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chen ist als Ganzes ein Kuriosum, ein Kunststück.
Zum Teil liegt die Wandlung in der Zeit. Altdorfers
letzte zwei Jahrzehnte fallen zusammen mit dem
Aufkommen der Dürer-Epigonen, der Romanisten.
Mit halbem Recht hat man den Regensburger
Meister eingereiht unter die „Kleinmeister". Manche
ihrer Eigenschaften zeigen Altdorfers späte Werke,
namentlich seine Kupferstiche. Im Aeusserlichen
zumal, im Gegenständlichen folgt er der jungen
Mode. Seine Kompositionen gewinnen in dieser
Periode an Ruhe und Symmetrie, seine Formensprache
an Rundung. Die Proportionen seiner
Figuren werden kürzer. Gleichzeitig erscheinen
seine Bilder in schmuckhaftem Gewände, mehr
lokalfarbig, seine Malweise wird minder durchsichtig,
sein Vortrag mehr tüpfelnd. Im ganzen ist die
Pedanterie der Zeit seiner Kunst nicht gefährlich
geworden. Das Beste blieb ihm treu, die bewegliche
Laune und die innerliche Unbefangenheit.
Ganz allein steht Altdorfer nicht. Ostendorfer
freilich, sein eigentlicher Nachfolger in Regensburg,
ist nicht mehr als ein Nachahmer, der überdies
eine trübe Spiegelung bot. Interessanter ist die in
neuerer Zeit deutlicher gewordene Persönlichkeit
des Wolfgang Huber, der anscheinend in Passau
thätig war, aber auch am Bodensee auftaucht. Die
Holzschnitte (s. Abb. S. 22) und Zeichnungen dieses
Meisters zeigen eine der Altdorfers verwandte Auffassung
des Landschaftlichen und der Figuren in der
Landschaft. Ob Huber von Altdorfer gelernt hat,
steht noch dahin. Seine frühesten Arbeiten sind von
merkwürdiger Schlichtheit und Reinheit der Naturbeobachtung
, die späteren wurden entstellt durch die
manirierte Zeichnung des Blattwerks. Nicht frei von
Manier und zugleich phantasielos, verglichen mit Altdorfer
, treten die beiden etwas jüngeren Landschaftsradierer
auf, die offenbar durch des Regensburgers
Schöpfungen angeregt sind, Hirchvogel und Lautensack
. Im Holzschnitt bleiben die Landschaftsdarstellungen
immer vereinzelt. Von einem Zeichner,
der mit den Initialen „H W G" signiert, besitzen wir
einige Holzschnitte mit vorwiegend landschaftlichem
Inhalt. Von ihm stammt wohl auch das hübsche
Blatt, das hier als Kopfleiste abgebildet ist.
Altdorfers Kunst steht in der Geschichte wie
ein Versprechen, auf das keine Erfüllung folgte. Die
feindlichen Umstände, die der deutschen Malerei
ein jähes Ende brachten, Hessen auch diese Knospe
nicht zur Blüte werden.
Altdorfer, der recht wie ein Ankündiger des
Neuen erscheint, was kündigt er an, wenn nicht,
sehr verfrüht, Rembrandts Poesie? Zwischen Altdorfer
und Rembrandt nicht viel mehr als akademisch
bewusste Bemühung, Nachahmung und
Missverstehen allenthalben im Norden! So war
das Geschick der deutschen Kunst, dass alles Eigene,
kaum zum Leben erwacht, erstarb, um spät im
nordischen Vorland aufzuleben.
Max J. Friedländer.
Altdorfer. Landschaft.
Radierung, etwas verkleinert.
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