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Das ehemals Lillische, heute H. W. von
Redingsche Haus zum Betlehem.
(Tafel 90.)
Der Überlieferung nach soll das einfache Holzhaus
einstens der Familie Lilli gehört haben.
Es ist möglich, daß der Landschreiber und
spätere Landvogt Heinrich Lilli, erster Mann
der Dorothea Inderhalden, Besitzer, vielleicht
auch Erbauer des Hauses gewesen ist. Später
kamen Haus und Hof in den Besitz Landammann
Rudolf Redings (1535—1609). Seither
blieb der Hof, auf dem inzwischen ein neuer
stattlicher Bau entstanden war, im Besitze der
Reding.
Ein wohl mit der Erbauung des Hauses
entstandenes Büfett in der Wohnstube trägt die
Jahreszahl 1559. Damit dürfte auch das ungefähre
Baudatum des Hauses festgelegt sein.
Die im Stiegenschopfe angebrachten Wappen
vom Jahre 1569 scheint man bei einem späteren
Anlass in die Wand geschnitzt zu haben. Sie
bieten einige Anhaltspunkte zur Erklärung des
oben angeführten Besitzstandes. Das Betlehem-
haus gilt in Schwyz als das älteste Gebäude
des Fleckens, jedenfalls ist es das einzige Holzhaus
mitten im Dorfe, das den grossen Brand
von 1642 überstanden hat. Es hat somit dokumentarischen
Wert für die Geschichte der
früheren Wohnweise im Dorfe, um so mehr, als
selbst in der Umgegend nur mehr sehr wenige
bestimmt datierte Holzkonstruktionen sich nachweisen
lassen. Eine ausführliche Beschreibung
bringt die Einleitung auf S. XIII. Seinen
Namen verdankt der Bau einer alten Sitte der
Urschweiz, wonach Gebäude bei ihrer Errichtung
einen bestimmten Rufnamen erhielten, den
man mit Vorliebe der biblischen Geschichte
entnahm.
Das Ab Ybergsche Haus im Grund.
(Tafeln 5—7.)
Der vornehm abgelegene Sitz an der Muota-
talerstrasse wurde schon um 1520 von der Familie
bewohnt. Den Grundstein zum heutigen
Bau legte bereits Landammann Kaspar Ab
Yberg 1562. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts
ersetzte dann Conrad Heinrich Ab Yberg den
primitiven Bau durch einen stattlichen Neubau.
Seither blieb das Gebäude in ununterbrochener
Reihenfolge stets im Besitze der Familie. Verschiedene
Angehörige des Geschlechtes nahmen
wiederholt Restaurationsarbeiten vor, von denen
die gründlichsten auf die 1745er und den Anfang
der 1870er Jahre fallen, leider besitzen wir
keine genaueren Angaben über diese verschiedenen
Umbauten. Aus diesen Restaurationsperioden
stammen gewiss das heutige Zeltdach,
der Ausbau der oberen Mauerstockwerke und
wesentliche Veränderungen in der Hof- und
Gartenanlage. Nach Kommissar Fassbind betrugen
die Kosten dafür 25 000 gl. Die scharfgezeichneten
Spitzgiebel, die aus der letzten
Restauration stammen, tragen an der Ostfassade
die Allianzwappen des Restaurators Ab Yberg-
Epp und des frühest bekannten Grundbesitzers
Ab Yberg-Bäsi.
Auch im Innern haben sich die ehemaligen
Dispositionen nur fragmentarisch erhalten. Es
finden sich immerhin noch manche getäferte
Räume, reiche Stuckdecken, ein teilweise recht
guterhaltenes Renaissancezimmer vor. Besonders
charakteristisch vertreten ist der massive
Schwyzerofen; das beste Stück mit breitem
Blumenband stammt von 1747. Wertvolle und
typische Mobiliarstücke einheimischer Provenienz
erinnern vielfach durch ihren heraldischen
Dekor an die Vorfahren des jetzigen Geschlechts.
Eine in rot, blau und grün gemalte Supraporte
mit dem Ab Ybergschen und Auf der Maurschen
Allianzwappen im Speisezimmer des dritten
Stockes bestätigt das Erbauungsdatum.
Zum Stammhause gehört auch die in nächster
Nähe an derselben Strasse gelegene Familienkapelle
, die bis in die neueste Zeit zugleich
auch als Familiengruft gedient hat. Sie wurde
ebenfalls von Landammann Kaspar 1578 erbaut
, aber 1606 und 1783 von den Nachkommen
des Bauherren grösser und reicher aufgeführt
und mit drei wertvollen Altären geschmückt.
In der Gruppierung der Ökonomiegebäude kam
eine in Schwyz sonst nicht übliche Raumeinteilung
zur Anwendung. Der schmale, recht-
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