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Das von Hettlingensche Familienhaus
an der Dorfbachstrasse.
(Tafeln 77 und 85.)
Wo sich heute das stolze Herrschaftshaus
erhebt, stand ehedem ein einfacherer Holzbau
, der zuerst den Dietschi und nach ihnen,
um 1750, den Schorno gehört hat. Den heutigen
Bau führte Landammann Josef Victor Laurenz
Hedlinger um 1770 aus, dessen Nachkommen
noch heute darin wohnen. Das sogenannte
Steinstöckli, ein massiver Steinbau vom Jahre
1579, wie ob der Haustüre zu lesen ist, war
ehedem ebenfalls Schornoscher Besitz und kam
durch Erbschaft an die Gemahlin des bekannten
Medailleurs Johann Karl Hedlinger, die eine
geborene Schorno war. Hier verbrachte der
grosse Künstler inmitten seiner reichen Sammlungen
die letzten Jahre seines Lebens in fleißiger
Arbeit. Noch heute zeigen seine Familienangehörigen
, in deren Besitz das Gebäude geblieben
ist, manch wertvolle Erinnerung an den
grossen Vorfahren.
Als modischer Mansardenbau vertritt das
Haus den eleganten schwyzerischen Baustil am
Ende des 18. Jahrhunderts. Verwandte Gebäude
, wie das heutige Hotel Hediger, das
Rathaus, das ehemals Nicolaus Webersche Haus
ob der Kirche werden uns das Gesagte nur bestätigen
. Grosse Wandflächen mit regelmässiger
Fensterverteilung, ein herrschafüicher Eingang,
eine Fassade, die womöglich mit einem Balkon
belebt wird, sind die Haupterfordernisse dieser
harmonischen und auf die Regelmässigkeit abgestimmten
Bauweise. Einstens besass das Haus
eine reiche Pilasterverkleidung, die einem modernen
Besenbewurfe Platz gemacht hat.
Im Innern wurde die übliche Raumdisposition
nur wenig verändert, einige glatte Ver-
täfelungen mit einfachen Filetmusterungen und
zarter Bemalung, eine hübsche Wandbespannung
mit Blumendekor, massvolle Stukkatur
und zierliche Supraporten sind wohl die einzige
beachtenswerte Dekoration. Im Hauptgebäude
hat die Westfassade durch einen geschickt
kombinierten Balkonausbau ein äusserst vornehmes
Aussehen erlangt. Neueren Datums sind
die Bemalungen am Steinstöckli, dessen Fensterschmuck
nach Möglichkeit den Charakter einer
älteren einheimischen Fassadendekoration wiederzugeben
sucht. Es ist auffallend, wie praktisch
der einstige Bauherr diesen kleinen turmartigen
Bau ausgestaltet hat. Wendeltreppe und Gang
sind durchaus originelle architektonische Lösungen
. Auch die Vertäferungen der Stuben
weisen charakteristische Schnitte auf. Ein Hausaltar
als Wandschrank mit merkwürdig stark
verkürzter Christusdarstellung stammt aus dem
18. Jahrhundert. An den kunstverständigen
Besitzer erinnern die sinnigen Inschriften ob
den Türen, sie finden sich zum Teile auch auf
den Prägungen des Künstlers wieder.
Das ehemals v. Redingsche, heute dem
Kollegium gehörende Wohnhaus
an der Strählgasse.
(Hotel Hediger.)
(Tafeln 3, 78—81.)
Vor dem jetzigen Bau stand an gleicher Stelle
ein großes Herrenhaus, das 1665—67 von
Stückhauptmann Sebastian Reding errichtet worden
war. Statthalter Karl von Reding erbaute
den jetzigen geräumigen Wohnsitz um 1790.
Das Wappen des Erbauers mit demjenigen seiner
Ehefrau Elisabeth Bellmont wurde in reicher
Vergoldung über dem schwarzen Eisengitter des
Portals angebracht. Von Statthalter Reding erwarb
General Ludwig Auf der Maur um 1800
den hübschen Mansardenbau, den er mit vielem
Aufwand im Zeitgeschmack neu einrichten liess.
Später, um die Mitte des 19. Jahrhunderts
(1841), ging das Gebäude an Hauptmann Franz
Anton Hediger über und wurde das unter dem
Namen „Hotel Hediger" bekannte Gasthaus.
1909 kaufte die Gemeinde Schwyz das Haus,
bezog es aber nie, sondern trat es 1912 an das
Kollegium ab, in dessen Besitz es sich heute
noch befindet.
Durch ihre schönen Proportionen fallen uns
die grossen Räume auf, vornehme Disposition
weist auch die breite Steintreppe mit dem
zierlichen Eisengeländer auf. An die Blütezeit
schwyzerischen Schmiedehand werks erinnert
aber vor allem das stilreine Eisengitter des
Balkons. Aus der Auf der Maurschen Periode
haben sich noch einige zum Haus gehörende
Möbel erhalten, die in ihrer einfachen Form
mit zu den besten einheimischen Vertretern des
Empirestiles gehören. Ein kleines Eckgemach
im zweiten Stockwerke hat ebenfalls die frühere
Ausstattung beibehalten. Auf weissge-
strichenem Getäfer wurde da ein einfaches
Goldfilet mit anspruchslosen Goldornamenten,
die sich auch in den Quadern der Decke wiederholen
, diskret aufgemalt. Herrschaftliche Öfen
XLII
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