http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0032
stark profilierten Gitterwerk besonders vorteilhaft
ab. Im Parterre befand sich ursprünglich
ein einfach vertäfelter Gartensaal, der heute in
Schlafräume umgebaut worden ist und Papiertapeten
erhalten hat. Gleich beim Eingang soll
früher eine Hauskapelle bestanden haben. Im
obersten Stockwerke weisen die Wohnräume
einfachere Formen auf. Aber auch hier ist die
Arbeit noch eine äusserst sorgfältige, sowohl was
die Deckendekoration als auch was Tür- und
Fensterumrahmung betrifft. Wohl der einzige
unverändert gebliebene Treppenaufstieg findet
sich ebenfalls hier; steil, schmal, mit einfachem
Gitterwerk eingefasst, gestattet er nur unbequemen
Zutritt. In charakteristischen Vertretern
findet sich heute noch im Hause ein
reiches ursprüngliches Mobiliar einheimischer
Provenienz. Es bildet eine wertvolle Ergänzung
der Stücke im Besitze der Familie Schuler im
„Grosshaus".
Interessant sind die grüngrau gehaltenen
Wandverkleidungen an Türen und Fenstern der
Ökonomiegebäude, die beliebten Quaderbema-
lungen haben hier eine eigene Interpretation
erhalten. Eine auffallend ähnliche Wiederholung
des Hauseingangs mit dem Erker befand sich
früher an der Westseite des heutigen Hotels
Rössli. Sie fiel einer Restauration in den 1860er
Jahren zum Opfer, während die Zeichnung
davon sich heute noch in der Kydschen Sammlung
erhalten hat. Die Einfassung der Hofstatt
mit verschiedenen Dienstgebäuden und hohen
Mauern fand sich in ähnlicher Architektur im
alten Schwyz noch an verschiedenen Orten.
Die hier erhaltenen drei Portale vertreten gleichsam
die verschiedenen im Lande gebräuchlichen
Torformen der Herrschaftshöfe.
Das v. Redingsche Familienhaus
in der Schmiedgasse,
jetzt den Familien Nazar und Rudolf von
Reding-Biberegg gehörend.
(Tafeln 39—40.)
Der grosse massive Viereckbau mit seiner
offenen Hofanlage in der Mitte wurde von
Hauptmann Rudolf Reding und seiner Gattin
Magdalena Schmid von Uri, wie das Wappen
am alten Portaleingange an der Ostseite besagt,
während der Jahre 1614—17 erbaut. Das Haus
blieb seither stets Eigentum der Familie, und
zwar seit 1715 in geteiltem Besitz einer älteren
und jüngeren Branche. 1783 vereinigte es
Theodor Anton Reding auf kurze Zeit in einer
Hand, mit dessen Erben kam aber wieder der
Doppelbesitz zur Anwendung. Als Stammhaus
der Schmiedgass-Linie alias auch der Reding
von Bibereggschen Linie, die sich seit 1676
nach einer in Biberegg gestifteten Kapelle diesen
Beinamen beigefügt hat, genannt, wurde dasselbe
von einer Reihe hervorragender Persönlichkeiten
dieses Geschlechtes bewohnt. Wir
erinnern nur an die bekannteste unter ihnen,
an Landammann Aloys Reding und seine Brüder,
die Generale Nazar und Theodor. Die „Schmiedgass
", wie das Haus gewöhnlich genannt wird,
hat verschiedene Restaurationsperioden erlebt.
Die früheste uns bekannte datiert aus den 1770er
Jahren, da General Josef Nazar seine im Erd-
geschoss gelegene Wohnung mit reichen Stukkaturen
und wertvollen Damasttapeten ausstatten
Hess. 1799 wurde das Innere des Hauses, Wände,
Täfer und Möbel von den Franzosen fast vollständig
vernichtet. Erhalten haben sich aus
der vorhergehenden Periode nur einige Stukkaturen
im zweiten Stock und ein getäfertes
Wohnzimmer des ersten Stockes, dessen wasserblauer
Anstrich mit der leichten Blumenorna-
mentation erst vor wenigen Jahren verändert
worden ist. Zahlreiche Restaurationsarbeiten
wurden unter Oberst Rudolf von Reding in
den Jahren 1890—1912 ausgeführt. Bei Anlass
der Arbeiten in den Gängen kam auch das ursprüngliche
Gangbild wieder zum Vorschein.
Darnach hatte die Decke in alter Zeit keinen
Gipsüberzug, sondern es bildete die blosse
Balkenlage den Abschluss. Auch hier bewährt
sich der Kontrast der Farben: roter Ziegelboden
, weisse Wände, naturfarbene Decke. Dieser
Anblick gewann überdies noch durch die hübschen
Sandsteineinfassungen der Türen, über
deren Sturz eine grauschwarz, stark linear gemalte
Bordüre mit dem kräftig gezeichneten
Redingwappen besonders günstig wirkte. Die
steilen Treppenanlagen sind für Schwyz charakteristisch
. Im südöstlichen Empfangszimmer
befindet sich der zum schwyzerischen Herrschaftshause
fast unerlässlich gehörende Hausaltar
, schrankartig in die Wand eingemauert.
Moderner Herkunft sind der hübsche Kreuzgang
das ersten Stockes, die zierlichen Täfer-
bemalungen verschiedener Wohnräume, der ge-
täferte Speisesaal, wie das bemalte Fachwerk im
Lichthofe, der Erker- und Terrassenanbau mit
dem Gartensaal, die Gartenabschlüsse und die
xxx
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0032