Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XVIII
(PDF, 21 MB)
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Bewohnungsweise haben jedoch bloss geringe
Veränderungen erfahren.

Auch während der zweiten Bauperiode blieb
das Innere noch äusserst einfach. Vom Hauseingange
, der meist im Erdgeschoss an der
Schmalseite gelegen war, trat man wie im
Holzhause in den langen, wenig hellen Mittelgang
. Hier ersetzen bereits warme, rote Ziegelböden
in den verschiedensten Musterungen die
kalten Steinplatten der Holzbauten. Im übrigen
blieb die Raumverteilung dieselbe, nur dass
infolge der vermehrten Wohnräume jetzt die
Eckzimmer der beiden Stockwerke einen wesentlich
grösseren Platz beanspruchten. Bewohnbare
Diensten- und Werkstatträume im Erdgeschoss
, ein Estrich, das „Dilti" genannt, und
ein unterirdischer vom Hausgange aus erreichbarer
Keller zählen ebenfalls zu den Errungenschaften
dieser neuen Bauweise. Dort, wo die
Innenausstattung der Rieghäuser grösseren Luxus
aufweist, wurde derselbe oft erst später eingebaut
oder er trägt denselben Charakter wie in
den Steinbauten.

Im 17. Jahrhundert verlieren sich die zahlreichen
Anklänge an die ungemein primitive
Innenausstattung immer mehr, die Räume werden
nicht nur wohnlicher, sie suchen, nach
Möglichkeit, auch eine gewisse Eleganz zu entfalten
. Eine noch anspruchsvollere Bürgerschaft
im 18. Jahrhundert verstand es sodann, dieser
Eleganz auch grösseren Komfort zu verleihen,
und damit zog jener behagliche Repräsentanz-
Charakter in unser Heim, der den Stolz und
den Reiz eines jeden ländlichen Herrschaftshauses
ausmacht. Im Verhältnisse zur Fassade
fiel der innere Ausbau mit den Jahrhunderten
immer reicher aus. Während die Wohnung
des 17. Jahrhunderts infolge ihres sorgfältig
gewählten Materials sich recht lange zu halten
vermochte, musste sich diejenige des 18. und
19. Jahrhunderts vielfachen Modeperioden anbequemen
. Wenn sich manches aus der älteren
Zeit trotzdem gut erhalten hat, trug die Beständigkeit
des Materials wohl die Hauptschuld
daran.

Nie darf man zwar in den Räumen eine gesuchte
Raumwirkung durch ausgeklügelte Proportionen
und dergleichen suchen; was angestrebt
wird, ist vielmehr Behaglichkeit und
gediegener Luxus, beides an sich keine künstlerischen
Qualitäten. In den Einzelheiten liegt
der Hauptreiz unseres ländlichen Interieurs.

In der vornehmen Bürgerbaute gelangt

man durch das erweiterte Portal bald in einen
gewölbten, bald in einen flach gedeckten, langgezogenen
Hausgang. Wiederum sind es Sand-
und Ziegelsteine, die die Gangböden oft bis in die
obersten Stockwerke bedecken. Eine ziemlich
steil angelegte Geländertreppe in Hartholz, ungefähr
1,50 Meter breit, führt den Besucher
in einfacher Kehre nach den oberen Stockwerken
, sie verjüngt sich für gewöhnlich in den
oberen Stockwerken, wo auch einfacheres Material
zur Anwendung kommt. Die meist scharf
geschnittenen, seltener gedrechselten Balustraden
weisen wohl grosse Ähnlichkeiten auf, sind sich
aber nirgends gleich. Im 18. Jahrhundert kam
auch die Steintreppe mit Eisengeländer bis zum
ersten Stocke zur Verwendung. Die Decken
in den Gängen und im Treppenhaus, anfänglich
mit blossen profilierten Balken durchzogen,
erhielten schon früh weisse Gipsdecken, die
meist nur ein einfaches Filetornament mit
einigen wenigen Rondellen aufweisen. Eingebaut
in den Gangwänden besassen die oberen Stockwerke
oft grosse nussbaumene Kasten mit spärlichen
Schnitzereien. Ein paar Stabellen, die
eine oder andere Truhe, eine Reihe von Porträts
bildeten das einzige Mobiliar des Ganges bis in
die neueste Zeit. Vom Erdgeschoss gelangt
man in die grossen Kellerräume, teils durch
direkten Zutritt von auf den Gang mündenden
Türen, teils durch versteckte Treppenanlagen.
Im Erdgeschoss haben die Wohntüren gewöhnlich
eine profilierte Sandsteinumrahmung, ein
diskret gemaltes Fronton wird bisweilen dem
Türsturze aufgesetzt, in den oberen Stockwerken
kommen an den Türen ausschliesslich
Holzverkleidungen zur Verwendung, sie zeichnen
sich ebenfalls durch hübsche Varianten aus.
Die einzelnen Wohnräume des Erdgeschosses
dienen verschiedenen Zwecken, fast immer gab
es Gartensaal, Dienstenzimmer und sogenannte
Kammern. Da, wo sich Vertäferungen finden,
sind dieselben stets sehr einfach gehalten. Den
meisten dieser Räume haftete ursprünglich eine
gewisse Unwohnlichkeit an, die erst später gehoben
wurde. Im Gartensaal allein entfaltet
vorab das prunkliebende 18. Jahrhundert eine
festliche Dekoration. Prächtige Stukkaturen,
Kamine, Deckenmalereien, vermutlich auch
Wandbespannungen schmücken zum Teil heute
noch diese Räume, während der früheste, aus
dem 17. Jahrhundert stammende Gartensaaltypus
mit der einfachen Holzdecke und den
glatten weissen (vielleicht auch bemalten) Wänden

XVIII


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