http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0023
Intarsiaarbeit, Schränke in den verschiedensten
Formen und Ausführungen, vielfach mit bunten
italienischen Intarsien, Stabellen, Lehnstühle
und Holzstühle aus verschiedenen Stilperioden,
grosse schwere Intarsiakommoden mit gewellten
Profilen und sehr kurzen Kugelfüssen. Der
Schiefertisch erfreut sich bis auf den heutigen
Tag grosser Beliebtheit. In manchen Details
verschieden von denjenigen der Nachbarkantone
sind die Büfetts (Bofett), vor allem sind dieselben
viel breiter und länger gebaut, das Giess-
fass befindet sich fast immer zunächst der Türe,
von den vielen Formen, die fast alle auf geometrisch
-architektonischer Grundlage beruhen,
wiederholt sich das Bogen- und Pilasterornament
am meisten. Perspektivisch gezeichnete Bauten,
„welche als unerfüllte Programme des damaligen
Baugeistes betrachtet werden können", bilden
den Hauptschmuck der Füllungen. In der
ersten Zeit scheint man der Schnitzerei den
Vorzug gegeben zu haben, wenigstens bestand
die Gliederung meist in Bildhauerarbeit, wie
z. B. das Büfett im Messmerhause. Auch das
Intarsiabüfett des 17. Jahrhunderts entbehrte
nicht ganz der Skulptur, dort und da suchte
man damit den architektonischen Aufbau des
Ganzen mehr zu heben. Im 18. Jahrhundert
kam dann eine neue Stilkonzeption zum Durchbruch
, die Gliederung suchte sich auch hier
dem Wandgetäfer anzupassen. Glatte Schränke
mit Filet und Muschelornamenten, einigen geschwungenen
Linien bildeten in der Hauptsache
den Dekor, die ehemalige unsymmetrische
Anlage wurde mit einer symmetrischen Anlage
vertauscht, statt des Giessfasses setzte man
jetzt in eigenem Mittelbau für gewöhnlich eine
Uhr ein, hier und da Hess man das Büfett auch
eine Ecke füllen, wobei dann der Mitteltrakt
in diese fiel. In Esszimmern wählte man oft
statt des Büfetts zwei Eckschränke, die in die
Wand eingebaut wurden.
Eine weitere schwyzerische Spezialität des
Kunsthandwerks waren die vielen Stukkaturen
. In massiger, aber kräftig profilierter
Zeichnung liebte man es, das Weiss dieser
barocken Plastiken mit dem Braun des Holzes
spielen zu lassen. Ursprünglich nur von Italienern
hergestellt, trat dann in der Periode der
luxuriösen Kirchenbauten auch die süddeutsche
Konkurrenz auf, die bald an künstlerischem
Können ihren Lehrern in nichts nachstand.
Rokoko und Klassizismus liefern gute Beispiele
von einheimischer Stilinterpretation im Deckenornament
. Die warmen Farben der Holzzimmer
wie die abgestimmten Töne der Wandmalereien
erhielten durch die Öfen eine sehr vorteilhafte
Belebung. In getäfelten Räumen mußte
der Ofen farbig sein. Bunte, reich mit historischen
Bildern verzierte Winterthurer Öfen
bildeten die Heizkörper der Reichen. Wer
jedoch die hohen Preise dieser Kunstprodukte
nicht erschwingen konnte, begnügte sich mit
moosgrünen Kachelöfen, die bald in grossen
Reliefkartellen mit stets sich wiederholenden
Figuren, bald in glatten Kacheln ausgeführt
waren. Man verwendete hierfür gerne die
Würfelform mit der dreischossigen Ofentreppe.
Aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts stammen
die gleichförmigen, aber blaugefärbten Kachelöfen
, deren Schmuck in einer breiten Bandfassung
in blauweißem Arabeskendekor bestand,
der Ofen selbst ruhte auf einem niederen,
pilasterartigen Sandsteinfusse. Solche Öfen fanden
sich vornehmlich in den wasserblau angestrichenen
Zimmern. Noch später kamen die
weissen Öfen mit blauer Figuren- und Landschaftsmalerei
in Delfter Art auf. Der elegante
Klassizismus brachte schliesslich den weissen
Stilofen zur Geltung.
In hervorragendem Masse beteiligte sich die
alte Landschaft an der Sitte der Fensterschenkungen
. Im Flecken selbst gab es zahlreiche
Glasmaler, von denen die Kessler und
Wüörner und etwas später Hans Dettling (1604
bis 1677) zu den bekanntesten zählen. Rathaus
und Gasthäuser, wie Privatbauten hatten reiche
Spenden erhalten, die heute leider zum weitaus
grössten Teile verloren und vernichtet sind.
Wertvolles leistete Schwyz auch auf dem Gebiete
der Kunstschmiedearbeiten. Während
die frühen Perioden sich durch die grosse
Einfachheit ihrer netzartigen Gitterarbeiten auszeichnete
, hat das 18. Jahrhundert auf den verschiedensten
Gebieten schöne Erzeugnisse hervorgebracht
. Schlankgebaute Kirchengitter, elegante
Gartenabschlüsse, Portalgitter in besten
Louis XVI.-Formen, Balkone, Treppengeländer,
Korbgitter mit den merkwürdigsten Verknüpfungen
bieten eine Fülle schöner Vorlagen.
Manche Gitter waren zum Teil farbig angestrichen
, wie z. B. die Korbgitter an Fassaden,
deren grüner Grundton mit den goldigen Knoten
recht vorteilhaft wirken musste, besonders wenn,
wie es öfter zu geschehen pflegte, hinter dem
Gitter ein reicher Blumenflor hervorschaute.
Am häufigsten begegnete man allerdings dem
XXI
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0023