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ländischen Geschichte künstlerisch verherrlicht
hat. Bei diesem Anlass hat die Regierung auch
für eine sachverständige Auffrischung der wertvollen
Täferwerke in den beiden Ratssälen gesorgt
. Früher begangene Vandalismen Hessen
sich freilich leider nicht mehr gut machen, die
kunstvollen Leuchter und Öfen, wie die prächtigen
Glasgemälde, die eine frühere Regierung
entfernt hatte, konnten nicht mehr zur Stelle
geschafft werden.
In der inneren Einteilung sind die ursprünglichen
Verhältnisse ziemlich beibehalten worden.
Im ersten Stock lag die öffentliche „Tanzdiele"
mit mächtigen nussbaumenen Stützpfeilern von
besonders starker und originell gebauchter Leibung
. Heute dient der Raum verschiedenen
Bureaulokalitäten. Im zweiten Stock befinden
sich eine geräumige Halle, wie die grosse und
kleine Ratsstube, im dritten baute man in
neuerer Zeit das „Regierungsratszimmer" und
verschiedene Kanzleiräumlichkeiten ein. Von
der ehemaligen Ausstattung sind nur noch die
beiden Ratszimmer im zweiten Stock erhalten
geblieben. Eine steinerne Treppe mit gotischen
Bogenrippen und heraldischen Schlußsteinen in
den Kehrgängen verbindet die einzelnen Stockwerke
. Zur Innenausschmückung hatte man
einstens nicht nur die besten Holzarten, sondern
auch die besten Kunsthandwerker verwendet.
Esche, Ahorn, schwarze Erlen, Eichen, Schwarzeichen
, Nuss- und Buchsbäume bilden das gewöhnliche
Material zu den wertvollen Intarsien.
Es kamen aber ausserdem noch wertvolle in
Schwyz nicht vorhandene Fournierhölzer zur
Verwendung. Die Staatsrechnungen liefern für
die Baugeschichte dieser Räume allerlei interessante
Belege. Ein einheimischer Meister Lien-
hard Dobler mit seinem Sohne hat in den
vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts diese
äusserst sorgfältige und kunstvolle Arbeit ohne
jede fremde Hilfe ausgeführt. Ganz besonders
der kleinere Gerichtssaal mit seiner einzig
schönen Decke verdient die Beachtung aller
Freunde von alter Holzarbeit. Nicht nur zeigen
die gelungenen Proportionen der Kassetten im
Gegensatz zu anderen Decken, wie bei einer
richtigen Schnittiefe die Lichteffekte viel günstiger
wirken, auch sonst weist der ganze Raum
mit seinen ruhigen Linien sehr schöne Flächenverteilungen
auf, die hauptsächlich durch geschickte
Abwechslung in hellen und dunklen
Holzarten zustande gekommen sind. Ein elegant
geschnitztes Barockmobiliar mit reichverziertem
Präsidentenstuhl passt sich recht günstig den
ziemlich ausgeprägten Renaissanceformen des
Getäfers an. Sie stammen aus der Hand eines
„Bildhauers von Zug". Vornehm einfach präsentiert
sich daneben der grosse Ratssaal. Das
ehemalige Brusttäferwerk hat, nachdem das
reiche Gesimse kurzerhand weggeschafft worden
war, in seinen oberen Teilen einer Porträtsammlung
der schwyzerischen Landeshäupter
weichen müssen. Die seit 1543 lückenlose
Bilderfolge wirkt in ihren schmalen Leistenrahmen
architektonisch, sie schliesst den für
seine Grösse etwas zu niedrigen Saal friesartig
ab. Ein selten langes Reihenfenster mit doppelter
Pfeilerstellung an der Ostwand beleuchtet die
ganze Kollektion aufs beste. An der Decke aus
Föhrenholz, die durch einen mächtigen Querbalken
geteilt wird, haben die Quader zierlich
geschnitzte und vergoldete Seerosen als Mittelstücke
erhalten, im übrigen sind die Verzierungen
wie das Mobiliar neueren Ursprungs.
Das erprobte schwyzerische Kunsthandwerk hat
wohl im Rathause sein Bestes gegeben, in einfacher
wie in reicher Ausstattung sind die
Leistungen in beiden Ratsräumen gleich vorzüglich
.
Der ehemalige öffentliche Backofen,
heute Herrn Messmer gehörend.
(Tafel 13.)
Das hohe, schlanke Giebelhaus stammt
wahrscheinlich aus den 1640er Jahren. Sein
Äusseres hat sich durch wiederholte Renovationen
1720, 1794 und in neuester Zeit vielfach
verändert. Im Innern jedoch lässt sich die frühere
Konstruktion dort und da noch deutlich erkennen
, besonders in der alten Treppenanlage.
Von dem ehemaligen Ofenaufbau ist allerdings
nichts mehr zu sehen. Wenn wir das Haus
speziell anführen, so geschieht dies um der wertvollen
Überreste eines getäferten Zimmers willen.
Das einfache, aber geschmackvolle Büfett in
der Wohnstube, die wohl zu den besten Innenarchitekturen
der Urschweiz gehörte, dürfte
noch der ersten Periode der Intarsiatechnik
angehören, bei der der bildhauerische Schmuck
die Einlegearbeit des Tischlers überwog. Mit
seinen schrägen Einbauten, den kräftig geschnitzten
Säulen und dem zierlichen Blattwerk
bildet das Büfett eine in seiner Art einzig
dastehende Lösung dieses einst so beliebten
Wandschmucks. Das dazu gehörige Getäfer
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