Rathauses
(1890) wurden die Überreste einer solchen
Freskenmalerei blossgelegt. Sie stellte den
Kampf zwischen Scheio und Suit, den sagenhaften
Landesgründern, dar, ähnlich wie wir
sie an der Sust zu Brunnen und am Schloß-

XVI


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