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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_03/0033
Meister „H W G". Landschaft.

Holzschnitt, etwas verkleinert.

Albrecht Altdorfer.

DÜRER schreitet in zielbewusster Männlichkeit,
Altdorfer regt sich wie ein spielendes Kind.
Dennoch, weil des Regensburgers Treiben besonderen
Charakter und nirgend seinesgleichen hat, fehlt
auch ihm das lebhaft erregte Interesse des Beobachters
nicht. Seine Kunst ist keine hohe Zierpflanze
, sondern eine Waldblume, die ein wenig
wild wuchert, ein echtes Kind des heimischen Bodens,
des oberdeutschen Landes, des Donaugaues. Im
Reize persönlicher Eigenart ist Altdorfer mehr
als einer der Dürer-Schüler, die ihn an Können
übertreffen, mehr als Hans von Kulmbach und
Schäufelein, mehr selbst als Hans Baidung, als
Burgkmair. Und wie hoch steht Baidung an Verständnis
der Körperformen, Burgkmair an Geschmack,
an Kultur über ihm! Dem Regensburger war das
Geschick beschieden, leicht hinwegzukommen über
Schranken, die Dürers Streben hemmten. In der
Geschichte der Landschaftsmalerei wird Altdorfer
genannt, wenn nicht als der Bahnbrecher — dieser
Titel möchte seiner Statur unangemessen scheinen —,
so doch als ein Vorläufer.

Aus dem Altargemälde erwuchs das Kabinettsgemälde
, aus dem Andachtsbilde das Bild, das nichts
ist als ein Bild. Bedenkend den Gang dieser
Entwickelung, finden wir den Maler von Regensburg,
der 1480 etwa zur Welt gelangte und 1538 starb,
als einen zu früh Gekommenen. Altdorfer hat Bilder
gemalt, in denen der Vorwurf verflüchtigt ist, in

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denen die Aufgabe nicht mehr das Herrschende,
das Gestaltende ist, sondern nur noch Vorwand,
Anlass, Gelegenheit zu einem Bilde. Es war
eine frische Gestaltungslust, eine freie Laune, eine
heitere Teilnahme an menschlichen Dingen, es war
im besonderen eine innige Freude an der landschaftlichen
Natur, was den Regensburger löste von
der Tradition. Der Maler gewann ohne Kampf, wie
einen Platz, der ihm zukam, einen neuen Standpunkt,
einen neuen Blick auf die Welt, die in ihrer Ganzheit
ihm als ein Gegenstand der Wiedergabe erschien.
Er trat zurück, weiter ab von den Figuren und den
figürlichen Gruppen. Er sah die Gestalten, das
menschliche Treiben aus grösserer Entfernung, wie
es sich von den Raumumständen abhängig, innerhalb
etwa der Landschaft, bewegt. Nicht dass er als ein
naturanbetender Pantheist die Unerheblichkeit des
Menschlichen begriffen hätte. Als ein Maler aber, der
die Natur liebte, hat er das Staffagenhafte der Menschlichkeit
innig empfunden. Unter den Mächten, die
dem Maler seinen Standpunkt anwiesen, fehlte auch
die Not nicht. Die bunte Willkür des Landschaftlichen
war seinem Können zugänglich, nicht so der
Organismus des Menschenkörpers. Die plastische
Form war ihm nichts, die farbige Erscheinung alles.
Von Dürer haben wir Landschaftsblätter, die an
Energie der Anschauung alles weit hinter sich lassen,
was Altdorfer geschaffen hat, aber das sind Studien,
meist noch mit einem merklichen Zusatz von


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