Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XXII
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0024
schwarzen Anstrich mit mässiger Vergoldung.
Aber nicht nur die grossen Arbeiten waren mit
Sorgfalt ausgeführt, ein ebenso abwechslungsreiches
Bild einheimischen Kunstfleisses boten
die vielen Windfahnen, Dachnasen, Dachspeier,
Türklopfer, Wirtshausschilde u. dgl. mehr.

Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
besitzt Schwyz nur ganz einfache
Bürgerhäuser, deren Inneres im damaligen
Zeitgeschmack eine äusserst genügsame Ausstattung
erhalten hatte. Manche Gemächer alter
Familiensitze waren in den kriegerischen Jahren
am Ausgange des 18. Jahrhunderts derart verunstaltet
worden, dass sie einer vollständigen
Neuausstattung bedurften. Leider verwendete
man dafür nicht mehr die guten alten Vorlagen,
der Zeitgeschmack fand auch hier seine volle
Berücksichtigung. Noch mehr aber fielen die
Wohnräume der Restaurations- und Biedermeiermode
zum Opfer. Erst überdeckte man
nur die getäferten Wohnzimmer mit schweren
einfarbigen Tapeten, später erhielten auch die
Schlafräume solche Verunzierungen. Hier bestanden
die Tapeten zumeist in bunten Blumenmustern
auf hellem Grunde. Als besonders
elegant galten die sogenannten Genueser Tapeten
, die sich friesartig durch den ganzen
Raum zogen und gewöhnlich eine südliche
Landschaft, von einer üppigen Terrasse aus
gesehen, darstellten. Es ist die Zeit der Kirschbaummöbel
, die mit den Damaststorfen ehemaliger
Tapeten ihre Möbel überzog, die
Zeit der Raumbeschränkung, da sich die Insassen
mit nur wenigen Zimmern begnügten
und ihre Gartensäle in Treibhäuser und Werkstätten
verwandelten. Der Bürger kaufte nur
das allernotwendigste Mobiliar in einfachster
Ausführung, Haus und Hof fielen einer langsamen
Verwahrlosung anheim. Diese auffallende
Ernüchterung darf aber nicht als das Produkt
der genannten Moden allein angesehen werden,
sie ist vor allem die Folge einer durch Kriege und
Hungerjahre völlig verarmten Landwirtschaft.
Die Güter hatten vielfach infolge der schlechten
Zeiten ihren Wert verloren. Der „Gütersturz
" legte den Hausbesitzern grosse Opfer
auf. Der Zufall wollte es, dass auch anderswo
eine bescheidene Mode nottat, und da konnte
es den Schwyzern gewiss nur angenehm sein,
in noch grösserer Bescheidenheit mitzumachen.
Hatte die Bau- und Raumkunst des beginnenden
19. Jahrhunderts noch eine gewisse Poesie und
Romantik, so kam jetzt immer mehr auch in

der Provinz das Haschen nach dem Billigen und
Praktischen auf.

Ähnlich stand es jenseits des Mythen, wo
Einsiedeln sich ganz den klösterlichen Vorbildern
anschloss und die March und Höfe
Eigentümlichkeiten der zürcherischen und ostschweizerischen
Bauart aufweisen. Architektonisch
hat Schwyz einzig auf die umliegenden
Kirchgemeinden abgefärbt, speziell die Pfarrhäuser
und einzelne Privatbauten aus dem
Ende des 18. Jahrhunderts verraten den einheimischen
Baukünstler.

Alle diese äussern und innern Einflüsse
haben es aber nicht vermocht, den verschiedenen
Bauten im Kantone ihre eigene Bodenständigkeit
und Interpretation fremdländischer
Formen zu nehmen. Dass auch in Schwyz nicht
alles autochthon war, haben wir schon wiederholt
betont. Eine übersichtliche Zusammenstellung
fremdländischer Einflüsse
gehört unbedingt zum vollständigen Bilde der
Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des
Schwyzerhauses. In erster Linie fällt hier die
Nachbarschaft Italiens in Betracht. Ja, wir
stehen nicht an, zu behaupten, dass die Nähe der
grossen Verkehrsstrasse am Gotthard von wesentlichem
Einfluss gewesen ist, indem sie manche
fremde Elemente, die auf der Suche nach Arbeit
dem Norden zuzogen, zu vorübergehendem
Aufenthalte auch nach Schwyz geführt hat.
Schon im 16. und 17. Jahrhundert, besonders
aber im 18. Jahrhundert, war der italienische
Werkmeister jenseits der Alpen sehr gesucht,
wir begegnen ihren Namen oft in den staatlichen
und privaten Baurechnungen. Die virtuose
Schulung, die sie an den Monumentalwerken
ihrer Heimat genossen hatten, machte
ihre Hilfe beim Bau von Kirchen und prunkvollen
Profanbauten fast unentbehrlich. Aber
auch im bescheidenen Rahmen des Dorfbaues
leisteten sie erst recht nützliche Dienste als
Bauführer und künstlerische Hilfskräfte. Seit
dem 17. Jahrhundert gab es in Schwyz fast
ständig einen italienischen Baumeister, der für
die alltäglichen Baubedürfnisse der Ortschaft
aufkam. Die sogenannten „Mauerwalen"
(= welsche Maurer) mussten fast den gesamten
Steinbau besorgen, sie errichteten die Alpmauern
, die vielen kleinen und grossen Steinbrücken
u. a. m. Letztere hatten ursprünglich
nur das Dach von Holz. Typische Bauten
solcher Art wurden bereits um 1580 erstellt,
grosse, ganz in Holz gebaute Brücken stammen

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