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bedurfte das Haus ornamentaler Werte, die
bisher in Schwyz wenig gebräuchlich waren.
Eine reiche architektonische Sgraffitobemalung,
die sich nur auf Fenstereinrahmungen und
Lisenen beschränkte, gehört, nach den spärlichen
Überresten zu urteilen, mit zum Besten,
das in Schwyz an derartiger Ornamentation
geleistet worden ist. Eigenartig wirkt auch
das Dach mit dem verjüngten und ganz eingebauten
Mansardenstocke. Wir begegnen ähnlichen
Formen noch in Schwyzer Bauernhäusern,
doch fällt es schwer, zu entscheiden, ob der
vorliegende Typus einem fremden Modelle entnommen
oder ob letztere nach dem Ceberg-
hause kopiert wurden. Auch im Innern trug
der Bauherr mehr südlichen Bedürfnissen Rücksicht
. Schon die Treppen sind viel freier angelegt
, statt des üblichen Kehrganges wurde die
Decke durchbrochen und an der Decke des
zweiten Stockes prangt ein reiches Ceberg-
wappen in Stuckausführung. Die Treppe nach
dem zweiten Stock geht vom Rückgebäude aus.
Eine doppelte Bogenstellung mit kleiner Galerie
im Gange des ersten Stockes gehören mit zu
den Charakteristika dieses Baues. Üppige Barockkartuschen
über den Türen mit Putten,
Muscheln und Fruchtkränzen erinnern stark
an die Arbeit in der Immenfeldkapelle. Die
frühere Raumeinteilung haben auch die späteren
Besitzer eingehalten, verändert hat sich nur die
Innenausstattung, indem kein Zimmer mehr
das einstige Aussehen trägt. Manches alte
Detail wie Türbeschläge, Türklopfer u. dgl.
lassen vermuten, dass einstens ein kunstsinniges
Geschlecht hier gehaust hat.
Das ehemals v. Nideröstsche,
heute Agostinische Haus
am Ütenbach (Villa Jütz).
(Tafel 64.)
Als Erbauer gilt der in kaiserlichen Diensten
zu Ansehen gelangte General Franz Leodegar
v. Nideröst. Die Bauzeit fällt um das Jahr
1700. Nach der Familie Nideröst kam der umfangreiche
Hof um 1755 in den Besitz der Jütz,
die denselben durch vier Generationen bis zum
Jahre 1881 innehatten. Vorübergehend besassen
den Sitz sodann Gemeindeschreiber Triner,
Kommandant Adelrich Benziger und Fräulein
A. Frey. Heute wird der immer noch sehr
herrschaftliche Hof von der Familie Agostini
bewohnt.
Das Haus zeichnet sich durch seine freie,
den Talgrund sehr vorteilhaft dominierende
Anlage aus, mehrfache Terrassen gestatteten
den einstigen Bewohnern herrliche Aussicht
und angenehmen Aufenthalt. Heute hat das
Äussere sich vollständig und sehr unvorteilhaft
verändert. Die geschmackvollen Ökonomiegebäude
mit den vielen Türmchen und Giebeln
und der mächtigen Umfassungsmauer sind verschwunden
, kahle Rasenflächen sind an ihre
Stelle getreten. Eine Feuersbrunst 1903 hat das
Zerstörungswerk vollendet. Am Hauseingange
mit dem kleinen luftigen Balkon erinnern zwei
reiche Jützsche Wappenkartuschen an die früheren
Hausherren. Ein stark abgeschrägtes, nach
allen Seiten gleichmässig abfallendes Dach mit
länglichen Dachfensteröffnungen krönt den einst
mit Lisenen eingefassten Steinbau. An den
Fassaden wirken die originellen kleinen Fensteröffnungen
unter dem Dache recht günstig, sie
finden sich in Schwyz noch mehrfach, z. B. am
Castellschen Hause auf dem Hauptplatz. Der
ursprüngliche Eingang lag nach Süden, eine
steinerne Ballustradenanlage führte zur typischen
Korbbogentüre. Von der Mitte des zweiten
Stockes winkte weithin der auf schweren Steindoggen
ruhende schmiedeiserne Balkon. Die
hier zur Verwendung gelangte Dachform war
früher in Schwyz ebenfalls sehr gebräuchlich,
erst die spätere Zeit suchte den Giebelscheitel
nach französischer Manier höherzulegen. Von
der ursprünglichen Innenausstattung haben sich
nur noch der grosse Saal, der Treppenbau mit
den Korridoren und einige Stukkaturen erhalten
. Im Gegensatz zu den übrigen einheimischen
Saalbauten entbehrt dieser Raum aller
Stuckdekoration, Decke und Wände, wie eine
einfache Holzgalerie an der Innenwand wurden
mit perspektivischer Theatermalerei geschmückt.
Das massive Sandsteinkamin hat ebenfalls nur
farbigen Anstrich erhalten, es trägt das Nideröst-
Kydsche Allianzwappen. Aus neuester Zeit
stammen die heraldischen Füllungen an der
Decke, nachdem die allegorischen Bilder von
der früheren Besitzerin in unverständiger Weise
entfernt worden waren. Hübsche Gipsornamentik
enthält ein Kamin im nördlichen Eckzimmer
des ersten Stockes, während der Ziegelboden
im selben Gange sich durch seine stroh-
geflechtartige Zeichnung auszeichnet. Noch besitzen
einige Räume altmodische Tapeten aus
den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts und
sorgfältig gemalte Supraporten, die die ver-
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