Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XX
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0022
ausgesprochene Renaissanceformen trägt, durch
Firnissierung aber ihren naturfarbenen Charakter
vollständig eingebüsst hat. Leider sind
nur mehr einzelne Bruchstücke solcher Zimmerdekorationen
auf uns gekommen, wie z. B. in
den beiden Wohnhäusern des unteren Feldli,
wo wir eher einen eleganten Wandschrank, als
eine blosse Wandornamentik vor uns zu haben
glauben. Die späteren Holztäferungen erhielten
sodann bedeutend einfachere Formen. Intarsien
und Schnitzerei fallen weg, an deren Stelle
sucht man Wand und Decke der Räume ausschliesslich
mit glatten, einfarbig gestrichenen
und gleichmässig abgepassten Felderformen zu
beleben. Gute Beispiele dafür birgt das Ab
Ybergsche Haus im Grund.

Es scheint aber, dass man sich nicht gerne mit
dieser äusserst nüchternen Reaktion begnügte,
die besseren Zimmereinrichtungen aus
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
bringen wieder die Farbe sehr zu Ehren. In den
meisten Häusern fand sich ein wasserblaues oder
moosgrünes Zimmer mit kleinen, graziösen Blumenornamenten
, das gegen Ausgang des Jahrhunderts
auch oft durch eine weisse Vertäferung
mit leichtem Goldornament ersetzt wurde. Zum
Geschmackvollsten aus dem Zeitalter des schwy-
zerischen Rokoko gehören einige Räume im
Acher, während der Louis XVI.-Stil in der
Sagenmatt eine sehr eigenartige und zum Teil
sehr verfeinerte Auslegung gefunden hat. Recht
beliebt scheinen auch Stoffbespannungen gewesen
zu sein, rote und grüne Damastzimmer
finden sich wiederholt erwähnt, noch heute begegnen
wir kostbaren Stoffen auf Bestuhlungen;
die Überbleibsel dieser angeblich von den
Franzosen 1798 so übel zugerichteten Wanddekorationen
fanden damit ein erwünschtes
„Aufbrauchen". Alle diese Gemächer dienten
vorwiegend als Wohnräume, seit dem 17. Jahrhundert
vielfach auch als Speisezimmer. Eigentliche
Esszimmer im heutigen Sinne fanden in
Schwyz erst sehr spät Eingang, sie sind meist
sehr klein und neben der Küche gelegen, mit
der sie durch eine Servieröffnung (passoir) verbunden
sind. In den Schlafräumen herrschte
grosse Einfachheit, in manchen Häusern finden
sich noch immer die einst so beliebten französischen
Alkoveneinbauten, an deren Stelle früher
oft ein Holzbettalkoven gestanden hatte. Ein
kleines „Kabinett" ersetzte das heutige Toüetten-
zimmer. Auch für die bessere Ausstattung der
Küche war das 18. Jahrhundert besorgt, an

Stelle des alten, offenen Herdes mit dem mächtigen
Rauchfang mauerte man jetzt mehrlöcherige
Herde ein, denen man oft noch einer
Wand entlang französische Kohlenlöcher beifügte
. Eine Vorratskammer, das Spicherli, und
ein mächtiges Küchenbüfett mit Holzgittern
gehörten zu jeder besseren Herrschaftsküche,
wie wir sie z. B. heute noch in der Sagenmatt
sehen können. Vereinzelte Häuser besassen auch
eigene Bibliothekzimmer und Hauskapellen.
Sämtliche Wohnräume und ein grosser Teil
der Schlafzimmer hatten Parkettböden von der
einfachsten Ausführung bis zur kunstvollen
Holzmosaik. Ein Beweis für das fortschrittliche
Komfortbedürfnis liegt auch in der frühen Anwendung
von Baderäumen, doch befanden sich
die in den Steinboden eingebauten Kachelwannen
stets im Nebengebäude, womöglich
neben der Waschhütte, aus der das nötige
Wasser hergeleitet wurde.

Das meiste Mobiliar war einheimischen Ursprungs
. Während im 17. Jahrhundert die Formen
noch zum grössten Teil von ländlichen
Stilauffassungen durchsetzt waren, suchten die
späteren Möbelschreiner bereits reineres französisches
Genre zu verarbeiten, doch vermochten
sie dabei nicht den ausländischen Modetypus
in ihre Produkte gänzlich aufzunehmen. Übrigens
haben sich im Mobiliar wie in der übrigen
Hausdekoration manche Motive längst vergangener
Kunstperioden noch weiter gehalten, so
daß es heute oft schwer fällt, an Händen blosser
Ornamentik die Entstehungszeit näher bestimmen
zu wollen. Das Mobiliar Hess an einfacher
Eleganz nichts zu wünschen übrig; was den
währschaften Holzschnitzarbeiten abgeht, ist die
Feinheit und fast möchte ich sagen Sprödigkeit
des Luxusmobiliars. Die Stilzeichnungen weisen
eine viel kräftigere Behandlung auf, das stets
praktische Möbel sollte für Generationen gute
Dienste leisten, überladenes Skulpturwerk, Vergoldung
, Kommoden mit Marmorplatten und
reichem Metallschmuck kannte man in Schwyz
nicht, während das nahe Uri dem italienischen
Barockmobiliar recht sympathisch gegenüberstand
. Wir kennen z. B. heute noch eine ganze
künstlerisch recht originelle Mobiliargruppe aus
dem Ende des 18. Jahrhunderts, die ein kunstverständiger
Schwyzer, Gardehauptmann Franz
Josef Reding v. Biberegg, herstellen liess. Beliebt
waren einfache, auf sichtbarem Holzgrunde
bemalte Truhen, sogenannte „Schnitzkästen
", Truhen mit reicher Schnitz- und

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