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dernisierung vollständig zum Opfer fiel. Speziell
die Ostfassade büsste ihren originellen Erkeranbau
ein. Auch von der einstigen eleganten
Ausstattung im Innern finden sich nur spärliche
Überreste. Eine reiche figürliche Rokoko-
bemalung, wie eine sehr kunstvolle Intarsiavertäfelung
des 18. Jahrhunderts, die sich einzig
noch in einem Wandschrank erhalten hat (vgl.
Haus Steiner im unteren Feldli), mussten Neueinrichtungen
Platz machen. Nur die östliche
Haustüre hat ihr altes Aussehen behalten,
während die ehemaligen Säulen des Erkers heute
als Stützen des Schutzdaches eines hübschen
Hofbrunnens gute Dienste leisten. Ein im
Besitze der Familie sich befindendes altes Ölgemälde
gibt das ursprüngliche Bild sehr genau
wieder, die ehemaligen Bauformen sind für die
lokale Baugeschichte interessant genug, um an
dieser Stelle veröffentlicht zu werden.
Das ehemals v. Redingsche,
heute Steinersche Haus
im unteren Feldli.
(Tafel 85.)
Das Haus wurde vermutlich vom Sohne
des Erbauers des Ital Reding - Hauses, Wolf
Dietrich Reding, um 1700 errichtet. Sein Sohn
Heinrich Anton hat es wiederum seinem Bruder
Oberstleutnant Wolfgang Rudolf Reding von
Biberegg abgetreten. 1754 geht das Haus durch
Kauf an Landeshauptmann Anton Ab-Yberg
über. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird
Dr. Steinegger durch seine Frau, eine Ab-Yberg,
Besitzer der Liegenschaft. 1853 folgen ihm die
Büeler im Besitze und auf sie seit 1881 Architekt
Clemens Steiner.
Das äussere Aussehen mit dem hübschen,
stark ausladenden Vordach würde eher auf eine
bescheidene Innenausstattung schliessen lassen.
Kleine und niedere Proportionen der Räume
verraten sich schon von aussen, und doch haben
es die einstigen Besitzer nicht gescheut, ihre
Wohnung mit wertvollen Intarsien, mit einer
Hauskapelle und allen zeitgenössischen Annehmlichkeiten
zu versehen. In der heutigen Wohnstube
finden wir leider nur mehr fragmentarisch
ein äusserst wertvolles glattes Intarsiagetäfer,
das sich in ähnlicher Art ebenfalls in einem
Bruchstück nur noch im nahen Redingschen
Feldli erhalten hat. Nussbaum- und Ahornholz,
vom letzteren speziell die Wurzelstücke, wurden
in ihren hübschesten Maserungen sorgfältig zu-
sammengepasst. Leichte Louis XIV.-Riemenmuster
in mehr geometrischen Kombinationen
in dunkleren Holzarten bildeten meist den
Dekor. Schwarze, schwach gerippte Einfassungen
, mit dem „Springhobel" hergestellt,
fassten die einzelnen Architekturteile ein. Der
Eindruck eines solchen Raumes muss etwas
ungemein Warmes und Vornehmes gehabt haben.
Die Wände waren gleichsam nur als Ziermöbel
gedacht, Schäfte, Schreibpulte, Eckgarnituren
hatte man völlig in die Wand eingelassen und
die glatte, nur mit Stabwerk verzierte Decke
trug wesentlich zu einer behaglichen Wirkung
bei. Zu äusserst an der westlichen Fassadenecke
im ersten Stock lag die kleine Hauskapelle,
heute nur mehr aus dem Deckengemälde und
einigen Altarüberresten mit dem Reding-Schorno-
schen Wappen erkennbar.
Das ehemalige Cehergsche Stammhaus
im oberen Feldli, heute P. Kündig gehörend.
(Tafeln 59—63.)
Der heutige Bau aus der Wende des 17. Jahrhunderts
verdankt sein Entstehen Statthalter
Ignaz Anton Ceberg - Reding, sein Allianzwappen
über dem Haupteingange bestätigt es
uns. Vermutlich befand sich schon früher ein
Haus an selber Stelle, da der Hof sich schon
bereits seit dem 15. Jahrhundert im Besitze
der Familie Ceberg befand. Seither verblieb
der Sitz bei der Familie bis zum Jahre 1808,
da Landammann Meinrad Schuler die Besitzung
um 25 000 gl. erwarb. Beim Ableben M. Schulers
kam die Besitzung durch Erbschaft an Landammann
Dominik Kündig, dessen gleichnamige
Erben heute noch den charaktervollen Bau bewohnen
.
Im Gegensatz zu anderen Schwyzerbauten
fällt das Gebäude schon nach aussen durch eine
etwas fremdländische, vielleicht südliche Bauweise
auf. Die freie Lage bietet eine völlig
dominierende Aussicht. Von der zum Teil erhaltenen
Gartenanlage überblicken wir die meisten
Herrschaftshäuser des Talbodens. Malerisch umrahmen
die luftigen alten „Schattenhäuschen"
das ganze Bild. Ursprünglich waren es deren
vier, zwei mannshohe Zinnenmauern liefen von
der Eingangstreppe mit dem zierlichen Gittertore
bis zur Haustüre, heute stehen an ihrer
Stelle üppige Buchswände, die eine ebenso geschickte
Perspektive bilden. Ein festgefügtes
Mauerviereck ohne jeden dekorativen Ausbau,
XXXVII
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