Augustinermuseum Freiburg i. Br., B 933/4
Das Bürgerhaus in der Schweiz (4. Band): Kanton Schwyz
Zürich, 1925
Seite: XLVII
(PDF, 21 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_04_1925/0049
Das Bürgerhaus in Einsiedeln.

(Tafel 98.)

Abgeschlossen von fremden Einflüssen, ein
Untertanenland des Abtes und der Regierung
von Schwyz, hat Einsiedeln in seinen
wenigen charakteristischen Dorf bauten sich ganz
an die grossen Muster des dortigen Klosters anlehnen
müssen. Dieses Eindringen des Klosterstiles
fällt uns heute um so weniger auf, als die
beiden einzigen in ihrem Äussern noch nicht
veränderten Wohnhäuser des 18. Jahrhunderts,
die Klostermühle (1787 erbaut) und das Etzelhaus
(1759 erbaut, 1899 teilweise umgebaut und
ganz renoviert), vom Stifte erstellt worden sind.
Ähnlicher Art war auch die alte Kanzlerwohnung
an der Stelle des heutigen Einsiedlerhofes, ein
einstöckiger Mansardenbau von fast quadratischer
Form. Schon im blossen Dache dieser
Gebäude äussert sich ihre Zugehörigkeit. Auch
sei das „Kernenhaus", in seinem unteren Teile
Schützenhaus, erwähnt. Es wurde 1737 von Franz
Singer, Hofpalier des Fürsten von Messkirch, gebaut
. Die Sgraffitidekoration ist heute kaum
mehr zu erkennen. Älteren Datums, vermutlich
nach dem Brande von 1680 errichtet und bis in
die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ziemlich
intakt geblieben, sind die verschiedenen Steinbauten
in der allernächsten Umgebung des
Klosters. Sämtliche hatten ein breites Satteldach,
eine glatte Fassade und meist einen steinernen
Treppeneingang. Hieher gehören vor allem der
„Bären" und der „Schlüssel", die rassigsten
Wirtshaustypen des alten Einsiedeln. Der obere
Teil der Dorfstrasse mit ihrer schönen Krümmung
ist bereits nach dem Brande von 1577 entstanden
; die meisten dieser Häuser sind in Riegel
ausgeführt und stammen im Kerne noch aus dieser
Zeit, so ist zum Beispiel am „Steinbock" die alte
Ladeneinlage noch heute vorhanden. Reicheren
Schmuck trug das Kälinsche Familienhaus zum
goldenen Rad, dessen Erker und origineller Eingang
ebenfalls erst um die Mitte des vorigen
Jahrhunderts verloren gingen. Ein wertvolles
Büfett aus diesem Hause kam gleichzeitig in
den Besitz von Oberst Bell in Luzern. Das
jetzige Rathaus, ehemals Schulhaus, dessen
mächtige Lichtöffnungen bereits auf der Me-
rianschen Vedute von 1642 sichtbar sind, stammt
aus dem Jahre 1689. Es wurde unter Anlehnung
an den früheren Bau wahrscheinlich von Br.
Caspar Mosbrugger erbaut. Das Gebäude hat
nach den 1902—04 erfolgten Umbauten sein

einstiges Aussehen gänzlich eingebüsst. Von
den zirka 90 Gasthöfen des Dorfes, die seit
mehr als 100 Jahren fast stets gleich zahlreich
geblieben sind, waren die meisten ursprünglich
in Holz gebaut. In den heutigen Neubauten
zeigt sich ein vollständiger Mangel an baulicher
Tradition und architektonischer Anpassung.
Spärliche Überreste aus früherer Zeit mögen
dort und da im Innern einzelner Häuser noch
zu finden sein. So besitzt der obere Hirschen
im zweiten Stocke ein grosses Zimmer mit
reichverzierter Holzdecke, deren allegorische
Malereien auf die 1711 stattgehabte Landeswallfahrt
der katholischen Orte anspielen, ein
typisches Büfett des späten 18. Jahrhunderts
findet sich im selben Hause; das Landesmuseum
besitzt auch Überreste eines schönen Ofens aus
dem Gasthof zu St. Josef usw.

Die vornehme, vielgestaltige Klosterarchitektur
hat durch Prof. Dr. A. Kuhn, Konven-
tualen des genannten Stifts, und Dr. Linus
Birchler eine eingehende und sachliche Würdigung
erhalten. Es ist merkwürdig, wie gering der
Einfluss dieser stolzen Monumentalbauten auf
unseren ganzen Kanton geblieben ist. Wir ersehen
daraus, wie das bäuerliche Element des Landes für
eine wirklich vornehme Baukonzeption weder die
nötigen Mittel noch das richtige Verständnis
besass. Unverstanden und doch von vielen bewundert
, hat die Prachtentfaltung des Stiftes fast
ausschließlich nur die religiöse Seite des Volkes
berührt. Nach dem schrecklichen Brande von
1680 hat sich der Ort wohl nicht mehr zu der
alten architektonischen Einheit emporschwingen
können, vielleicht auch, dass ein geringerer Besuch
der Wallfahrt hier seinen Einfluss geltend
gemacht hat.

Das Bürgerhaus in March und Höfe.

(Tafeln 99—104.)

Während die übrigen Urkantone einen mehr
einheitlichen Charakter in ihren Wohnbauten
aufweisen, war die Architektur des Kantons
Schwyz schon durch die geographische Lage
des Kantons verschiedenartigen Einflüssen unterworfen
. Unter schwyzerischer Bauart verstehen
wir im engeren Sinne des Wortes nur die Konstruktionsweise
im alten Lande Schwyz; über die
Grenzen ihrer engeren Heimat haben die Landleute
ihre Architektur nie herausgetragen.

Was wir heute in Einsiedeln oder in der
March und in den Höfen an alten Bauten be-

XLVII


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