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Correggio, Johannes der Evangelist. Parma, S. Giovanni. Fresko.
Antonio Allegri da Correggio.
1494—1534.
EIN Künstler der modenesischen Schule war es,
der das Werk der emilianischen Kunst der
Renaissance gekrönt hat: Francesco Bianchi
Ferrari (auch del Frare genannt), der, wie uns ein
alter Chronist des XVI. Jahrhunderts berichtet, der
Lehrer des göttlichen Correggio gewesen ist.
Wie alle Künstler der Hochrenaissance zeigte
auch Correggio sich als frühreifes Talent. Im Alter
von 16 Jahren, als der Meister ihm starb, war der
junge „Maler der Grazien" schon zum freien Fluge
bereit. Mit der feinen durchgeistigten Empfindsamkeit
Bianchi Ferraris verband er die Solidität der
Kunst Mantegnas, dessen Werke er nach dem Tode
seines Lehrers in Mantua studiert haben muss. Die
frühesten Werke, die wir von Correggio kennen,
wie die Madonna in den Uffizien, die Geburt Christi
in der Sammlung Crespi in Mailand, die Madonna
mit Heiligen der Sammlung Frizzoni ebendort u. a. m.
zeigen uns eine Verbindung der Formen und der
emailartigen Farbe Bianchis mit den Typen
Mantegnas. In der heiligen Elisabeth im Bilde der
Sammlung Crespi verwertet er den mantegnesken
Typus dieses Heiligen, während die funkelnde
Farbe und manche Formen der Falten, die in
Canneluren herabfallen und dann Polygone mit
einspringenden Winkeln bilden, an Bianchi erinnern
.
Von der „Geburt Christi" an zeigt Correggio
seine koloristische Tendenz deutlich in dem Streben
nach starken Gegensätzen von Licht und Schatten
und seine Kraft als Kolorist in dem Bemühen, seinen
Farben die Wirkung des Rubins oder des Saphirs,
des Topases oder des Amethysts zu verleihen, den
Saft der Rosen, die zartesten Lichter des Regenbogens
und die durchsichtigsten Schatten wiederzugeben
. In der „Geburt Christi"^ [ist es ihm
gelungen, die matte kalte-.. Beleuchtung einer
Winternacht in den weissen Wolken, die vom
Winde hinter Ruinen vorbeigetrieben werden, in
dem bläulich - fahlen Lichte, das sich über die
Erde und zwischen den vom Winde gebogenen
Aesten der Bäume verbreitet, empfinden zu lassen.
Dies Bild lässt uns schon die Dresdener „Nacht"
vorausahnen.
In einem anderen Werke seiner Frühzeit stellt
Correggio im matten Abendlichte eine Gruppe von
vier trauervollen Gestalten dar, deren lange Schatten
sich auf dem Boden abzeichnen, während in der
Ferne der letzte Streifen des Dämmerlichtes vor
seinem Verschwinden noch einen Wiederschein auf
den Schatten und auf den bläulichen Nebeln der
Ebene zurückzulassen scheint. Es ist das Gemälde
bei Mr. Benson in London, das nach einem
apocryphen Evangelium Christi Abschied von seiner
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