http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_16_1925/0040
Tafel 39) oder die Öfen im Schlössli zu Flims
(Tafel 41) zeigen. —
Darstellungen. Der gedankliche Inhalt der Malereien bewegt
sich bis zum Rokoko, wo die galanten
Szenen, die Schäferbildchen und idealen
Landschaften aufkommen, fast ausschliesslich
in didaktischen und erbaulichen Bahnen.
Die Füllungskacheln stellen meist Illustrationen
zu Sinnsprüchen oder Bibelworten
dar, die als Sockel darunter stehen, indes
die Pilaster einzelnen Figuren vorbehalten
bleiben. Und hier allerdings zeigt sich der gegenständliche
, diesseitigere Sinn des 17. Jahrhunderts
darin, dass man damals noch Kriegerfiguren
, Helden, Könige und Typen der
verschiedenen Stände darstellte, während im
18. Jahrhundert, als man das Verblümte, das
Umschriebene und Rationale über alles liebte,
die Allegorien allgemein wurden. Wie sehr
diese ganze Gedankenwelt etwas unüberlegt
nach allgemein verbreiteten Vorlagen übernommen
war, zeigt vielleicht nichts deutlicher
als jenes kleine Detail, dass — in einem Land,
wo auch der Adelige noch Bauer blieb — die
Ständedarstellung auf dem Salenegger Ofen
den Bauern an die letzte Stelle hinter den
Landsknecht rückte.
19. Jahrhundert. Der Klassizismus räumte auch hier mit
dem heiteren Schmuckwerk auf und fand
sein Genügen an kahlen, weissen Platten,
(auch perlgrauen Kacheln — Haus Luzi,
Jenaz) oder einem glatten, höchstens kannelierten
runden Aufbau, bekrönt mit einer
griechischen Vase (Salenegg). Den Eisen-
guss, vordem in grossen Reliefplatten zu
einem würfelförmigen Unterbau verwendet,
den eine Stuckkuppel bekrönte (N. Bd. A,
Tafel 25 und 82), formte man jetzt zu kleinen
zylindrischen Gebilden (Reichenau, Tafel 52),
mit einer Lyra oder einem ähnlichen Emblem
sparsam verziert. So setzte auch hier
der Klassizismus den Endpunkt hinter eine
Entwicklungsreihe; er bereitete eine andere
Zeit vor, die den Ofen von einem Prunkstück
zu einem Zweckmöbel degradierte, dem nur
so viel Raum gegönnt war, als seine Wirkung
rechtfertigte.
Von Davos aus, mit dessen Bauten (sieht
man von der kleinen Einschaltung über die
Öfen ab) unsere Darstellung schloss, geht der
alte Säumerweg über den Scaletta in das
obere Engadin. Er führt uns damit an den
Ausgang dieser Betrachtung zurück und
schliesst den Ring. Blickt man nun noch einmal
den Weg zurück, so ist das herrschende
Gefühl ein Staunen über die im Verhältnis
zu der Grösse des Gebietes wohl einzigartige
Spannweite, mit der die bürgerliche
Bauweise Bündens die verschiedensten
Formen umfasst. Sie ist darin ein Abbild
der Landschaft, die im Raum einer Tagereise
das völlig Gegensätzliche vereint: die
dunkle Traube und den silbernen Gamander
, die mächtigen Kronen der edlen
Kastanie und die an den Rand des Wegsamen
geklammerte Legföhre, den breithinziehenden
Fluss und den am jähen Felsen
zerstäubten Fall. Was die politische Berufung
dieses Landes war, was seine Landschaft
ausspricht, das wurde Graubünden
auch in der bürgerlichen Architektur, ein
wirkliches „Bünde-Land".
Wasserspeier am Schlössli in Parpan.
XXXVIII
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_buergerhaus_16_1925/0040