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nannter „Reitstein", der den Reitersleuten das
Auf- und Absteigen vom Pferde erleichtern
sollte. Wenige Jahre früher, 1618—20, hatte
man auch das Kapuzinerkloster an der Herrengasse
aufgebaut. Die dem Orden eigene und
fast überall in gleicher Weise zum Ausdruck
kommende Einfachheit lässt vermuten, dass die
Bauleitung ebensosehr vom Orden als von
Schwyzer Baumeistern innegehabt worden ist.
Malerischen Reiz besitzt der primitive Kreuzgang
mit dem rohen Balkenwerk. Eine wertvolle
Kirchentüre, die einige Verwandtschaft mit derjenigen
der Bellmont-Kapelle zu Rickenbach
aufweist, dürfte wahrscheinlich die Spende eines
reichen Gönners gewesen sein. 1700—1702 fügte
man dem Hauptbau den sogenannten Bibliothekflügel
an; seither hat das Kloster nur unwichtige
bauliche Veränderungen erfahren. Die Pfarrkirche
wurde 1774 vollendet. Sie hat eine ein-
lässliche Beschreibung in F. Gysi's „Die kirchliche
Architektur im 17. und 18. Jahrhundert
in der deutschen Schweiz. Aarau 1914" erhalten.
Aus älterer und neuerer Zeit besitzt Schwyz
noch eine ansehnliche Reihe von einfacheren
Häusern, die in ihrer Gesamtheit wohl kaum
hier Aufnahme verdienen, deren Einzelheiten
aber doch typisch genug sind, um kurz angedeutet
zu werden. Eine elegante französische
Baute aus den 1760er Jahren war der ehemals
Nicolaus v. Webersche, heute Reichlinsche Hof
oberhalb der Kirche. Der quadratische, erst
nur zweistöckige Mansardenbau mit vornehmer
Hofanlage wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts
vollständig umgebaut und enthält jetzt nur
mehr spärliche Erinnerungen an die einstige
Architektur. In gleicher Weise verwischt sind
die Spuren des ehemaligen Felchlinschen, späteren
Ab Ybergschen Hauses, das dem Reichlin-
schen Wohnhause gegenüberliegt. Der heute
dem Kollegium gehörende Ansitz erhielt in
neuester Zeit eine wenig vorteilhafte Restauration
, so dass man auch hier nur noch Details aus
der früheren Bauperiode, wie die Haustüre, die
Dach- und Giebelformen, deutlich erkennen
kann. Wenig Erinnerungen aus einer besseren
Zeit finden sich ferner in dem ursprünglich
Betschartschen, dann Ab Ybergschen, heute von
Weberschen Familienhause zur Sedleren. 1613
erbaut, hat das Haus mehrfache Veränderungen
erlebt, bei denen im Laufe der Zeit eine wertvolle
Renaissancestube, geschmackvolle Eisengitter
, alte Öfen vernichtet worden sind. Heute
enthält das Innere nur noch Fragmente der
ehemaligen Täferung. Ein einfacher Brunnen
im Hofe und eine gefällige Haustüre verdienen
immerhin noch erwähnt zu werden. Der ehemals
von Redingsche Hof auf Lützenried an
der Seewer Strasse, der heute der Familie Felchlin
gehört, zählt ebenfalls zu denjenigen Gebäuden,
die einstens eine sehr wertvolle Ausstattung
besessen haben, heute aber die einstige Herrlichkeit
bis auf wenige äussere Spuren vollständig
eingebüsst haben. Für Schwyz charakteristische
Zimmermalereien aus dem 18. Jahrhundert befinden
sich im ehemals Stadlerschen, später von
Schornoschen, heute Beelerschen Wohnhaus in
der Gänsmatt zu Ibach. Wie der Name schon
sagt, besass die Ortschaft hier in frühester Zeit
die für die deutsche Ansiedelung typische Gänseweide
. Aus dem Jahre 1810 stammt das Bommer-
sche Haus im Hinterdorf. Eine bisher in Schwyz
nicht gekannte Dachform verrät gleich den auswärtigen
Einfluss. Baumeister Nigg von Gersau
hat den praktischen Bau in Anlehnung an
städtische Muster aufgeführt. Nicht viel jünger
sind die Wohngebäude der Familien Gemsch
an der Herrengasse, Schnüringer im Dorf bache.
Bei einer grösstmöglichen Einfachheit der Konstruktion
suchten die Bauherren doch auch
praktischen Bedürfnissen nach Kräften zu genügen
. Spärliche und biedere Ziermotive an
den Fassaden und abgeflachte Dachformen kennzeichnen
diese Bauepoche nach aussen. Im
Innern fallen die niederen Räume durch ihre
fast gesuchte Anspruchslosigkeit auf.
Schwyzerische Architektur wurde zu allen
Zeiten auch in den umliegenden Ortschaften
gepflegt. Fast jedes Dorf im alten Lande besitzt
die eine oder andere Baute, welche uns
an den Hauptflecken erinnert. In Arth vertritt
das alte Redinghaus den Stil des 17. Jahrhunderts
. Ein prächtiger, aus einem Block in
Geissbergergestein gehauener Marienbrunnen aus
dem Jahre 1720 steht als stattlichste Zierde
auf dem Dorfplatze. Die Pfarrhäuser am Sattel
und in Rotenturm gehen auf das ausgehende
18. Jahrhundert zurück. Besonders originelle
Formen hatte das alte Wirtshaus in Goldau;
das Gebäude fiel dem Bergsturze von 1806
zum Opfer. Einen kleinen Dachreiter auf öffentlichen
Wirtshäusern anzubringen, war sehr beliebt
; die Glockenzeichen verkündeten den Reisenden
weithin die Gebets- und Essenszeiten.
Schwyzer Charakter trugen auch die im Lande
zerstreut herumliegenden öffentlichen Gebäude,
vor allem die Susten. Leider hat sich das einstige
XLIV
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