Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XLIII
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0045
und allerlei kleine Details im Inneren erinnern
den Besucher immer wieder daran, dass dieses
vornehme Privathaus einst bessere Tage gehabt
hat, sein Äusseres bestätigt das Gesagte noch
jetzt auf den ersten Blick.

Architektonische Nachlese.

(Tafeln 82—90, 94.)

Das alte Schwyz war reich an grösseren und
kleineren staatlichen Bauten, von denen nur
die wenigsten sich in ihrer Ursprünglichkeit erhalten
haben. An kleinen Gebäuden gab es eine
öffentliche Waschhütte, eine Badehütte, einen
Trockenofen, einen Pulverturm, eine Metzgerei,
eine Ziegelhütte u. a. m., sämtliche von sehr
bescheidener Konstruktion. Daneben bestanden
aber auch noch grosse Steingebäude mit öffentlichem
Charakter. 1569 erbaute der Rat ein
Zeughaus, das heute allerdings mit verändertem
Äusseren zu ganz anderem Zweck dient, einst
barg es das bestausgerüstete Arsenal der Ur-
schweiz. 1802 wurde das Gebäude zum Schul-
und Komödienhaus ausersehen, der alte Theatersaal
besteht in seiner Einfachheit heute noch,
während die Schulräume in ein Konvikt für
Lehrschwestern umgewandelt worden sind. Auch
jetzt noch kann man die ehemalige rechteckige
Grundform des Baues erkennen, allein die neuen
Fenster, das Entfernen der Klebdächer und ein
moderner Verputz haben den einstigen Charakter
völlig verändert. Recht schmuck hebt sich noch
das alte Türmchen vom Dache, es gehört mit
zu den alten Wahrzeichen des Dorfbildes.
Einige Verwandtschaft mit diesem Baue besitzt
das 1587 erbaute Kapuzinerklöster lein am Loo,
auch hier lassen mehrfache Veränderungen nur
mehr die ursprüngliche Anlage erkennen. Hierher
gehört ferner das aus derselben Zeit stammende
Betschartsche Familienhaus zu Ibach
auf dem Hof. In seiner frühen Bauart, mit
Erker und Klebdächern versehen, gehörte das
Gebäude einst zu den schönsten Herrschaftssitzen
des Landes. Das heute der Familie
Schnüringer gehörende Anwesen, zu dem auch
eine den „fünf Franziskus" geweihte Kapelle
vom Jahre 1680 gehört, hat aber im Laufe der
Jahre allen Reiz eingebüsst. Eine Zeichnung
der Gebäulichkeiten aus dem Ende des 18. Jahrhunderts
befindet sich auf dem Kantonsarchiv.

Zu den grossen öffentlichen Gebäuden gehören
im weitern das alte, heute abgetragene
Schützenhaus, das heutige Zeughaus und der

sogenannte „Spittel". 1710 erfolgte der Umbau
eines bereits 1587 im Gebrauch stehenden
Schützenhauses, dessen anspruchsloses Aussen-
bild ebenfalls in der Kydschen Sammlung aufbewahrt
wird. Die rassigen Holzschnitzereien
aus dem 16. Jahrhundert kamen bei Anlass
der 1906 erfolgten verständnislosen Abtragung
des ehrwürdigen, keineswegs baufälligen Baues
an den Staat zurück, der diese für das einstige
Schützenwesen so charakteristischen Bildwerke
zu würdigerer Verwendung aufbewahrt. 1711
gelangte der längst gehegte Plan, Schwyz mit
einem Kornhause zu versehen, zur Verwirklichung
. Auf der Hofmatt steht der geräumige
Bau noch in seiner ganzen Ursprünglichkeit.
Seine einstige Bestimmung hat allerdings auch
er vertauschen müssen. Seit 1802 dient der
Kornspeicher als Zeughaus, und die weiten
offenen eichenen Dielen genügen selbst den
militärischen Ansprüchen der Neuzeit. Auch
hat der 1752 erbaute Spital an der Herrengasse
sein Aussehen beibehalten, wie er auch noch bis
in die Gegenwart wandernden Gesellen billige
Unterkunft gewährt. Das breite schützende
Dach, unter dem die Fresken der Pilgerpatrone
Rochus und Jakobus mit langer lateinischer Inschrift
dargestellt sind, kennzeichnet den Zweck
der frommen Stiftung nach aussen. Das ehemals
weissgetünchte, mit moosgrünen Fensterladen
versehene Haus ist im Innern äusserst einfach
gehalten, heute sind darin auch Bureaulokalitäten
der Gemeindebehörden untergebracht.

Einen gewissen öffendichen Charakter tragen
auch die Klosterbauten, wurden sie doch auf
Kosten des Landes erstellt. In erster Linie
verdient das aus dem Jahre 1625 stammende
Frauenkloster zu St. Peter auf dem Bach besonderer
Erwähnung. An Stelle einer älteren
Klosterbaute errichtet, passte sich die Architektur
der Neubaute ganz dem damaligen Dorfbilde
an. Die Klosterwohnung trägt heute noch
nach der Strassenseite hin zwei auffallend
schlanke Erkerbauten, deren charakteristische
Merkmale in den koketten Dachtürmchen, die
vom grossen Hauptdache unterbrochen werden,
bestehen. Auf diesen turmartigen Abschlüssen,
wie an den Giebelenden wehen lustige Wetterfahnen
, einen Dominikaner mit dem Kruzifix,
die Apostelfürsten, St. Martin und das Reich
darstellend. Ein Rustikatorbogen mit dar-
übergestellter Nische und Wappen dient zur
Einfahrt in die Klausur. An der Kirche mit
der offenen Bogenhalle befand sich ein soge-

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