Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XVII
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0019
türm zu Grinau wiederfinden. Noch heute
finden sich mehreren Orts derartige Wandbilder
aus dem 18. Jahrhundert. Eine Skizze der
Kydschen Bildersammlung aus dem Jahre 1847
zeigt uns den ehemaligen Gasthof zum Schäfli
an der Herrengasse als ein buntes, bis zu den
Hohlkehlen des Daches rot und grün bemaltes
Spitzgiebelhaus; ähnliche Fassaden finden sich
auf Bildern des alten Brunnens in derselben
Sammlung. Reichsten Farbenschmuck tragen
verschiedene vornehme Steinbauten, wie das
„Grosse Haus" im Brüel, das ehemals Ceberg-
sche im oberen Feldli, die Sagenmatt u. a. m.
Leider haben die sgraffitoartigen, meist stark
grau und braun getönten Malereien der beiden
erstgenannten Gebäude derart gelitten, dass wir
heute nur noch schwach die Umrisse erkennen
können. Jedenfalls galt aber auch hier die für
die gesamte Schweiz eigenartige Renaissanceauffassung
, durch die Farbe fehlende architektonische
Gliederung und Dekoration zu ersetzen.
Aufgemalte Quadern an den Hausecken, reiche
Gesimse und Rahmen um die Fenster und
Türen bilden die architektonische Ausschmük-
kung, während beliebige Bilderdarstellungen,
erklärende Spruchbänder und allerlei Schnörkelwerk
die Mauerflächen lediglich als Dekorationsfelder
betrachten. Künstlerische Bedeutung besitzen
die Malereien am „Grossen Haus". Die
wenigen noch sichtbaren Spuren deuten aui
Baseler Einflüsse, doch vermögen wir keinen
bestimmten Meister zu erkennen. Eine höchst
persönliche Hausdekoration hat sich Landammann
Ignaz Nazar Ceberg in der Sagenmatt
geleistet. Seine sämtlichen Fassaden imitieren
den Ziegelbau, eine reiche braun auf weiss gezeichnete
Louis XVI.-Ornamentation hebt sich
vorteilhaft davon ab. Technisch gehören unsere
Freskomalereien zwei verschiedenen Gruppen
an. Die frühere Fassadenmalerei verwendete
mit verschiedenen Modifikationen die italienische
Sgraffitotechnik, während die Dekorationen des
18. Jahrhunderts al fresco mit blossem Kalk und
Erdfarben gemalt worden sind. Jedenfalls erwuchs
diese im übrigen recht nüchterne Fassadenmalerei
einem allgemeinen ästhetischen
Bedürfnisse, die im Schwyzerhause wenig vertretene
architektonische Gliederung kräftiger zu
gestalten.

Die primitive Interieureinrichtung des 16. Jahrhunderts
blieb im schwyzerischen Bauernhause
lange heimisch und ist es zum Teile heute noch
gebheben. Im reicheren Bürgerhause hat sie

allerdings schon mit dem Ende des 16. Jahrhunderts
manche Umänderung im Sinne einer
reicheren Ausstattung erfahren. Eine kurze Beschreibung
, die uns G. Meyer von Knonau in
seinen historisch-statistischen Gemälden der
Schweiz von 1835 bringt, dürfte mit einigen
Ergänzungen wohl die richtige Schilderung der
frühen Einrichtung treffen. „Aus der Küche
mit dem grossen offenen Herd, oder vom Gange,
dessen kahle Wände einige gemalte Holztruhen
schmücken, tritt man in die niedere vertäfelte
Wohnstube; kleine einfache Viereckfenster mit
Butzenscheiben und Schiebevorrichtung lassen
das Licht nur spärlich ein, eine von Rauch
geschwärzte flache Holzdiele machte den Raum
nur noch dunkler. Dass der plumpe grüne
Kachelofen in einem Gebirgslande, wo der
Winter lange dauert, eine Hauptrolle spielt
und einen ansehnlichen Raum einnimmt, kann
man sich leicht denken. Eine behagliche Ofenbank
oder kleine Ofentreppe gehören zur Bequemlichkeit
eines jeden Hauses. Um den
oberen Kranz des Ofens läuft ein Gestell von
hölzernen Stangen zum Trocknen und Wärmen
der Kleidungsstücke. Ein Tisch mit Schieferplatte
, festgemachte Wandbänke und einige
wenige Stühle füllen für gewöhnlich die Fensterecke
aus. An der Gangwand steht das breitgebaute
Büfett mit Giessfass und Handbecken,
von einheimischem Meister gegossen. In der
Nähe des Ofens hat auch das unentbehrlichste
Stück der Stube, das breite, oft eingebaute
Kanapee, „Kutsche" genannt, seinen Platz gefunden
. Es entspricht im Volksleben dem
„Sorgenstuhl" der deutschen Stube. Denkt
man sich zu diesem allem noch das eine oder
andere fromme Bild, einen Haussegen, ein
Altärchen oder ein einfaches Kreuz an der
Wand, so hat man die frühere Wohnstube in
ihrer ganzen Bescheidenheit. Die Nebenstube
diente als Schlafgemach der Eltern, niedere
kastenartige Betten bilden in früher Zeit da
oft das einzige Mobiliarstück, in den übrigen
Räumen wurden ebenfalls meist nur Schlaf-
gemächer eingerichtet. Aus dem Gesagten lassen
sich die Ansätze für die spätere Ausgestaltung
der Räume speziell im 17. und zu Beginn des
18. Jahrhunderts deutlich erkennen. Die Einteilung
der Räume wie ihre Ausstattung hatte
in den reichen Häusern nur insofern eine Änderung
erhalten, als das fast ausschliesslich einheimische
Mobiliar viel kunstvoller und zahlreicher
anzutreffen war, die Aufstellung und

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