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soll vor etlichen Jahrzehnten nach dem Rütli-
haus verbracht worden sein. Eine zugleich als
Ruhebett benutzbare „Kutsche" hat ebenfalls
in neuerer Zeit einen auswärtigen Liebhaber
gefunden.
Das ehemalige Murersche,
heute Rickenbachsche Wohnhaus
auf dem Hauptplatz.
(Tafeln 55—57.)
Wie alle Gebäude auf dem Hauptplatze
wurde der Bau kurz nach dem denkwürdigen
Dorf brande von 1642 vermutlich von der Familie
Murer errichtet. 1719 erscheint als Besitzer
Obervogt Josef Dietrich Reding, der auch bedeutende
Restaurationen am Hause vorgenommen
haben soll. Von ungefähr 1770 an wohnte dort
als Eigentümer Statthalter Augustin Auf der
Maur, der das stattliche Haus durch seine Frau
Marianne Reding (f 1762) erhalten hatte. Um
1800 erwarben es die Jütz, die es um 1866 an
die Rickenbach käuflich abtraten. Seither blieb
das Haus in diesem Besitze.
Das Gebäude, eine typische Baute des Dorfplatzes
, besass wie seine übrigen Nachbarhäuser
nebst einfach getäferten, später zum Teile
übermalten Zimmern, auch eine gut erhaltene
Renaissancestube, die erst vor wenigen Jahren
an das kantonale Gewerbemuseum in St. Gallen
verkauft worden ist. Die schlichte Einlegearbeit,
in warmen naturfarbenen Holzarten ausgeführt,
verwendet in der Komposition ungemein ruhige
und kräftige Ornamente. Die mehrfachen Gurtungen
in Kerbschnitzereien, die sich zum Teil
geschickt wiederholen, erhöhen die Wirkung
des Raumes, wie auch die einfache, sehr tief
gebaute Kassettendecke viel zur Schönheit dieses
Zimmers beiträgt.
In seinem Äusseren fällt das auf quadratischem
Grundriss erbaute Haus durch die klare
Fensterdisposition, die markante Liseneneinfas-
sung und den etwas gezierten Eingang auf. Das
Dach wurde, wie bei allen auf dem Platz stehenden
Gebäuden, nicht allzu stark ausgeladen. Im
obersten Giebelfelde findet sich nach der Strassen-
seite hin eine lebensgrosse Figur des hl. Franz
Xaver, wohl des Schutzpatrons eines Restaurators
.
Ähnliche Proportionen weist auch der danebenstehende
und als Doppelhaus gedachte
Wohnbau der Familie Castell auf. Leider verunstalten
heute die grossen Ladenfensteröffnungen
und geschmacklose Firmenaufmalungen den
bodenständigen Eindruck dieser beiden an sich
guten Baumuster.
Das ehemals Schiltersche,
jetzt Dussersche Wohnhaus
auf der Metzghofstatt.
Nachdem der grosse Dorfbrand 1642 das
ursprüngliche von Balz Schilter 1598 erbaute
Wohnhaus zum Teil zerstört hatte, erstand noch
im selben Jahre aus den alten Mauern das
heutige Gebäude. Für die Familie Schilter, die
bis 1684 darin wohnte, bestimmt, gelangte das
Haus später durch Heirat der Witwe des Kastenvogt
Johann Lienhard (f 1684) mit Landvogt
Josef Martin Gasser an die Familie des letzteren.
1851 wurde das Haus von Herrn Major Dusser
von der Gasserschen Familie käuflich erworben
und blieb fortab Eigentum der genannten Familie
. Das Haus besitzt auch ein historisches
Interesse, weil verschiedene Versammlungen zur
Besprechung des Sonderbundfeldzuges darin
stattgefunden haben.
Die einfache, aber typische Architektur dieser
wohlproportionierten Dorfbaute verdient einige
Beachtung, selbst wenn auch die jetzige Fassade
nach einer 1884 von Architekt Meyerhofer von
Zürich durchgeführten Restauration nicht mehr
das ursprüngliche Bild wiedergibt. Von einigen
Zementverzierungen abgesehen, hat sich übrigens
das frühere Gesamtbild nicht viel verändert, die
sorgfältige Fensterverteilung, der hübsche Hauseingang
, die elegant ausladenden Korbgitter
charakterisieren unseren Bau nach aussen noch
heute recht vorteilhaft, während im Innern im
Laufe der Zeiten die Erinnerungen an frühere
Perioden ziemlich verloren gegangen sind und
sich nur noch die Raumdispositionen erhalten
haben.
Die ehemals Heller" u. Kydschen Häuser
am Hauptplatz,
heute Th. Schuler und I. v. Reding gehörend.
(Tafeln 3 u. 87, 88.)
Von sämtlichen Neubauten des Jahres 1643,
die heute noch den Hauptplatz zieren, haben
die beiden Gebäude an der Ostseite des Platzes
noch am meisten ihren ursprünglichen Charakter
beibehalten. Leider hat allerdings auch hier
noch vor wenigen Jahren eine Restauration die
freundliche, glatte Besenwurfwand beiseite ge-
xxxv
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