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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_02/0096
gerichteten Königs ermordeten Lepelletier und das des Marat.
Unmittelbar unter dem Eindruck des Ereignisses entstanden —
es wird uns dramatisch genug von den Biographen erzählt, wie
David in dem Konvent durch eine Stimme aus dem Volke zu
diesem Werke aufgefordert wurde, — zeigt uns das Bild in
seinem ungeschminkten, von jeder Pose freien Naturalismus,
ein wie bedeutender Künstler David war, wenn er sich seinem
Temperamente überliess

104. Desiderio: Tabernakel. Mit dem Marzuppinigrabe zählt
das Sakramentstabernakel zu den gerühmtesten Arbeiten des
jung dahingegangenen Meisters. Bestimmt, den Kelch mit
der Hostie zu umschliessen und die weihevolle Stätte für die
heilige Wandlung abzugeben, spricht das Werk seinen hohen
Zweck rein und vollkommen aus. Die perspektivisch vertiefte
Bogenhalle in der Mitte lenkt Aller Augen auf die kleine Bronzethür
, daraus der Leib und das Blut Christi ihren wunderbaren
Segensweg in die Herzen der Andächtigen nehmen sollen.
Schon erwarten herbeigeeilte Engelsgruppen in Demut und
Anbetung den Augenblick des höchsten Heilwunders. Der von
Kinderengeln freudig verehrte Christusknabe in der Lünette und
das Relief mit der Beweinung des toten Heilands unter dem
Altartisch erinnern an Geburt und Sterben dessen, der nun
auferstehen soll, als lebendiger Gott in der Seele der Gläubigen.
Die trübe Dämmerung an Wintermorgen zur Stunde der ersten
Messe zu erhellen, halten die beiden jugendlichen Gestalten zur
Seite ihre grossen schweren Leuchter. — Als 1677 der Altar
auf die entgegengesetzte Wand übertragen wurde, kamen die
schweren Volutenkonsolen unter die Platte des Altartisches,
gerieten, wie es den Anschein hat, die leuchtertragenden Knaben
aus der engeren Verbindung mit dem schlanken Aufbau und
musste sich das ganze Werk in jenen Steinrahmen fügen, dessen
trockene Linien den Reiz des Konturs arg beeinträchtigen.

105. Correggio: Madonna. Das Madonnenbild, das aus dem
Besitze der F'amilie Campori in die Galerie in Modena übergegangen
ist, steht am Beginne der zweiten Periode von Correggios
Schaffen. Die Umrisse lösen sich schon in freie, breite Flächen
auf und Licht und Farbe werden die herrschenden Elemente
seiner Kunst. Das Kind zeigt sich in der ganzen lieblichen
Natürlichkeit seines Alters; in der überschwänglichen Innigkeit
der Mutterliebe im Gesichte der Madonna liegt schon ein Abglanz
der überirdischen Seligkeit, auf deren Ausdruck sich das
ganze Streben der Correggioschen Kunst concentriert.

106. Correggio: Christi Abschied von Maria. Das Bild gehört
zu den Jugendwerken, in denen in Formen und in Gewandbehandlung
die quattrocentistischen Elemente noch vorwiegen,
während in Licht und Farbe und im tiefen Ausdruck der fast
überzarten seelischen Empfindungen der junge Meister schon
ganz neue, durchaus persönliche Töne anschlägt. Die feine
Abendstimmung erhöht den Eindruck des Schmerzes, den alle
Personen empfinden. Wir finden hier noch das für Correggios
frühe Werke so charakteristische Gelb, aber schon in wärmerer
Tinte, daneben grünlich-blaue, violette und orangefarbene Töne.

