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nehmen Stube sehr gut an. Der ehemalige Ofen
mit mächtiger französischer Krone als Aufsatz
wird in Fragmenten im Hause noch aufbewahrt.
Im Nebenzimmer sollen Genrebildchen, Gold
auf Schwarz, einst den Schmuck der Wände
gebildet haben, heute werden sie durch eine
moderne Tapete dem Auge entzogen. Im Eckzimmer
der Ostseite begegnen wir dem in Schwyz
beliebten Blumenmuster auf bläulichem Grunde.
Ähnliche Ausschmückung hat auch das obere
Stockwerk erhalten. Das westliche Eckzimmer
besitzt ausser einem sehr hübschen Louis XVI.-
Ofen ein weissgestrichenes Getäfer mit Goldornament
, die beiden Alkovenzimmer daneben
einen sehr originellen Blumenschmuck mit teilweise
dazu gehörenden Möbeln. Selbst die
Dachkammern tragen Spuren einstiger Verzierungen
. Eine vorzüglich erhaltene alte Herrschaftsküche
, grosse gewölbte Keller, von denen
der eine seiner Konstruktion nach vermutlich
zur Überwinterung der Pflanzen bestimmt war,
sollen hier auch erwähnt werden. Einfach sind
die Stuckdecken der Gänge und des Treppenwerkes
, einzig im zweiten Stock kam einiges
Schnörkelwerk zur Anwendung. Viel Charakter
verraten die Türeinfassungen, sowohl nach der
Gang- als auch nach der Zimmerseite, ihnen
scheinen sich auch die recht eleganten Fensterrahmen
angepasst zu haben. Wir dürfen das
typische Herrenhaus, das uns so trefflich das
Leben einer ganzen Zeit widerspiegelt, nicht
verlassen, ohne den Leser auch auf die wenigen
noch vorhandenen Werke des kunstsinnigen
Sagenmattherrn aufmerksam zu machen. An
Cebergs malerische Tätigkeit erinnern die zierlichen
allegorischen Supraporten im grünen
Zimmer des ersten Stockes, sie zeigen, dass er
nicht nur das Verständnis, sondern auch das
Können besass.
Das ehemals v. Webersche,
heute v. Müllersche Wohnhaus
an der Herrengasse.
(Tafeln 74—76 und Vignette.)
Laut den noch vorhandenen Bauakkorden
hat Hauptmann Josef Anton Weber um das
Jahr-1740 das stattliche Gebäude im oberen
Hirschi, das früher Besitztum der Lilli, dann
der Riget bis 1709 gewesen ist, gebaut. Ein
späterer Erbe, Landammann Felix Ludwig
Weber, stattete die Wohnung mit allem zeitgenössischen
Komfort aus. Um 1802 ging das
Gebäude durch Kauf an den Neffen der Frau
Landammann Ludwig Weber geborene Peyer,
Oberst Kaspar von Müller aus Näfels, über.
Die Familie v. Müller ist bis heute Besitzerin
geblieben. Eine für das herrschaftliche Mansardenhaus
besonders unglückliche Periode entstand
während der 1840er Jahre, als eine Anzahl
von angeblich sehr schönen polychromen Holzvertäfelungen
entfernt worden sind, auch die
elegante Gartenanlage fiel dieser unglücklichen
Restauration zum Opfer.
Einen guten Begriff des sorgfältig gemalten
Zimmerdekors gibt ein im Ostflügel des ersten
Stockes sich befindendes spätes Louis XVI.-Getäfer
. Weisser Anstrich mit Goldfilet bildet den
Untergrund dieses Raumes, ein goldenes Arabeskenfries
und rosenartige, in die Quadern der
Decke eingelassene Goldblumen bereichern die
ornamentale Wirkung. Die währschaften, etwas
plumpen Öfen haben inzwischen dank einer
Ätzkalibehandlung ihr einstiges Aussehen wieder
erhalten. Es sind typische Hafnerarbeiten in der
blauweissen Musterung. Meister Franz Dominik
Eigel von Arth, ein Spezialist auf diesem Gebiete,
hat sie errichtet. Die Kellerräume gehören mit
denjenigen des Grossen Hauses und der Sagenmatt
zu den wenigen Gewölbebauten der Privatarchitektur
.
Interessant sind einzelne zum Hause gehörende
Bestandteile, die ebenfalls noch aus
früherer Zeit datieren, wie Wandbänke, Fensterschränke
, Türabschlüsse u. dgl. In den Stuckarbeiten
suchte man grösstmögliche Einfachheit
zu wahren. Ein oft sich wiederholendes, mehr
geometrisches Muster bildet jeweils die Mitte
der einzelnen Flächenabschnitte. Typisch sind
die verschiedenen marmorartigen Fussbodenmosaiken
in Eichen- und Ahornholz, die täuschende
Wirkung bewährt sich besonders bei
künstlichem Lichte. Malerisch einfach, heute
etwas verwahrlost steht der Hof da. Der 1742
datierte Brunnen mit den Spuren einer früheren
Wappenkartusche fügt sich besonders gut in
das in elegantem Halbbogen abgeschlossene Gemäuer
. Ausser den beiden noch vorhandenen
kleinen schmiedeeisernen Törchen werden wohl
einstens noch Steinbalustraden oder ein zierliches
Eisengeländer diesen einheitlichen Ab-
schluss geziert haben. Besondere Erwähnung
verdienen die beiden rückwärts gelegenen Oko-
nomiegebäude, deren charakteristische Dächer
gewiss auch praktische Vorteile besitzen.
XLI
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