Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XXVIII
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0030
reicht. Beim Eingange nach der Strasse befand
sich früher auch die Haustreppe, ihre Spuren
sind noch deutlich an der Gangwand zunächst
der Türe sichtbar. Die heutige Treppenanlage
stammt erst aus dem 18. Jahrhundert. Den
Vorderteil des Erdgeschosses nimmt der Gartensaal
ein, ein durch die ganze Hausbreite sich
hindurchziehender Raum mit einfacher Ver-
täferung und grossen Einzelfenstern. Die ursprüngliche
vermutlich polychrome Dekoration
dieses Representationsraumes mochte freilich
anders ausgesehen haben. Im ersten Stock
haben sich im südöstlichen Eckzimmer Überreste
eines kunstvoll getäferten Renaissance-
zimmers erhalten. Die Füllungen der Verkleidungen
wurden in besonders schön mase-
rierter Esche ausgeführt; zu den Rahmen verwendete
man Ahornholz, für die Gesimse Nuss-
baumholz. Das kupfervergoldete Beschläg der
Schränke enthält eine originelle Verwertung der
Redingschen Wappenembleme. Ein Büfett in
Birnbaumholz, mit der Jahreszahl 1616 und
dem Reding-Bruhinschen Allianzwappen, wie
ein solches, das weit umfangreicher und von
kostbarer Arbeit ist, stehen heute nicht mehr
an ihrem ursprünglichen Standorte. Sie werden
einstens größere vertäfelte Zimmer, vielleicht
ähnlich denjenigen des Ital Reding-Hauses,
geschmückt haben. Ebenso wurden auch die
alten Öfen von ihren Plätzen entfernt; die
Überreste eines solchen, eine prachtvolle Winter-
thurerarbeit, befinden sich heute in neuer Montierung
im Redingschen Hause in der Schmiedgasse
. Früher befand sich in dem Hause auch
eine Kapelle mit reichem Barockaltar. Weitaus
den interessantesten Raum birgt das südwestliche
Eckzimmer des zweiten Stockes. Vornehm geschnitzte
Deckenbalken durchziehen in gemessenen
Abständen den Saal. Grüne, rote, blaue
und goldene Farbentöne wechseln in diskreter
Verteilung ab. Das reiche Arabeskenmuster,
umschlungen von den golddurchwirkten Lorbeergewinden
an den Balken, stammt aus dem Beginn
des 18. Jahrhunderts und hat sich recht
gut erhalten. In verschiedenen Variationen mit
starken italienischen Anklängen treiben darin
allerlei Figuren ihren bunten Schabernack. Der
reiche Blumenschmuck der Ornamentation enthält
auch einzelne Medaillons mit mythologischallegorischen
Motiven, von denen eines später
durch das Stygersche Wappen ersetzt worden
ist. Im selben Gemache befand sich ehemals
auch eine in Sandstein gehauene Karyatide als

Fensterpfostenschmuck, sie wird heute durch
die Tapete verdeckt. Unglücklich waren die
Neuerungen der Brigadierin Elisabeth von Reding
um die Wende des 18. Jahrhunderts. Die
ganz dem französischen Geschmacke huldigende
Dame veränderte in rücksichtsloser Weise eine
Reihe von charakteristischen Architekturdetails,
die heute das Auge jedes Freundes heimatlicher
Baukunst entzückt hätten. Die prächtigen Getäfer
wurden herausgenommen, an ihre Stelle
kamen Damasttapeten, in den alten gotischen
Fensterreihen wurden die Mittelfenster auf
gleiche Höhe wie die Seitenfenster gesetzt, die
schönen Intarsientüren ersetzte man mit breiten
Flügeltüren, kurz wo das Beil und der Hammer
nicht zur Entfernung genügten, nahm man
obendrein noch die Farbe zu Hilfe, dank einem
weissen Mörtelbewurfe ging auch die prächtige
Fassadenmalerei verloren. Erst in Landammann
Karl Styger erhielt das Haus wieder einen pietätvollen
Freund alter Bauart, der das Gebliebene
mit Sorgfalt zu wahren gewusst hat.

Fragmentarisch wie das Innere hat sich auch
das Äussere erhalten. Gartenmauern und Tore
sind schon längst verschwunden, die malerischen
Dependenzen an der Strasse durch charakterlose
Neubauten ersetzt und die kunstvolle, meist
sgraffitoartige Freskomalerei an den Giebelfassaden
lässt sich kaum mehr erkennen. Haustüre
und Fenster hatten einst eine reiche Ornamentierung
mit Rankenwerk, Arabesken, Fruchtgirlanden
, Jagdstücken und allerlei anderen
Emblemen erhalten. Auf den Wandflächen
tummelten sich die verschiedensten Figuren,
unter denen ein Totentanzbild noch deutlich
erkennbar ist. Spruchtafeln sollten wohl den
begleitenden Text liefern. Im obersten Giebel
der Gartenseite befanden sich überdies bunt
und al fresco gemalt zwei mächtige Landsknechtgestalten
in Pluderhosen. Alles übrige war
schwarz auf weissem Kalkgrund ausgeführt.
Unbemalt blieben die Ost- und Westfassade.
An der Westseite lag auch das grosse Eingangsportal
mit kunstreich geschnitzten Türflügeln
und reichem Renaissanceornament. Das Reding
-Bruhinsche Allianzwappen des Erbauers
in der Türbekrönung hatte vermutlich farbigen
Dekor. An der Westfassade kommen auch die
um das ganze Gebäude laufenden Sandstein-
Gurtgesimse besonders günstig zum Ausdruck,
sie geben dem etwas schwerfälligen Gebäudeblock
eine wohltuende Breitegliederung. Ebenso
können wir uns die vorteilhafte Wirkung von

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