107. 108. Raffael: Der Parnass. Auf einem Hügel sitzt Apoll
musizierend im Kreise seiner Musen. Links redet in dichterischer
Inspiration Homer. Ein Knabe zeichnet die Worte auf.
Hinter ihm Dante und der Führer Virgil. In der Ecke unten
eine sitzende Frau, die sich durch die Schrift auf ihrer Rolle
als Sappho zu erkennen giebt. Ein paar lorbeergekrönte Kollegen
, unter denen man Petrarca finden will, führen unter sich
ein Gespräch: der jüngste weist aufwärts nach Homer. Gegenüber
in der andern Ecke eine namenlose männliche Parallelfigur
zu Sappho; lebhaft nach vorn weisend, scheint der Alte
etwas Ungewöhnliches zu erzählen, was den jugendlichen Hörer
vor ihm zu einer Geberde des Erstaunens zwingt. Nachdenklich
steht ein Dritter dabei, den Finger auf dem Mund. Es ist nicht
möglich, die Männer bestimmt zu benennen. Dagegen darf
man bei dem auswärtsblickenden Kopf (über dem Erstaunenden),
der offenbar ein Porträtkopf ist, der alten Tradition glauben,
es sei hier Sannazzaro (geb. 1458) dargestellt, da die Züge mit
denen seiner Grabbüste in Neapel wohl zu vereinigen sind.
Andere Porträts sind in dem Bilde nicht zu suchen. — Entscheidend
für die Komposition war das von unten einschneidende
Fenster. Raffael begegnete ihm mit dem Motiv des Hügels.
Um den zentralen Apoll gruppiert sich die obere, langhingezogene
Gesellschaft so, dass Homer und die Rückfigur einer
stattlichen Muse die Eckpfeiler bilden. Von den Vordergrundgruppen
ist die linke isoliert, die rechte mit der Hauptgruppe
in Verbindung gesetzt. Und zu dieser Differenzierung der
zwei Seiten kommt noch eine leise Diagonalbewegung, die
durch die Bäume markiert ist. Die Vorstellung wird rechts
über den Hügel hinweg in die Tiefe geleitet. — Der Wert des
Bildes beruht mehr auf dem Rhythmus des Ganzen als auf
der Bildung des Einzelnen, wo es an gezierten Bewegungsmotiven
nicht fehlt und die meisten Köpfe etwas leer geblieben sind.

109. Murillo: Rastende Knaben. Der Maler stark erregter
Devotionsbilder erscheint uns hier von einer ganz neuen Seite;
ihm, „der Hunderten von Kindern Engelrollen beizubringen
hatte, war es eine Erholung, ein Kontrastbedürfnis, sie gelegentlich
in ihrem häuslichen Werktagsröckchen zu zeigen". Auf

grossen Steinen am Fusse einer Ruine, die die Mittagssonne
übergoldet, haben die „wegesmüden Knaben des Landvolks"
Rast gemacht, leichtfertiger Beschäftigung nicht abhold. Das
Erblaster des Südländers, das Spiel, lässt die beiden älteren
bald ihre Umgebung völlig vergessen, während der jüngere
Gefährte, mit dem Kopf eines Cherub, kauend daneben steht,
den träumerischen Blick in die Ferne gerichtet. Der ruppige
Hund, der mit den Augen den Essenden gleichsam verschlingt,
der umgestürzte Krug und der Korb mit Früchten, auf den
jeder Stillleben-Maler stolz sein könnte, vervollständigen dies
anziehende, in seiner Natürlichkeit so vollkommene Bild.
110. Athena-Schale. Unter den zahlreichen silbernen Prunk-
gefässen des kostbaren Schatzes, der am 17. Okt. 1868 am
Galgenberge bei Hildesheim gefunden wurde, nimmt die Athena-
Schale als das künstlerisch vollendetste und am reichsten
dekorierte Stück die erste Stelle ein. Die Schale ist ein Meisterwerk
antiker Guss- und Treib-Technik. Der eigentliche Körper
des Gefässes, auf das feinste mit Pflanzenornamenten verziert
— aussen wachsen lanzettförmige Blätter vom Fuss bis zum
Rand auf, im Inneren zieht sich ein breites Band von Palmettenranken
um die Mündung hin —, ist durch Guss in starkem
Silber hergestellt und auf das sorgfältigste ciseliert. Den eigentlichen
künstlerischen Schmuck bildet eine dünne, den ganzen
Innenraum bis zu dem Palmettenbande ausfüllende Silberplatte
mit dem Bilde einer nach dem Siege ruhenden Athena im
Waffenschmuck. Diese Figur ist in hohem Relief frei aus der
Fläche herausgetrieben. Die Wirkung des Gesamtbildes in
seiner glänzenden, festlichen Pracht ist durch den Zusatz reichlicher
Vergoldung an allen Teilen noch gesteigert. An der
Figur der Athena tritt der Körper in zartem Silberton aus dem
strahlenden Gold der Gewänder und Waffen hell heraus. Fuss
und Henkel sind besonders gearbeitet und angesetzt. Die jetzigen
Henkel sind schon in antiker Zeit als Ersatz für die ursprünglichen
, wahrscheinlich anders gestalteten Henkel angefügt. Die
Schale ist nämlich älter als die meisten übrigen Gefässe des
Schatzes, die zum grösseren Teil in römischen Werkstätten
gefertigte Arbeiten der Augusteischen Zeit sind. Sie ist das
Werk eines griechischen Künstlers und gehört, ihrem Stil nach
den pergamenischen Bildwerken am nächsten verwandt, der
hellenistischen Epoche an. Der erste Besitzer des Schatzes, ein
vornehmer Römer zu Augustus' Zeit, wird sie als besonders
kostbares Stück vielleicht im Kunsthandel erworben haben.

