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echten Steinquadern gegenüber den bemalten
Quaderecken der Südwand deutlich vor Augen
führen. Noch ragen dort und da die wuchtigen
steinernen Stützpfeiler der einstigen Klebdächer
aus der Fassade heraus. Zum Schutze der wertvollen
Malereien waren hier besonders stark
ausladende Dächer notwendig.
Das Ital Redingsche Familienhaus
an der Dorfbachstrasse,
jetzt Herrn H. W. v. Reding gehörend.
(Tafeln 28—38, 89.)
Auf der östlichen Haustüre mit dem gotischen
Eselsrücken steht die Jahreszahl 1609 in Stein
gehauen. Wir dürfen dieses Datum füglich als
das des Erbauungsjahres ansehen. Ob Landammann
Rudolf, der im Dezember 1609 starb
und vermutlich noch im alten Hause dieser
Hofstatt, das Betlehem genannt, gewohnt hat,
den Neubau selbst geleitet oder ob bereits sein
24 jähriger Sohn Ital, der nachher ige Landammann
Ital III., bereits ein eigenes Heim
errichtete, vermögen wir heute nicht mehr zu
entscheiden. Tatsache bleibt, dass die heutigen
Grundmauern jedenfalls auf diese Zeit zurückgehen
und dass der Hof in keiner Beziehung zu
den berühmten historischen Persönlichkeiten
gleichen Vornamens steht, die beiden Itale des
15. Jahrhunderts waren noch in Arth wohnhaft.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Dorfbrand
auch hier schweren Schaden zugefügt
hat, denn wenige Jahre später, am 23. November
1665, berichtet ein Neuner Gerichtsurteil
, dass Oberstwachtmeister und Pannerherr
Heimich Fridolin Reding (1624—98) Besitzer
des „neuen" Hauses an der Italsgasse gewesen
sei. Der heutige Bau stammt im Innenausbau
wirklich eher aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts
. Das farbige Redingsche Wappen am
Giebel des Erkers trägt übrigens auch das Jahr
der Vollendung 1663. Dazu stimmt auch das
Reding-Büelersche Allianzwappen am Büfett in
der Wohnstube, Ital Redings Ehefrau war eine
Barbara Büeler. Es ist aber nicht ausgeschlossen,
dass Landammann Itals Sohn, Statthalter Johann
Rudolf, dessen Gattin ebenfalls eine Büeler war,
die Innenausstattung nach 1651 ausgeführt hat.
Seither verblieb der prächtige Besitz stets bei
der Familie von Reding. Anfänglich gehörte
es der „Gardehauptmann-Familie" an. Nach
dem Tode Meinrad Redings, des ledig verstorbenen
Sohnes des Gardehauptmanns Fidel Reding
, kam das Haus durch Kauf an den Oheim
des Verstorbenen und damit an die Reding
aus dem Immenfeld, deren Nachkomme es
heute noch bewohnt. Der heutige Besitzer liess
1912 eine im Laufe der Jahre notwendig gewordene
und durchaus gelungene Renovation
vornehmen.
Im Ital Reding-Hause besitzen wir wohl
den intaktesten Typus des ländlichen Herrenhauses
aus dem 17. Jahrhundert. Von welcher
Seite wir auch immer das Haus betrachten,
immer birgt der schlanke hohe Bau neue malerische
Perspektiven. Ein ungemein reicher Formenschatz
gewährt dem Beschauer stets neue
künstlerische Eindrücke, zwei stilvolle, einst mit
Rot gestrichenen Schindeln bedeckte Zwiebel-
dachtürmchen, ein von zwei Sandsteinsäulen
getragener Erkeranbau in graugemaltem Holzwerk
, ein durchgehender Kranz von Klebdächern
, Fensterausladungen mit luftigen, im
Rechteck geschnittenen Holzgittern, zierliche
Anbauten in Fachwerk, unregelmässige Fensterverteilung
, kurz eine Abwechslung, wie wir sie
in Schwyz sonst nirgends mehr begegnen. Auch
im Innern hat dieses Kleinod ländlicher Baukunst
würdige Ausstattung erfahren. Bis in
alle Details, wie Türbeschläge, Schließvorrichtungen
, Schrankfächer, Parkettböden, Fensterrahmen
blieb der einstige Zustand aufrechterhalten
. Wir können uns davon am besten
in den Räumen des ersten Stockes überzeugen,
wo die Ausstattung bis auf ein modernes grünes
Kachelkamin intakt geblieben ist.
Die prächtigen Einlegearbeiten der vier ge-
täferten Stuben, die reichen und tiefen Kassettendecken
, die Fussböden mit den zierlichen figürlichen
Intarsien, ein Winterthurer Ofen mit
buntfarbigen Darstellungen aus der Schweizer
Geschichte und elegantem Aufsatz, darin das
Redingwappen sich befindet, ein grüner Kachelofen
mit prächtigen Renaissancekartellen, die
Apostel darstellend, kräftig modellierte Karyatiden
, gehören mit zu dem Schönsten, was
schweizerisches Kunstgewerbe in jener Zeit
hervorgebracht hat. Das Inventar der baulichen
Ornamentik dieses Hauses wäre allein schon
einer eingehenden Studie wert. Fast mittelalterlich
nimmt sich der Gang sowohl im Erdgeschoß,
als auch im ersten Stocke aus. Der warme rote
Ziegelboden hebt sich von den dunkeln Holzumrahmungen
der eingelegten Türen und der
mächtigen eingelassenen Wandschränke mit dem
XXIX
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