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gegnen, sind Denkmale sich dort unabhängig
von Schwyz entwickelnder Baustile. In den
äusseren Landesteilen haben sich noch vielfach
die hohen und schlanken ostschweizerischen
Giebeldächer erhalten. Sie finden sich speziell
im Holzhaus und sind ein Überrest der süddeutschen
Gotik, die sich z. B. vielfach auch
in den Käsbissentürmen der dortigen Kirchen
und Kapellen bis in unsere Zeit hinübergerettet
hat. Für die Verbreitung herrschaftlicher Gotik
waren auch die einzelnen feudalen Grundbesitze
und Hofgüter von Einfluss. Das Schloss in
Pfäffikon (heute dem Stifte Einsiedeln gehörend),
die Burg Alt-Rapperswyl (heute Ruine mit bemerkenswerter
Kapelle), wie der Turm von
Grinau, der, 1905 durch Brand zerstört, nunmehr
restauriert dasteht, haben lange Zeit diesen
Gebietsteilen den Stempel grundherrschaftlicher
Oberhoheit aufgedrückt, die nur bescheidene
Bauart in der Nachbarschaft zugelassen hat.
Architektonisch bietet Pfäffikon heute wenig
Interesse. Spuren des ehemaligen Wasserschlosses
gehören zum Interessantesten der
ganzen Anlage, der Turm ist arg verbaut, und
der langgezogene, 1760 als Kornschütte gebaute
Wohntrakt erinnert mehr an ein landwirtschaftliches
Ökonomiegebäude. Ebenso geringe architektonische
Ausbeute gestattet Grinau, dessen
1652 auferbautes Wohngebäude vor allem für
den Zolldienst eingerichtet war und zahlreiche
Lagerräume besass. Neben diesen Herrschaftssitzen
finden sich noch zahlreiche grössere
Pächterhöfe, deren Bauweise für die Architektur
des Landes von wesentlichem Einfluss war. Als
typische Vertreter seien das „Wysshus" in Woller
au aus dem 16. Jahrhundert, sowie das Weinberghaus
Leutschen ob Freienbach (dem Stifte
Einsiedeln gehörend) und der Freihof in Altendorf
genannt, beides massive Steinbauten von
durchaus gotischer Auffassung und nur in der
äusseren Form teilweise an eine spätere Zeit angelehnt
. Die Wirkung ist die eines bewehrten
Wohnhauses. Bemerkenswert ist auch die Raumeinteilung
dieser Gebäulichkeiten.
Im 18. Jahrhundert begann für die Untertanenländer
eine bessere Zeit. Manche reiche
Bauern, zu politischem Ansehen gelangt, verschönerten
ihr Anwesen durch künstlerischen
Ausbau und sorgfältige Dekoration an Türen,
Fenstern und Gesimsen. Das immer noch sehr
einfache Rieghaus — Steinbauten zählten zu
den Seltenheiten — bekam eine steinerne Treppe
mit elegantem Eisengeländer, im Giebel liebte
man die ausgeschweifte, heute noch im Kanton
St. Gallen angewendete hufeisenartige Bauform.
Farbige Ornamente scheinen ebenfalls Anerkennung
gefunden zu haben. Bessere Neubauten
des 18. Jahrhunderts erhielten sodann zum Unterschiede
von den bescheideneren Landkonstruktionen
ein breites Zürcher Mansardendach, bei
welchem die seitlichen Giebel mit einem unschönen
, gezwungenen Abschluss versehen wurden
. Einer solchen Gebäudegattung gehört die
heutige Wirtschaft des B. Diethelm in Galgenen
an. Der Bau hat in der ungemein reichen buntfarbigen
Louis XVI.-Ornamentation, die trotz
des sehr schadhaften Zustandes eine tüchtige
Künstlerhand erkennen lässt, eine gewisse Kompensation
für die wenig glückliche Dachlösung
erhalten. Am Hause des Vital Diethelm ob
Galgenen findet sich in etwas derberer, aber
mehr individueller Auffassung eine weitere derartige
Freskomalerei, diesmal auf einer mit Putz
beworfenen Blockwand aufgetragen. Das Gebäude
gehört mit zu den hübschesten Bautypen
der dortigen Gegend. Einen herrschaftlichen
Charakter trägt das Haus „im Hof", von Landammann
Bruhin 1784 erbaut, heute im Besitz
der Familie Ruoss. Die eleganten Raumdispositionen
sind von denjenigen eines schwyzerischen
Herrenhauses vollständig verschieden, auch im
Äusseren findet sich die örtliche Bautradition
stark vertreten. Durch die Verkürzung des
Ganges und das Verlegen des Treppenaufganges
nach der Mitte scheint das Bruhinsche Wohnhaus
gegenüber den schwyzerischen Bauten an
Platz wesentlich gewonnen zu haben.
XLVIII
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