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der reichsten im Lande. Leider vermögen die
heute verödeten Räume nur mehr ein stark ver-
blasstes Bild des einstigen Glanzes zu geben.
Stukkaturen mit zierlichen Vergoldungen, eine
Kapelle mit Netzgewölbe, der sogenannte Archivraum
, lassen sich nur mehr fragmentarisch nachweisen
. In besserem Zustande befinden sich
der hübsche Gartensaal und der Treppenbau,
im ersteren gefällt uns besonders das ländliche
Rokokoelement. Aus der galanten Zeit stammen
auch die Korbgitter der Erdgeschossfenster, deren
farbige Verzierung in Grün und Gold besonders
gut gewirkt haben muss.
Das Gasthaus zum Engel.
(Tafeln 4, 86.)
Zur Erbauungszeit, die in das Jahr 1599
fällt, gehörte der Engel vermutlich der Familie
Grüninger an, die das Haus noch im Jahr 1628
bewohnte. Bereits im 17. Jahrhundert wurde
der typische Bau aber von der Familie Büeler
schon als Gasthof benutzt. Nach dem grossen
Brande von 1642 hielt man vielfach die Ratssitzungen
beim Engelwirten Hans Heinrich
Büeler, Landvogt zu Uznach. Zu Anfang des
19. Jahrhunderts (1835) gelangte der Engel
vorübergehend in den Besitz der Familie Linggi
und kurz darauf an die Waldis, die 1908 das
stets noch als Wirtschaft verwendete Haus käuflich
an Zeughausverwalter Ehrler abtraten.
Die Fassaden dieses altehrwürdigen Dorfbaues
zeichnen sich durch ihr ziemlich intakt
erhaltenes Aussehen aus. Wahrscheinlich wird
zwar auch hier ein Teil des Hauses älteren
Ursprungs sein. Die heutige in Holz ausgeführte
Westseite mit Ausschluss des Stiegenhauses trägt
verschiedene Spuren, die auf eine blosse Umbaute
um 1599 schliessen lassen können. Immerhin
bringt das gegenwärtige Bild noch manche
dem gotischen Schwyzerhause eigene Form, die
die Aufnahme dieses Baues in unsere Darstellung
vollauf rechtfertigen. Im östlichen Hausteile
, der in Stockmauer ausgeführt wurde,
finden sich nicht weniger als vier Türen. Die
ursprüngliche Haustüre mit der in Stein gehauenen
Eselrücken- und Jahreszahleinfassung
dient heute als Kellereingang, ebenso zwei
weitere Rundbogentüren des Erdgeschosses. In
das Haus gelangt man erst durch den rückwärts
gelegenen Treppenaufgang. Solche Rundbogentüren
kommen im alten Schwyzerhause oft vor.
Für den frühen Steinbau charakteristisch sind
die unregelmässig verteilten Fenster, die hier
besonders günstig eingesetzt wurden. Die drei
verschiedenen durchaus gotischen Profile tragen
selbstverständlich auch etwas zur Abwechslung
in der Fassade bei. Im Innern erkennt man
wohl noch die einstigen Raumdispositionen,
doch hat eine um 1800 vorgenommene Umänderung
alle Erinnerungen an frühere Bauperioden
sorgfältig entfernt.
Das ehemals v. Redingsche,
heute Schulersche „Gross-Haus"
im Brüel.
(Tafeln 23—27.)
Das stattliche, in seinen Grundelementen
noch durchaus gotische Haus wurde 1604
von Landammann und Pannerherr Heinrich
Reding-Bruhin, dem Sohn des Landammann
Rudolf und der Elisabeth Inderhalden, Landammann
Dietrichs Tochter, an Stelle der ursprünglichen
Inderhaldenschen Wohnstatt errichtet
. Als Landammann Inderhalden als der
letzte seines Stammes 1584 starb, kam dessen
Wohnsitz an seinen Tochtermann, den obengenannten
Landammann Rudolf Reding, und
verblieb von da bis zum Tode des letzten Erben
aus diesem Geschlechte, Kantonsrichter Theodor
Reding (| 1827), bei der Redingschen Familie.
Durch die einzige Schwester des letzteren, Frau
Landammann Franz Xaver v. Weber, geborene
Maria Josefa Reding, erbte den Sitz deren
einziger Sohn, der nachmalige Oberst Franz
v. Weber, der die Besitzung 1836 um 30 000 gl.
den Jesuiten zum Bau einer Schule verkaufte.
Das Gebäude schien nachträglich für solche
Zwecke nicht gepasst zu haben. 1843 erwarb
Regierungsrat Karl von Schorno den Hof, um
ihn 1855 wiederum an Landammann Karl
Styger weiter zu veräussern. Seit dessen 1897
erfolgtem Tod gelangte das Gut in den Besitz
seiner einzigen Tochter Frau Ständerat Schuler-
Styger und damit an die Schulersche Familie.
Das Gebäude diente im Verlaufe der Jahrhunderte
wiederholt zu politischen Versammlungen
, 1835—41 wurde es von den in Schwyz
residierenden apostolischen Nuntien bewohnt.
Die ursprüngliche Anlage hat sich am deutlichsten
im Keller- und Erdgeschoss erhalten.
Die im Spitzbogen gewölbten Kellerräume zeigen
eine ungewöhnliche Höhe und Mauerdicke. Sie
wurden ehemals von einer Treppe, die in den
Hausgang zunächst der Strasse einmündete, er-
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