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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_02/0053
Puvis de Chavannes, Christliche Inspiration. Fresko im Museum zu Lyon.

Die malerischen Ausdrucksmittel.

GOETHE hatte, wie er in seiner Farbenlehre
bekennt, ursprünglich nach den Gesetzen
gesucht, denen die Farbengebung auf den Gemälden
unterworfen ist. Während aber über die sonstigen
Teile der Malerei genau Rechenschaft gegeben werden
konnte, schien bei der Färbung alles dem Zufall überlassen
zu sein, dem Zufall der durch einen gewissen
Geschmack, einem Geschmack der durch Gewohnheit
, einer Gewohnheit die durch Vorurteil, einem
Vorurteil das durch Eigenheiten des Künstlers, des
Kenners, des Liebhabers bestimmt wurde. Bei den
Lebendigen war kein Trost, ebenso wenig bei den
Abgeschiedenen, keiner in den Lehrbüchern, keiner
in den Kunstwerken. — Er konnte nur bemerken,
dass die lebenden Künstler bloss aus schwankenden
Ueberlieferungen und einem gewissen Impuls handelten
, dass Helldunkel, Kolorit, Harmonie der Farben
immer in einem wunderlichen Kreise sich durcheinander
drehten. Was man ausübte, sprach man
als technischen Kunstgriff, nicht als Grundsatz aus.

Da suchte er denn den Farben als physischen
Erscheinungen erst von der Seite der Natur beizukommen
. Bei seinem italienischen Aufenthalte versäumte
er nicht, die Herrlichkeit der atmosphärischen
Farben zu betrachten, wobei sich die entschiedenste
Stufenfolge der Luftperspektive, die Bläue der Ferne
sowie naher Schatten, auffallend bemerken Hess.
Beim Scirocco-Himmel, bei den purpurnen Sonnenuntergängen
waren wiederum die schönsten meergrünen
Schatten zu sehen. In Weimar schlössen
sich dann an solche Beobachtungen jene Untersuchungen
an, aus denen die Farbenlehre hervorwuchs
.

Den gleichen Weg wird ein jeder zu betreten
haben, der sich über das Wesen der malerischen
Aufgaben in der Natur und über die Mittel Rechenschaft
zu geben sucht, welche dem Maler für deren
Lösung zur Verfügung stehen. Zunächst kommt
es dabei auf die Art an, wie die Farben entstehen,
die sich an der Oberfläche der Gegenstände als
deren Lokalfarben bemerklich machen; dann auf
die Abänderungen, die diese Farben durch das
Dazwischentreten der Luft und den Wechsel der
Tagesbeleuchtung erfahren.

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