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sich nicht mehr vorfindet. Wertvolle geschnitzte
Spiegel und eine Reihe von Ahnenbildern bilden
hier den vornehmsten Wandschmuck. Die übrigen
Möbel beschränkten sich auf einige grosse
Schäfte und Truhen, einen langen Esstisch und
vielerlei Bestuhlungen. Der Saal diente hauptsächlich
für gesellige Anlässe, Gastereien, während
der heissen Sommermonate vielfach auch
als Wohnraum. Gleich bei der Treppenmündung
im ersten Stock brachten manche Hausbesitzer
wohl als Sicherheitsmassregel ein Holzgitter an,
das oft einen recht geschmackvollen Abschluss
des Ganges bildete.
In der I. Etage entfaltete der wohlhabende
Bürger seinen behäbigen Luxus. Auch da sind
die Wohnräume nicht übermässig gross, doch
genügen sie für das Zusammenleben einer zahlreichen
Familie. Grosse Saalbauten in den
oberen Stockwerken, die mit Ausnahme eines
einzigen stets durch zwei Stockwerke gehen,
gibt es in Schwyz nur mehr vier. Sie sind
gleichzeitig typische Repräsentanten dreier verschiedener
Stilperioden. Aus dem späten 16.
Jahrhundert stammt wohl der heute fast zur
Ruine gewordene Festsaal im ehemals Schorno-
schen Hause im Dorfbach. Angeblich zur Aufbewahrung
der Landesbanner errichtet, scheint
derselbe auch als Repräsentationsraum gedient
zu haben, die reiche Verwendung von Fruchtgirlanden
und die Nähe der Küche lässt ebensosehr
auf einen Speisesaal schliessen. Reiche
Stuckornamente besitzt der sogenannte „Stein-
saal" im Immenfeld. Hier kommt der Zweck
des Raumes deutlich zum Ausdruck. Motive
der Tafelfreuden füllen den eleganten Stuckdekor
an Decke und Wänden. Im „Gross-
Hause" findet sich ein reichgemalter, aber einstöckiger
Saal, ebenfalls vom Ausgange des
17. Jahrhunderts. Die bunt gehaltene Decken-
bemalung macht uns zugleich mit der ursprünglichen
Deckenkonstruktion solcher Prunkgemächer
bekannt. Aus dem 18. Jahrhunderte
besitzen wir einen höchst theatralischen Barocksaal
im ehemals Nideröstschen Familienhause
am Ütenbach. Statt der in Schwyz sonst beliebten
Stukkatur hatte der Erbauer den ganzen
Saal in falschen Säulenstellungen und Gipsornament
-Imitation ausführen lassen.
Den Stolz eines jeden Hauses bildete am
ausgehenden 16. Jahrhundert und während des
ganzen 17. Jahrhunderts ein oder mehrere vertäfelte
Renaissancezimmer, die heute noch
mit zu den wertvollsten Sehenswürdigkeiten des
alten Schwyz zählen. Schon früh pflegte man
im bessern einheimischen Privatbau die Tür-
und Fensterpfeiler der Wohnstuben mit geschnitzten
Eichenpfosten zu verzieren. Diese
Art von Hausschmuck bildete gewissermassen
den Übergang vom einfachen gotischen Getäfer
zur kunstvoll gearbeiteten Wandtäfelung. In
ihrer ursprünglichen Anlage hat sich heute nur
noch eine solche Türverkleidung erhalten, im
Fischlin-Trütsch-Hause zu Ibach. Fragmente
verwandter Schnitzarbeiten finden sich in der
Laschmatt, im Besitze des Kantones — sie
stammen aus dem ehemaligen Schützenhause —
und in der Schulerschen Privatsammlung. In
ihrem frommen Sinne haben die damaligen
Hauseigentümer mit Vorliebe zu diesen Dekorationen
religiöse Sujets verwendet. In Hochrelief
ausgeführt, massen solche Figuren ungefähr
ein Drittel Lebensgrösse, später wurden sie eher
kleiner. Auch an der Aussenseite der Häuser
liebte man diesen Schmuck anzubringen, indem
man, wie in der Laschmatt, im Fischlin-Hause,
im Frauenkloster zu St. Peter, das Bild des
Schutzpatrones ob der Haustüre oder in einer
Nische inmitten der Fassade einsetzte.
Viel zahlreicher als diese frühen Vorläufer
haben sich die nachmaligen Renaissancegetäfer
erhalten. Was wir heute noch in Schwyz, sei
es in Privathäusern, sei es im Rathaus, an derartigen
Holzarbeiten besitzen, verdient als einheimische
Tischlerarbeit ganz besondere Anerkennung
. Die tiefeingefügten Kassettendecken
mit den üppig verzierten und so abwechslungsvoll
komponierten Feldern, besonders Achtecken
, die reich eingelegten und mit geschnitzter
Umrahmung verzierten Büfetts, die kunstvoll
zusammengesetzten Maserholzvertäferungen mit
ihren mannigfachen Füllungen strahlen eine
solche Wärme und Behaglichkeit aus, wie sie
später von keinem Stil mehr erreicht worden
sind. Fast möchte man glauben, die Schwyzer
des 17. Jahrhunderts hätten eine wahre Rivalität
beim Bau derartiger Stuben an den Tag gelegt;
kein Raum besitzt die gleiche Zeichnung, ja
selbst in der Tönung der Holzarten scheint
man vielerorts abgewechselt zu haben.
Mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts erblüht
die Kunst der Intarsiadekoration noch
einmal kurz auf. Diesmal gliedern keine Skulpturarbeiten
die Wandfläche. Sehr sparsam angebrachte
Profile bilden die Rahmen einer
dunklen, meist aus Nussbaum und Ahorn verfertigten
Einlegearbeit, die zwar stets noch
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