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dauern, weil General Kyd von den Zeitgenossen
als ein kunstliebender Hausbesitzer geschildert
wird. Das Gebäude wurde 1876 einer Aussen-
restauration unterzogen, bei der die ehemalige
glatte Fassade eine überladene unvorteilhafte
Stuckornamentation erhalten hat. Ebenso gibt
das neue Gartenhaus die heimelige Vorlage nur
schwach wieder.
Das ehemals Bellmontsche,
heute Kündigsche Wohnhaus
in der unteren Sagenmatt.
(Vignette, Tafeln 69—73, 84, 89.)
Die Liegenschaft mit dem alten Hause
wurde am 11. August 1612 von Bartolome und
Johannes Riget an Landammann Jost Schilter,
der den Sitz an seinen Sohn Balthasar zedierte,
verkauft. Nach dessen Tod veräusserte Landammann
Schilter den Hof am 10. April 1623
an Hauptmann Josef Dietschis sei. Witwe Anna
Schreiber. Von ihr gelangte er in den Besitz
der Bellmont und durch Heirat der Witwe des
1739 verstorbenen Landessäckelmeisters Johann
Walter Bellmont, Elisabeth Dorothea Reding
mit Landammann Nazar Ignaz Ceberg an die
Ceberg. Erster er war wohl der Erbauer des
neuen stattlichen Wohnhauses, während letzterer,
ein kunstverständiger Herr, der seine Ausbildung
in Frankreich genossen hatte, sich mehr um die
künstlerische Ausstattung verdient gemacht hat.
Die Restauration fällt in die 1760er Jahre. Eine
schwer entzifferbare Legende des Spruchbandes
in der Bekrönung der Haustüre, wie auch die
Wappen der Erbauer Bellmont-Reding geben
uns hierüber genauen Aufschluss: I.W. Bellmont
Caps. Elisa Do. Reding, Nazar Ceberg Land.
Nach dem Tode der Ehegatten Ceberg war
Landammann Karl Dominik Reding Besitzer.
Um 1798 verkaufte er die Sagenmatt um 26 000 gl.
schwyzer Währung an Dr. Josef Dominik Kündig
. Seither blieb die Sagenmatt im Besitze
dieser Familie.
Die Anlage des Sitzes zeichnet sich durch
äusserst günstige Verhältnisse aus, wie auch der
Grundriss des Hauses mit zu den sorgfältigst
durchgearbeiteten der Ortschaft gehört. Heute
vermag der vornehme Bau nur mehr ungenügend
den früheren Eindruck wiederzugeben.
Ein in Fischgratmusterung gepflasterter Zufahrtsweg
führt in gerader Linie nach dem Eingange
, früher sollen zu beiden Seiten lange
Buchshecken und eine kleine Pappelallee gestanden
haben. Zierliche Gitter mit Steinwerk,
wahre Meisterarbeiten, schliessen den Eingangshof
zu beiden Seiten des Hauses und nach der
Wiese hin ab. Ein Seitentor führte ehemals
direkt nach dem Dorfe. Das Wohngebäude
selbst erhielt eine reiche architektonische Fres-
kenbemalung. In seiner roten Backsteinfarbe
hebt es sich ungemein vorteilhaft vom frischen
Grün des Umgeländes ab. Langgezogene Wand-
panneaux geben im reinen Louis XVI.-Ge-
schmack Embleme des Ackerbaues, des Gartenbaues
und des Weinbaues wieder. Ebenso stilrein
sind die gelben Sandstein imitierenden
Fenstereinfassungen mit den hübschen Balustradenmustern
im ersten Stock, wie die reichen
Festons am Dache ausgeführt. Zwischen diesen
gelbbraun gehaltenen Farbzeichnungen der Dekoration
hat der Künstler rote Ziegelsteinimitation
angebracht; um ihre Wirkung zu
erhöhen, umzog er die Fugen der Ziegelrechtecke
mit einer hellen Einfassungslinie. Reiche
Ornamentik, merkwürdigerweise nicht immer
in symmetrischer Ordnung, findet sich ebenfalls
an den Dachgiebelbauten. Selten schöne Proportionen
besitzen die typischen- Mansarden-
Öffnungen. Die ursprünglich spangrüne Bemalung
der Fensterladen kann man noch deutlich
an den Dachfenstern sehen. Im hübschen,
ganz französisch angelegten Garten hat sich die
ursprüngliche Anlage ziemlich intakt erhalten,
besonders reizvoll ist der Abschluss mit dem
eleganten schmiedeisernen Gartentor.
Im Innern des Hauses, das im Gegensatz
zur Aussenseite bis auf den Gartensaal recht
gut erhalten ist, hat die farbige Ausschmückung
eine stimmungsvolle Fortsetzung erhalten. Sämtliche
nach der Südseite gelegenen Zimmer,
sowohl das des Erdgeschosses als auch die der
übrigen Stockwerke, besitzen eine reiche Ausmalung
meist auf einfachem Tannenholzgetäfer.
Im Gartensaale, der leider heute zu einer Werkstätte
degradiert worden ist, sind Decke, Wände
und ein mächtiges Büfett mit allerlei allerliebsten
Rokokoepisoden grau in blau gemalt.
In seiner ursprünglichen Frische muss das
Zimmer fast porzellanartigen Charakter besessen
haben. Das westliche Eckzimmer des
ersten Stocks ziert eine bespannte Leinwand,
moosgrün getönt und mit buntfarbigen Bändern
und Girlanden geschmückt. Ein äusserst einfaches
, aber trotzdem recht ornamental wirkendes
Gipsornament an der Decke passt sich der vor-
XL
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