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hundert stammt das Treppenhaus mit dem östlichen
Anbau. Die ehemalige Gartenanlage und
der malerische Eingang nach der Dorfbachseite
haben heute ihren ursprünglichen Reiz verloren,
die zierlichen Törchen und Treppen stehen nach
ihrer Restauration kahl und nüchtern da.
Die ehemals Gassersche, heute
Dr. J. Schreiber gehörende Gartenlaube
in der oberen Sagenmatt.
(Tafel 13.)
Der Grundstein des ehemaligen Gasserschen
Familienhauses wurde 1570 vom hl. Karl
Borromäus bei Anlass seiner Anwesenheit in
Schwyz eingesegnet. Als Bauherrn nennen die
Quellen Landammann Johannes Gasser, der
gleichzeitig Gastwirt zu den „Drei Königen"
war. 1623 gelangte der freundliche Bau auf
dem Wisi, wie das Gut früher hiess, in Besitz
der Familie Bellmont, die bis zum Ende des
18. Jahrhunderts Besitzerin blieb. Seither gehörte
die Gartenlaube, die erst seit ungefähr
50 Jahren diesen Namen führt, Sekretär Franz
Xaver Reding. 1835 folgte die Familie Am-
gwerd bis 1872, ihr die Dettling bis 1897, und
nunmehr Dr. Josef Schreiber.
In seiner heutigen Gestalt bietet der Bau
nur noch vereinzelt architektonisches Interesse.
Eine originelle loggiaartige Laube mit einer
kräftigen Steinsäule als Stütze zählt in unserer
ländlichen Architektur zu den Seltenheiten.
Charakter hat auch der alte Eingang mit der
stark vergitterten Haustüre. Ein einfacher, aber
zierlicher Brunnen, wie die hohe Buchswand
an der Einfahrt gehören ebenfalls früheren
Zeiten an. Im Innern steht im Wohnzimmer
des ersten Stocks ein guterhaltenes geschnitztes
Büfett mit der Jahreszahl 1590, die einzige
Erinnerung an den Erbauer, wie aus dem Allianzwappen
Gasser und Degen hervorgeht. Ein
geräumiger Estrichraum mit eigenartiger Decke
verdient ebenfalls erwähnt zu werden. Der
bunte Anstrich der Fassaden und des Holzwerkes
stammt aus neuerer Zeit.
Das ehemals Auf der Maursche,
heute Wielandsche Haus im Acher.
(Tafeln 14—22, 84, 85.)
Ursprünglich ein herrschaftliches Bauernhaus
, wurde das heutige Gebäude bereits um
1590 von Landammann Ulrich Auf der Maur
bewohnt. 1636 gelangte Haus und Hof durch
Landammann und Pannerherr Wolf Dietrich
in den Besitz der Reding, die damals auch die
Laschmatt innehatten. Dann ging der Acher
in den 1740er Jahren an den späteren Landammann
Werner Aloys von Weber „vom Acher"
über, bei dessen Familie das inzwischen zu
einem herrschaftlichen Wohnsitz ausgebaute
Heimwesen bis zum Jahre 1802 blieb. Es
folgten sich darauf in kurzen Zeitläufen die
Familien Hediger und Zay. Von der letzteren
ererbte die Familie v. Hettlingen den Hof, die
denselben 1918 an Kunstmaler Hans Beat
Wieland verkaufte.
Das Gebäude steht äusserlich wie innerlich
in arger Verwahrlosung da. Trotzdem wird
jeder Freund einer einfachen, aber doch herrschaftlichen
Bauart gerne bei diesem träumerisch
abgelegenen Sitze verweilen. Seine friedlich
gestimmte Abgeschlossenheit kann nur die
Blicke der Neugierigen reizen. Aus der Reding-
schen Zeit stammt eine ausserordentlich reich
geschnitzte Renaissancestube, die heute eine
Zierde des historischen Museums in Basel
bildet. An luxuriöser Ausstattung und technischer
Bravour dürfte sie wohl von den noch
sonst aus dieser Periode fragmentarisch erhaltenen
Täferungen die wertvollste sein. Die
übrigen heute noch im Hause vorfindlichen
Architekturdenkmale fallen in eine spätere Zeit,
da der kunstsinnige Werner Aloys Weber sein
Heim im Zeitgeschmack verschönert hat. Schon
am Portal findet sich diese Periode gekennzeichnet
. Ob dem grün in weiss gemalten Holztore
mit den reichen Barockornamenten prangt
in Stein gehauen das Weber-Fassbindsche Allianzwappen
. Ganz besonders stimmungsvoll steht
der Hof da. Ein reizender Brunnen mit elegantem
Zwiebeldache, eine hohe Umfriedungsmauer
von prächtigen schmiedeisernen Gartengittern
unterbrochen, eine ausgedehnte in offenem
Rechtecke angelegte Ökonomie umrahmen das
heimelige Hausbild. Am Hofbrunnen ebenfalls
mit dem Weberschen Wappen steht das Jahresdatum
der Restauration 1751. Ein graugetönter
aus einer etwas späteren Restauration herrührender
Mörtelbewurf mit aufgemalten Lisenen
und Sockeln gibt dem Hause Steincharakter.
Aus derselben Zeit stammt auch die Balkonanlage
mit der hübschen Haustüre, deren Be-
krönung von einem späteren Besitzer mit dem
Zaywappen übermalt worden ist. Die Innenausstattung
galt bei den Zeitgenossen als eine
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