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liehen Zimmerecke hängt als einziger Wandschmuck
eine wertvolle Kreuzigungsgruppe, wie
wir sie auch in sehr ähnlicher Technik im Ital
Redingschen Hause wiederfinden. Alle bessere
Schnitzarbeit, die in diesem Räume besonders
weichen und fügsamen Charakter anzunehmen
scheint, wurde in Lindenholz verfertigt. Im
zweiten Stock befinden sich ebenfalls teilweise
kassettiert die Schlafräume und der grosse durchgehende
Steinsaal. Der warme Holzton dieser
Gemächer, von denen eines noch den altmodischen
Betteinbau von gleichem Holz besitzt,
verleiht dem ganzen Stocke ein ungemein freundliches
Aussehen.
Im Steinsaale entfaltete Betschart den behaglichen
Prunk der Zeit. Die dort befindlichen
Stuckornamente stellen im Vergleich zu den
schweren Stukkaturen der Kapelle und des Eingangs
bereits eine viel graziösere Dekoration
dar. Der Raum sollte als Esszimmer dienen,
rings an der Decke, über Türen und Fenstern
spielen allerhand Allegorien auf die Freuden des
Tafeins an. Schilf- und Eichenlaubkränze von
reichster Modellierung umrahmen die einzelnen
Bilder, einzig die grosse Wappenkartusche auf
dem Manteldache des mächtigen Kamins verfällt
wieder in eine schwere Barockauffassung.
Sie enthält das Allianzwappen Betschart und
Reding, der Restaurator hatte in zweiter Ehe
Eva Reding geehelicht. Kamine mit Manteldach
finden sich in Schwyz, ganz nur noch im
Nideröstschen Hause am Ütenbach, in Fragmenten
im Schornohause im Dorfbach, sie
dienten in erster Linie dem Räume zur Zierde.
Eine Eigentümlichkeit, die den schwyzerischen
Saalbauten vielfach anhaftet, sind die verhältnismässig
kleinen und schmalen Türen. Wir empfinden
diese architektonische Eigenheit aber
keineswegs als einen Mangel ästhetischen Fühlens
, im Gegenteil, im Räume gesehen, werden
wir uns deutlich bewusst, dass durch ein diskretes
Anbringen solcher Türen die Geschlossenheit
der Raumkomposition nur noch deutlicher zum
Ausdruck kommt. Von den zahllosen kleinen,
aber liebevoll ausgedachten Details führen wir
keine besonders an; es genügt darauf hinzuweisen
, dass gerade sie nicht zum wenigsten zur
Poesie dieses Baues beigetragen haben.
Das Fassbindsche Stammhaus
im Grund, heute Abeggscher Besitz.
(Tafel 52.)
Das Wohngebäude samt den zum Hofe gehörenden
Nebengebäuden wurde von Zeugherr
Jörg Fassbind bereits um 1640 errichtet.
In den 1830er Jahren gingen sämtliche Gebäu-
lichkeiten an Hauptmann Josef Anton Schilter
und dann an dessen Tochtermann Meinrad
Abegg und dessen Nachkommen über, die heute
noch daselbst wohnhaft sind.
Aus einem stattlichen Bauernhause entstanden
, weisen die Räume nur geringes architektonisches
Interesse auf. Beachtung verdient eine
früher gegen die Laube hin geöffnete „Sommerstube
" im obersten Stockwerke. Der heute sehr
verwahrloste Raum dürfte mit seiner luftigen
Bemalung, die in der Hauptsache Putten, mit
militärischen Übungen beschäftigt, darstellt, wie
mit seinem freiliegenden Fachwerk einstens
wirklich sehr sommerliches Aussehen besessen
haben. Die „Sommerstube" besitzt in Schwyz
keine Vergleichsobjekte, sie scheint dem persönlichen
Bedürfnis ihres Erbauers entsprochen
zu haben. Eine zierliche Laube, ein stattlicher
Stall, wie auch die eigentümlichen Formen in
der Giebelbildung des heutigen Schützengartens,
der ebenfalls zu dieser Häusergruppe gehört,
seien nebenbei mit erwähnt.
Das Rathaus.
(Tafeln 3, 53—54-)
Das heutige Rathaus wurde 1590 bis 1595
unter der Leitung eines Zürchers errichtet,
brannte bei Anlass des Dorf brandes 1642 vollständig
aus und wurde noch im selben Jahre
von Zimmermeister Melchior Katzrauw aus dem
Bregenzerwald wieder neu hergestellt. 1728 erfolgte
die erste grössere Innenrenovation unter
der Leitung des kunstsinnigen Hauptmanns Jost
Rudolf v. Nideröst. Seine heutige Gestalt mit
dem Mansardendach verdankt das Gebäude erst
einer zweiten Restauration im Jahre 1777. Bei
Anlass der eidgenössischen Bundesfeier 1891
fand sodann die letzte durchgreifende Renovation
statt. Die alte Treppe mit dem malerischen
Vordache wurde durch eine neue Steintreppe
ersetzt, die schwach profilierten Fassaden bekamen
an der Nord- und Westseite reiche
Freskomalereien, in denen Kunstmaler Ferdinand
Wagner aus München Szenen aus der vater-
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