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Da es eine sekundäre Entlüftung baugesetzlich
damals noch nicht gab, so ist die
Bedürfnisanstalt vom Treppenhaus zugänglich
, gewöhnlich auf einer Laube (Holz) angeordnet
. Die Kanalisation bildete stets noch
der Ehegraben in der Stadtmitte, gegen
die Reuss hin passierbare Abzugskloaken
und anderwärts einfache Gruben. Die Ableitung
zum Kanal oder Grube bestand aus
„Holzinen Kännlen" oder, da viereckig, aus
sog. Orgelpfeiffen.
Das Haus ist meistenteils Einfamilienhaus.
Der Patriziersitz geräumiger und grösser, das
Haus des einfachen Bürgers entsprechend
kleiner. Exklusive Parterre meistens aber
dreietagig. Die innere Raumeinteilung ist
schematisch wie beim ehemaligen Holzhaus,
nur grösser. Die gekuppelten Fenster haben
innen grosse bemalte Bogenausschnitte (Leibung
), die gewöhnlich durch eine schmuckvoll
, oft raffiniert gearbeitete steinerne, stabgewundene
gotische Säule getragen werden.
Beim Fenster findet sich der Kreuzstock. Die
Zwischenwände der Zimmer bestehen aus
Riegelwerk.
Der Luzerner hatte von jeher ein Frohgemüt
und so liebte er auch die Farbe der
Malerei. Zunfthäuser tragen äussern Farbenschmuck
. So dasjenige der Gerwer- und
Weinleute 1512 mit Aufschrift und Gründungsdatum
der Zunft 1332. Privathäuser
zeigen aufgemalte Wappen der Besitzer, so
das Zur Gilgensche Schlösschen am Kapellplatz
gegen die Kapellkirche hin die Wappen
zur Gilgen und seiner Frau, Margeritha Martin
1571. Madonna. Sebastian und andere
Heilige zieren, sei es in polychromer Skulptur
oder in Malerei, als Schutzpatrone die Häuserfronten
.
Getäferte Zimmer im Hausinnern trifft
man selten. Die bei Niederlegung der sog.
„Kaplanenkneipe" im Hof ausgebrochenen
gotischen Plafonds und Getäfer stammten
aus der Kapellkirche. Die Freskomalerei
vertritt die Tapete und zwar in ausgiebigster
Weise, so dass wir kein Haus treffen, ohne
ausgemalten Putzgrund der Riegel und
Mauerwände. Der Riegel bietet der Darstellung
gewöhnlich die Umrahmung. Die
Malerei ist verschiedener Qualität und
stammt manchmal auch aus verschiedenen
Händen, wie die Kapellengemälde im Clau-
serhause.
Malereien von 1563 traten im Saale des
Hauses Dulliker-Feer auf der Reuss brücke
zutage. Ebenfalls (1598) im Hause des Leo-
degar Pfyffer (jetzt von Balthasar) am Reusssteg
.
Um ca. 1520 datiert der „Traum des Paris"
im Hause Sautier Nr. 14 an der Weggis-
gasse. Nach der Art des etwas primitiven
jagdlichen Wandschmuckes des Walter Fürsthauses
in Attinghausen, dürfen wir ihn eher
mit dem geschickten, gleichaltrigen des
Schlosses Englisbergbei Übersdorf, Freiburg,
in Parallele setzen. Eine Beeinflussung
Dürer'scher Schule ist augenscheinlich.
In krausem, grünem, gotischem Rankenwerk
erhebt sich links ein gotischer Brunnen
, dem zu Füssen ein in der Zeit 1520
gepanzerter Ritter ruht, sein Auge nach den in
der Mitte sich befindenden drei Grazien (Here,
Pallas und Aphrodite) gewendet. Rechts steht
in rotem Krönungsmantel ein mit Szepter
und Reichsapfel versehener König. Der Apfel
trägt die Inschrift „Paris" (Alexandros). Die
so bemalte Wand des Hauses steht im rechten
Winkel zur Nord wand, die der Löwengraben-
befestigung entstammt und gehörte ursprünglich
dem Vestibüle an.
Zwei interessante Fragmente übermalten
Riegel Werkes fanden sich bei den Häusern
Gilg Nr. 36 und Dr. Steiger Nr. 52 in der
Hertensteinstrasse, anlässlich deren Neubau
im Jahre 1912 und 1910. Sie dürften beide
nach der aufgemalten Jahrzahl 1548 (im
Hause Steiger), klassifiziert sein. Renaissancevasen
entsteigt ornamentales Ranken-,
Blatt- und Strauchwerk mit Endigungen von
Granatäpfeln, Sonnenblumen, Rosen und
schottenartigen Gebilden, die den gegebenen
eingebänderten Raum füllen. Die etwas flüchtige
, doch mit Schwung dargestellte Zeichnung
lässt eine freihändige, variable Pinselführung
ohne Vorentwurf vermuten. Die
Farben sind grau, gelb und schwarz, wobei
grau die Untermalung, gelb die Füllung einzelner
Fruchtkörner und das Gold der Vase,
schwarz die Kontur bedeutet.
Im Hause Nr. 36 sind zudem zwei buntbehandelte
Wappen mit Helm und Decken,
sowie die Bilder Maria und Jesus mit Gloriolen
auf tapetenartig gestrichenem Hintergrunde
bemerkbar. Letztere Aufmalungen
entstammen der Wohnzimmerwand des
I. Stockes.
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