Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XXXII
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0034
Erbauungsdatum wohl ziemlich nahe kommen.
Nach seinem im Jahre 1662 erfolgten Tode
erscheint der Hof im Besitz der Betschart.
An Stelle des ursprünglichen reichen Bauernhauses
Hess der neue Besitzer, der spätere Landammann
Johann Dominik Betschart, in erster
Ehe mit Elisabetha Kyd, in zweiter mit Eva
Reding verehelicht, einen ersten vornehmeren
Umbau ausführen, bei dem die heutige Renaissancestube
erweitert und der Laubenbau
mit den beiden Westgiebeln dem Hause angegliedert
wurde. Aus dieser Restaurationsperiode
stammen auch die Umfriedungsmauern, die ob
den Portalen vorn die Jahreszahlen 1676, hinten
1678 tragen. 1687 erbaute derselbe Besitzer
infolge eines Gelübdes seiner 1681 verstorbenen
Ehefrau Elisabeth Kyd eine dem heil.
Antonius geweihte Kapelle. Die ungemein reichen
Barockstukkaturen dieses Gotteshauses
stammen von derselben Hand, die auch die
prächtige Wappenkartusche am Erkereingange
ausgeführt hat. Eine letzte dritte Umbaute
und Verschönerung nahm Landammann Johann
Dominik 1710 vor, als er dem bisherigen Wohnbau
den sogenannten Steinflügel beifügte. Seither
ist das Gebäude bis in die neueste Zeit
unberührt geblieben. 1830 kam der reizend
gelegene Hof durch Kauf in den Besitz der
Familie von Reding, deren Erbin Frau Maria
Reichlin, geborene von Reding, er heute noch
angehört. Eine gründliche und sehr vorteilhaft
durchgeführte Restauration des arg verfallenen
Sitzes wurde unter der Leitung von Herrn
Architekt P. Siegwart in den Jahren 1908—1912
ausgeführt.

Im Äussern hat sich mit der Restauration
notgedrungen die eine oder andere Kleinigkeit
verändern müssen. Immerhin präsentiert sich
das Wohnhaus mit seinen Klebdächern, den
luftigen Giebeln und dem buntwirkenden Fachwerk
auch so noch annähernd in seinem ursprünglichen
Aussehen. Fenster und Türverteilung
wurden belassen, die Bedachung hat
ebenfalls keine Veränderungen erfahren, einzig
in der Bemalung musste eine neue Musterung
vorgenommen werden. Aber auch diese gibt
ein altes Schwyzer Muster aus dem Wendelin
Inderbitzinschen Hause in Ibach wieder. Gerade
in der Unregelmässigkeit des Aufbaues liegt der
Reiz dieser ländlichen Idylle, der wir nur noch
wünschen möchten, dass auch Hof und Garten
eine verständnisvolle Rekonstruktion erhalten
würden. Die alten Buchseinrahmungen stehen

zum Teil noch da, wilde Rosen und die Blumen
der alten Zeit dürfen hier nicht fehlen. Der
sinnreiche Spruch im Bogen des Einfahrtstores
ladet uns ein zum Besuche dieses sageumwebten
Sitzes: Porta patens esto, nulli claudaris honesto.

An Stelle des ursprünglichen Hauseingangs,
der sich an der Dorfseite befand und bei Anlass
der Erweiterung der Renaissancestube verlegt
wurde, bildete bis in die neueste Zeit die Haustüre
im Erkeranbau den üblichen Zugang. Seit
der Restauration scheint der Diensteingang auf
der Westseite zu Ehren gelangt zu sein. Für
die Aussendekoration gefällt uns das Erkerportal
am besten, für den ersten Eindruck nach
innen ziehen wir die kleinere Türe vor. Ein
Blick in den etwas niederen, durch geschickt
eingefügte Treppen-Galerien intim gestalteten
Gang genügt, um sich von dem sehr persönlichen
Charakter dieses Wohnhauses zu überzeugen
. Die frühere Treppe befand sich neben
dem Haupteingange, Spuren an der Wand kennzeichnen
noch die Stelle.

Nicht wenig zu dieser Intimität trägt die
naturfarbene Balkendecke, der rote Ziegelboden
und der teilweise recht originelle grüngelbe
Blumendekor an den Wänden bei. Sämtliche
Räume im ersten Stock sind vertäfelt und besitzen
Kassettendecken von verschiedener Musterung
; die reichste Ausgestaltung hat aber gewiss
die grosse Renaissancestube in der südwestlichen
Ecke des Hauses erhalten. Bei Anlass der Umbauten
in den 1670er Jahren fügte man dem
ursprünglich kleineren Saale einen Annex bei,
der heute von der ersten Ausführung in Holz
und Technik sich ziemlich deutlich abhebt. Das
bildhauerisch sehr sorgfältige Renaissancebüfett
macht seinem Tischler alle Ehre. Es stammt
offenbar aus dem Erbauungsjahr 1637, während
der als Wandschmuck dem Büfett angefügte,
kunstvoll eingelegte Nussbaumschrank bereits im
Barockgeschmacke ausgearbeitet wurde. Ein
kleiner darin eingebauter Hausaltar ersetzte dem
frommen Geschlechte in früher Zeit die erst
später gebaute Privatkapelle. Die gegenwärtige
Vertäfelung ist zum Teil neu, sie wurde der
ursprünglichen peinlich genau nachgebildet. Eine
breite, ebenfalls eingebaute Sitzbank mit hohen
Seitenlehnen und überragenden Wandschränken
dürfte die einzige noch erhaltene derartige Bestuhlung
sein. Rings um das ganze Zimmer
laufen Wandbänke, deren Sitze einstens zum
Teil mit Leder gepolstert waren und deren
Untersätze als Kasten dienten. In der west-

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