111. Gainsborough: Die Tränke. Was Reynolds in einem
Toaste auf seinen grossen Nebenbuhler als Porträtist der vornehmen
Welt Londons ausrief: er wäre der grösste Landschafter
seiner Zeit — gilt der modernen Anschauungsweise
fast als Axiom. Man pflegt ihn als den malerischen Vertreter
jener innigen Naturliebe im 18. Jahrhundert aufzufassen, deren
litterarische Propheten Rousseau und Thomson sind. Gainsborough
, der gesuchte Porträtist, malte seine Landschaften,
die in seinem Atelier bis zur Decke aufgestapelt waren, weil
er so musste — und er malte sie, wie er musste, ohne wesentliche
Zurechtstutzung, ohne heroischen oder idyllischen Aufputz.
Seine koloristische Behandlung hat Reynolds mit Worten geschildert
, die fast wie ein modernes Künstlerprogramm klingen:
„Die Flüchtigkeit, welche wir an seinen besten Arbeiten bemerken
, darf nicht immer als Nachlässigkeit gelten. Wie sie
oberflächlichen Beobachtern auch erscheinen möge, Maler
wissen sehr wohl, dass stetige Aufmerksamkeit auf die allgemeine
Wirkung mehr Zeit in Anspruch nimmt und dem
Geist mehr Arbeit kostet als jede Art feinen Ausarbeitens und
Glättens ohne diese Aufmerksamkeit. Seine Behandlung, seine
Art, die Farben aufzulegen, oder mit anderen Worten, die
Methoden, deren er sich bediente, um Wirkung hervorzubringen,
hatten sehr den Anschein der Arbeit eines Künstlers, welcher
nie von Anderen das der Kunst eigene, gewöhnliche, regelmässige
Verfahren gelernt hat, aber der als Mann von starkem
Anschauungsvermögen sich einen eigenen Weg herausfand,
der ihn zum Ziele führte."

112. Begas: Menzel. Das Werk wurde schon 1876 erworben,
doch ist das Porträt heute noch frappant ähnlich. Der
Maler, etwa im 60. Lebensjahre, ist dargestellt als der unerbittliche
Beobachter. Ernst, fast verdrossen geht der Blick
in die Ferne. Die linke Hand mit dem Zeigefinger sieht aus,
als ob sie demnächst etwas demonstrieren wolle. Im übrigen
ist dann auch nicht versäumt, anzudeuten, dass die Figur des
Künstlers weit kleiner ist als Mittelmass. Der rauhe Stoff des
Hausrockes bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu den glätteren
Formen des Gesichts, in die vom Bildhauer nur wenige, aber
scharfe und fein berechnete Züge eingegraben worden sind.

113. Rubens: Helene Fourment. Im Dezember i63o heiratete
Rubens seine zweite Frau, Helene Fourment. Das blühende
Mädchen, das erst 16 Jahre alt war, wurde fortan dem Maler,
dessen Jahre mehr als das Dreifache betrugen, zum Mittelpunkt
seiner Kunst. Immer wieder hat er sie gemalt, und ihre lebens-
fiohen Züge mit der rosigen Farbe und dem blonden Haar
mischen sich in die der Göttinnen und Heiligen seiner Gemälde.
Besass die junge Frau selbst den Geschmack, den ihre stets
wechselnden Toiletten verraten, oder war der Gatte es, dessen

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